Von den Jahrbüchern des deutschen Reichs lagen mehrere neue Abtheilungen vor. Dr. Breysig in Culm hat seine Geschichte Karl Martell’s zum Abschluß gebracht, welche demnächst zu veröffentlichen ist. Auch die Geschichte K. Pipin’s von Dr. Oelsner in Frankfurt, welche nur noch einige Ergänzungen bedarf, wird voraussichtlich im Laufe des nächsten Jahres publiciert werden können. Von den weit vorgeschrittenen Arbeiten des Dr. Steindorff in Göttingen über die Geschichte K. Heinrich’s III. wurde der Commission Mittheilung gemacht. Die Geschichte Philipp’s von Schwaben und König Otto’s IV. ist zur Bearbeitung dem Hofrath Winkelmann in Dorpat übertragen worden.
Der Druck des vierten Bandes der historischen Volkslieder der Deutschen wird demnächst beginnen. Voraussichtlich wird derselbe mit dem in Bearbeitung stehenden Supplementband bis zum nächsten Herbst dem Publikum übergeben werden und so ein Unternehmen, welches die allgemeinste Anerkennung gefunden hat, zum raschen Abschluß gedeihen.
Auch der Schlußband der Weisthümer ist in der Redaktion so weit vorgeschritten, daß dem baldigen Druck kein Hinderniß im Wege steht. Durch eine größere Anzahl neu aufgefundener Stücke, welche man besonders dem hiesigen Reichsarchiv verdankt, dürfte der Band einen solchen Umfang gewinnen, daß die wichtigen Sachregister wahrscheinlich für einen besonderen Supplementband werden zurückgelegt werden müssen.
Die Herausgabe der Hanserecesse hat eine sehr bedauerliche Verzögerung dadurch erlitten, daß Professor Frensdorff sich wegen anderer Geschäfte die übernommenen Redaktionsarbeiten aufzugeben genöthigt sah. Die Commission hofft jedoch auch dieses neue Hemmniß, welches dem durch Lappenberg’s und Junghans’ Tod schon so lange gestörten Unternehmen erwachsen ist, bald heben und für die Arbeiten, welche zur Drucklegung des Werks noch erforderlich sind, in Dr. Koppmann zu Hamburg einen geeigneten Gelehrten gewinnen zu können.
Die Zeitschrift: „Forschungen zur deutschen Geschichte“ wird, da sie sich mehr und mehr als ein Bedürfniß für die Wissenschaft zeigt, in der bisherigen Weise fortgeführt werden.
Die ausgedehnten Arbeiten für die Herausgabe der Wittelsbach’schen Correspondenz haben zu neuen erwünschten Ergebnissen geführt. Der Druck des zweiten Bandes der Correspondenz Churfürst Friedrich’s III. von der Pfalz hat sich nicht, wie in Aussicht stand, im Laufe des verflossenen Jahres bewerkstelligen lassen, weil das Material sich noch in letzter Zeit so mächtig ansammelte, daß eine neue Redaktion nothwendig wurde, um das gesetzte Maß nicht zu weit zu überschreiten. Die Arbeit ist indessen so weit gediehen, daß der Druck jetzt beginnen wird. Für die ältere bayerische Abtheilung, welche unter der Leitung des Reichsarchivdirektors v. Löher bearbeitet wird, haben die Nachforschungen des Dr. v. Druffel in den hiesigen und Wiener Archiven den reichsten Ertrag geboten; die Sammlung des Materials für den Briefwechsel H. Albrecht’s V. aus den Jahren 1550 bis 1555 kann jetzt als abgeschlossen betrachtet und die Publication des diesen Briefwechsel umfassenden Bandes vorbereitet werden. Für die jüngere pfälzische Abtheilung, welche unter Leitung des Professors Cornelius steht, hat Dr. Ritter die Arbeiten in den hiesigen Archiven und in Paris fortgeführt, überdies die Einleitung zum ersten Bande, welche die Geschichte der Unionspolitik in dem Jahrzehend vor dem Beginn der mitzutheilenden Actenstücke darstellt, in der Handschrift vollendet. Dem Drucke des ersten Bandes dieser Abtheilung steht von Seiten der Redaktion nun kein Hinderniß mehr entgegen. Für die jüngere bayerische Abtheilung welche ebenfalls unter der Leitung des Professors Cornelius steht, ist besonders neben demselben Dr. Stieve thätig gewesen. Mit seiner Hülfe hat der Herausgeber das Bernburger Archiv für die Jahre 1612–1616 ausgebeutet und in Paris die Beziehungen Frankreichs zu Pfalz, Bayern und dem Reich zu erforschen begonnen.
Die regelmäßige Fortsetzung der neuen Ausgabe von Schmeller’s Wörterbuch ist gesichert. Dr. Frommann, der in rühmlichster Weise seine Aufgabe erfüllt, hofft in etwa vier Jahren das ganze Werk zu veröffentlichen; durchschnittlich werden drei Lieferungen im Jahre erscheinen.
Die Geschichte der Grafen von Spanheim, bearbeitet vom Pfarrer J. G. Lehmann in Nußdorf, zu deren Herausgabe auf den Antrag der Commission Seine Majestät der König eine Unterstützung aus der Dotation der Commission bewilligt hatte, ist der Presse übergeben und wird in zwei Bänden im Laufe des nächsten Jahres in die Oeffentlichkeit treten.
Bei dem gedeihlichen Stande der Arbeiten, welche die Commission in den letzten Jahren beschäftigt haben, glaubte sie auch einige neue Unternehmungen, welche an früher vorgelegte Pläne anknüpfen, jetzt bestimmter in das Auge fassen zu sollen.
Unter den Vorschlägen, welche Jakob Grimm der ersten Plenarversammlung machte, stand in erster Linie eine Zusammenstellung des historischen Inhalts der mittelhochdeutschen Dichtungen. Die Commission gieng auf diesen Vorschlag ein, stieß aber in der Ausführung auf so große Hindernisse, daß sie von dem Unternehmen endlich Abstand nehmen mußte. Professor W. Wackernagel nahm, als er nach Grimm’s Tode in die Commission trat, sogleich den Gedanken seines Vorgängers auf, beschränkte aber dabei den Plan auf eine Sammlung der historischen Gedichte der deutschen Lyriker im 13. Jahrhundert. Nach den Mittheilungen, welche Professor Wackernagel der diesjährigen Plenarversammlung machte, würde die Sammlung, welche den vollständigen Text der Gedichte mit geeigneten Commentaren enthalten soll, nur zwei Bände umfassen und in wenigen Jahren zu vollenden sein; Professor Wackernagel stellte überdies seine eigene Mitwirkung bei der Bearbeitung in Aussicht. Die Commission, erfreut, so einen Gedanken Jakob Grimm’s aufnehmen zu können und zugleich eine höchst werthvolle Ergänzung der Liliencron’schen Sammlung zu gewinnen, beschloß, die zur Einleitung des Unternehmens erforderlichen Anträge an Seine Majestät den König zu stellen.