Dem 15. Jahrhundert gehört ein großer, holzgeschnitzter, gekrönter, weiblicher Kopf mit einem hoben Rumpfe ohne Arme an; in diesem Rumpfe ist eine viereckige Oeffnung, welche die in diesem Gefäße zu verschließenden Reliquien sehen läßt. Damit verwandt ist ein kleines, hölzernes, weibliches Köpfchen, bei welchem man durch einen Vierpaß die eingeschlossenen Reliquien erblicken konnte.

Ein sehr elegantes Reliquiar ist in Form eines Kreuzes gebildet, dessen Arme in Vierpässe enden ([Fig. 4]). Das Kreuzchen steht auf einem eleganten sechsblätterigen, in’s Oblonge gezogenen Fuße mit Stiel und Knauf, letzterer mit sechs Rosetten besetzt. Die Vorderfläche des Kreuzchens selbst ist graviert, die Figur des Gekreuzigten gegossen. Vor dem untersten Vierpaße ist ein knieender Engel, gleichfalls gegossen, angebracht, der den Kelch zur Auffangung des Blutes emporhält; auf der obern Spitze des Kreuzes kniet der Erzengel Michael mit Schild und Schwert. Vom untern Vierpasse gehen zwei ornamentale Arme aus, auf denen die Figürchen von Maria und Johannes stehen. Das Kreuz, 27 Centim. hoch, ist ein hübscher Repräsentant der Goldschmiedearbeit des 15. Jahrhunderts.

Fig. 4.

Damit verwandt ist ein ganz ähnliches Reliquienkreuz, dessen beide Seiten nur graviert sind, das aber nicht auf einem Fuße befestigt ist. Die Gravierungen sind für die Geschichte des Stichs nicht ohne Interesse ([Fig. 5]). Nunmehr haben wir ein Reliquiar zu betrachten ([Fig. 6]), das einen schmalen, aus Metallblech zusammengesetzten, giebelartig geschlossenen Bau darstellt, dessen ganze Vorderfläche, mit Maßwerkdurchbrüchen versehen und durch eine Glasplatte geschlossen, in’s Innere blicken läßt, wo die Reliquien sich befanden. Eine massive Eckgliederung, die sich an den Giebeln mit aufsteigenden Zinnen verbindet, gibt Halt und Stärke. Das Reliquiar ist aus Kupferblech zusammengesetzt und stark vergoldet; die Rückwand ist neu; die Länge beträgt 26 Centim.; die Breite des Kastens 6 Centim.; die gesammte Höhe 33 Centim.

Fig. 5.

Den Uebergang vom 15. zum 16. Jahrhundert vermitteln zwei interessante kleine Reliquiarien, das eine in Form einer Scheibe, das andere herzförmig, beide zum Anhängen an den Hals bestimmt, so daß es fraglich ist, ob wir diese beiden Stücke mehr zum Damenschmuck, oder zu den Reliquienbehältern zu rechnen haben.

Dem 16. Jahrhundert gehört ein Gefäß an, das wol auch kaum etwas anderes als ein Reliquienbehälter sein kann ([Fig. 7]). Ein Fuß ist aus drei naturalistisch gebildeten Zweigen hergestellt, mit denen sich Blattwerk und Früchte in sehr feiner Form verbinden. Der runde Boden des Gefäßes ist mit einem auf der Unterseite gemalten Glase belegt, das ein Wappen vorstellt. Das Gefäß selbst besteht aus einem Glascylinder. Wir dürfen jedoch vermuthen, daß ehemals ein Krystallcylinder in das Metall gefaßt war, welches jetzt das Glas festhält. Der Deckel ist gebuckelt und mit einer Spitze versehen, die ähnlich gebildet ist, wie der Fuß.

Ein kleines umzuhängendes Kreuzchen ist wol trotz großer Rohheit erst aus dem 16. Jahrhundert.