Die Cuppa ist ganz glatt, hat eine obere Weite von 9,8 Centim. bei 6 Centim. Höhe, zeichnet sich aber durch die stramme Linie, in der sie aufsteigt, aus, und die sich am obersten Rande um eine leise Andeutung nach außen biegt. Die Form des ganzen Kelches ist bei aller Einfachheit sehr edel und nachahmenswerth. Sie verbindet Eleganz und strengen Ernst auf so schöne Weise, daß der Kelch als Muster für ähnliche neue Kirchengeräthe bezeichnet werden kann.
Fig. 1.
Die Sammlung von Reliquienbehältern des Museums enthält neben manchem Schönen ein nicht uninteressantes Stück, dem wir eine nähere Betrachtung widmen möchten. Bekanntlich sind die Formen der Reliquienbehälter so verschiedenartig, daß man gerade hier kaum erstaunt sein wird, eine neue Form zu finden. Das Gefäß, welches in [Fig. 2] abgebildet ist, stammt aus der Jacobskirche zu Nürnberg. Es ist eine hölzerne, unten etwas abgeplattete Kugel, von etwas über 1 Decimet. Durchmesser, die ungefähr die Form eines Schädels hat, so daß sie stets als eine falsche Reliquie, nämlich als ein aus Holz gefertigter Schädel galt. Die Kugel ist mit einem alten Seidenstoffe überzogen, der an der Vorderseite durch eine längliche, schlitzartige Oeffnung, die mit Goldborten gesäumt ist, das hier mit weißem Lacke überzogene Holz zum Vorschein kommen läßt. Das weißlackierte Holz hat das Ansehen eines stark gebleichten Schädels, ist jedoch von vielem Küssen nicht nur sehr beschmutzt, sondern der Lack ist auch in der Mitte fast bis auf das Holz durchgeküßt. Jedenfalls schien der Betrug ein ziemlich plumper, indem die Verehrenden doch einen Knochen von lackiertem Holze unterscheiden mußten; auch ist ja ein Schädel nicht absolut kugelrund.
Der Stoff, womit die Kugel überzogen ist, erschien als so interessant, daß es wünschenswerth war, ihn, um das Muster vollständig zeichnen zu können, vom Holze abzulösen, da große Theile durch Falten verdeckt wurden. Dies wurde unlängst vorgenommen, und es zeigte sich nicht nur der Stoff, der hier abgebildet ist, in seinem schönen Muster, sondern auch, daß die daran geknüpfte Voraussetzung unrichtig war, und daß man, wenigstens bei Anfertigung des Gefäßes, dasselbe nicht als falschen Schädel anbringen wollte. Es fand sich, daß das Gefäß hohl gedreht ist und oben eine runde, durch einen passenden Deckel geschlossene Oeffnung hat. Das Innere ist nicht vollständig glatt, sondern zeigt die vom Ausdrehen entstandenen Ringe. An all diesen Ringen hafteten Spuren eines gelblichen, sandartigen Gegenstandes. Es zeigte sich auch, daß die Kapsel schon früher geöffnet war; denn der genau schließende Deckel war durch Ansetzen eines scharfen Instrumentes behufs, der Oeffnung etwas verletzt worden. Es dürfte also die Annahme gerechtfertigt sein, daß das Gefäß ehemals Erde von heiliger Stelle in sich barg, entweder aus dem heiligen Lande, oder von der Stätte, wo ein Märtyrer gelitten; möglich auch, daß sie auf den heiligen Jacobus Bezug hatte, in dessen Kirche die Kapsel, der, wie der Augenschein zeigt, viele Verehrung erwiesen worden war, sich befand.
Fig. 2.
Für die Zeitbestimmung der Entstehung fand sich an der hölzernen Kapsel, an der übrigens nur die vordere Oeffnung gefärbt ist, nichts vor; auch die unmittelbar darüber gespannte glatte, grobe Leinwand, welche das rohe Holz bedeckt, gab keinen Anhaltspunkt dafür. Nur der Stoff, womit die Kapsel überzogen ist, könnte einen solchen bieten; allein es läßt sich nicht nachweisen, daß er unmittelbar nach seiner Anfertigung und nicht erst später auf die Kapsel gezogen wurde. Wir müssen denselben also für sich betrachten.
Vergleichen wir ihn mit einer Anzahl von Stoffmustern, wie sie Bock veröffentlicht hat, so zeigt sich, daß derselbe wol im Stil am meisten Aehnlichkeit mit einigen italienischen Mustern hat (Gesch. d. liturg. Gewänder, I. Taf., XIV. Musterzeichner des Mittelalters, Taf. I und VI, Fig. 10 u. 11). Der Grund ist rosa, das Muster darauf gelblichgrün, die Blumen sind weiß. Eine Beschreibung des Musters ist durch die Abbildung erspart. Bock setzt diese Muster in’s 13.–14. Jahrh. Wir wollen einer solchen Autorität in diesem Fache gegenüber unsere Meinung nur schüchtern dahin aussprechen, daß der Naturalismus, die Schärfe und Energie der Zeichnung uns nur auf das 14. Jahrh. leiten würde. Es scheint uns indessen der Vergleich der von Bock publicierten Muster allein nicht ausreichend, um spanische, maurische, sicilianische und norditalienische Fabrikate streng von einander zu unterscheiden. Wir dürfen deshalb nicht geradezu die Frage nach dem Ursprunge dieses Stoffes dadurch als erledigt betrachten.
Nürnberg.