In der Schweiz finden sich drei Geschlechter, welche in nicht zu großer Entfernung von einander angesessen waren:
v. Breitenlandenberg, in Roth silberne Ringe 2. 1.
v. Puirs, in Silber schwarze Ringe 2. 1.
v. Nydberg, in Silber rothe Ringe 2. 1.
In Gegenden, wo, wie besonders in der Grafschaft Mark, mehrere Geschlechter dasselbe Wappen führen, muß die Frage entstehen, ob der Grund hiervon in dem gemeinsamen Ursprunge der Geschlechter, oder darin zu suchen ist, daß mit dem Wappenbilde eine Bedeutung verknüpft war, der Art nämlich, daß es gewissermaßen ein Amtszeichen, oder dem Wappen des Lehnsherrn entliehen war. Die Wappen der Familien v. Frytag-Loringhoff und v. Hoiningen-Huene stimmen in allen Theilen überein, da auch beide als Helmzierde einen doppelten Flug führen, auf jeder Hälfte wieder mit drei Ringen 2. 1. belegt, und bei beiden findet sich in früherer Zeit dasselbe Schwanken in den Farben des Schildes und der Ringe, bis man, wie oben angegeben, für die Frytag blaues, für die Huene schwarzes Feld festgehalten hat. In Betreff der Helmzierden in der Wiederholung des Wappenbildes auf denselben finden sich ebenfalls in früherer Zeit Schwankungen. Beide Geschlechter, derselben Heimat entsprossen und aus dieser zur selben Zeit nach Curland gewandert, scheinen offenbar demselben Stamm entsprossen zu sein. Unter Beachtung der Namen und Wappen gehören auch die v. d. Lippe, gen. Hune, sowie die niederländischen v. Hoynk zu diesem Stamme; ob man aber auch die übrigen genannten Geschlechter Westfalens demselben Stamme zuzählen darf, wäre erst näher zu prüfen. Beachtenswerth dürfte es aber hierbei sein, dass die v. Frytag im Besitze von Aden, die von Asseln im Besitze von Hüninghausen waren, und daß die Stammsitze der meisten angeführten westfälischen Geschlechter nahe bei einander gelegen waren.
In seltenen Fällen wird es gelingen, den gemeinsamen Ursprung verschiedennamiger Geschlechter einer heraldischen Gruppe so vollständig urkundlich nachzuweisen, wie dies für die verschiedennamigen Nachkommen der Grafen von Sponheim geschehen ist, obgleich dieselben ihre Wohnsitze weiter von einander hatten, als dies bei den genannten westfälischen Geschlechtern der Fall war.
In einigen Gegenden findet man bei dem Lehns-Adel das Wappenbild des Lehnsherrn wiederholt. So ist z. B. im Herzogthum Jülich und in Geldern das häufige Vorkommen des Löwen in den Wappen auffallend, während man im Bergischen nicht selten gezinnte Balken findet. Viele Vasallen der Grafen von Katzenellenbogen zu Hohenstein führen, wie letztere, ein rothes Schildchen in silbernem Felde, aber begleitet von verschiedenartigen Beizeichen in einer Oberecke des Hauptschildes.
Aehnliche Verhältnisse sind mehrfach bekannt.
Die Entstehung solcher heraldisch-geographischen Gruppen mit gemeinsamen Wappenbildern scheint nach diesen Andeutungen nicht immer auf demselben Grunde zu beruhen.
Während manche Gruppen aus ein und demselben Stamme hervorgegangen sind, dessen Zweige nach Gütern, oder durch andere Umstände veranlaßt, verschiedenartige Namen erhalten, aber stets das gemeinsame Wappenbild beibehalten haben, kann bei anderen Gruppen ein gemeinsamer Ursprung nicht angenommen werden, da bei ihnen das gemeinsame Wappenbild von demjenigen des Landesherrn entnommen ist.