(Schwarzwälder Bote, Nr. 73.)
51) Vor einigen Monaten wurde nach einer Notiz von R. Serrure (Brüssel) in den Blättern für Münzfreunde bei Venlo ein Münzfund gemacht, welcher Goldmünzen Karls VI. v. Frankreich (1380–1422), Wilhelm VI. von Holland (1404–17), Rudolfs v. Diepholz Bischofs von Utrecht (1431–55), Reinhards von Geldern (1402–20), Arnolds von Geldern (1423–73), Johanns von Heinsberg, Bischofs von Lüttich (1419–56) und der Stadt Frankfurt mit dem Namen des Kaisers Sigismund, sowie Groschen Heinrichs VI. von England, geschlagen zu Calais, und Rudolfs von Diepholz (1426–31) enthalten waren.
52) Billenhausen bei Krumbach, 14. März. Vor einigen Tagen wurde hier ein auch historisch interessanter Fund gemacht. Es kamen nämlich beim Ausheben einer Düngerstätte über 5000 Münzen verschiedenen Gepräges, größtentheils aus dem 14. und 15. Jahrhundert stammend, zu Tage. Sicherem Vernehmen nach ist der Fund bereits in den Besitz der Staatssammlung übergegangen.
(Fränk. Kurier, Nr. 142.)
53) Zwickau, den 30. März. (Dresd. J.) Auf den in den Jahren 1875 und 1879 zu Dresden, beziehentlich Leipzig, veranstalteten Kunstgewerbeausstellungen befanden sich unter anderen, der hiesigen Stadt gehörigen kunstgewerblichen Gegenständen auch 2 alterthümliche silberne Pokale, deren Werth für die hiesige Stadt sich hauptsächlich erst infolge jener Ausstellungen herausgestellt hat. Beide Trinkgefäße, von denen das eine aus dem Jahre 1475 herrührt, sind gothischen Stils von ebenso seltener, als geschmackvoller Form, und es war der Stadt für käufliche Ueberlassung derselben an einen auswärtigen Juwelier und Antiquitätenhändler eine verhältnißmäßig sehr hohe Summe als Kaufpreis geboten worden. Es waren jedoch von Seiten der Stadt zunächst über den Kunstwerth der Becher eingehende Ermittelungen angestellt worden, und nachdem neuerdings die Generaldirektion der königlich sächsischen Sammlungen für Kunst und Wissenschaft, zu deren Kenntniß die Angelegenheit gelangt war, unter Hinweis darauf, daß es sich hier um künstlerisch höchst werthvolle und für die kunstgeschichtliche Forschung interessante Werke handle und es jedenfalls in den weitesten Kreisen ein schmerzliches Bedauern erregen würde, wenn sich die Stadt eines solchen Besitzes, auf welchen sie stolz sein könne, entäußern und diese kostbaren Kleinodien in Gefahr bringen wollte, in Privatbesitz überzugehen und vielleicht gar ins Ausland zu wandern, dem Stadtrathe die nochmalige Erwägung der Sache anheimgestellt hat, hat der Rath, da er es nicht mit der Ehre der Stadt für vereinbar zu erachten vermag, sich jenes aus alter Zeit überkommenen Besitzes ohne ganz dringende Noth zu entäußern, beschlossen, von einem Verkauf der Trinkgefäße definitiv abzusehen.
(Deutscher Reichsanzeiger, Nr. 78.)
54) Durch den Ankauf der Destailleur’schen Ornamentenstichsammlung für das Berliner Kunstgewerbe-Museum wurde der Kunstbesitz der deutschen Reichshauptstadt wieder um eine kostbare Sammlung vermehrt. Die Kunstgewerbe-Museen Englands und des Kontinents haben sich stets bemüht, neben ausgeführten Arbeiten kunstgewerblicher Art auch alle ornamentalen Zeichnungen, Ornamentstiche, Dekorations- und architektonische Werke zu sammeln. Fast alle großen Künstler der verschiedenen Kunstepochen haben in Zeichnungen und Entwürfen einen großen und wichtigen Theil ihrer Erfindung niedergelegt, und diese Arbeiten sind unentbehrlich zur Ergänzung der Sammlungen ausgeführter Gegenstände. Das Berliner Kunstgewerbe-Museum besaß bisher keine solche Sammlung, weil es an der Gelegenheit zum Erwerbe einer schon bestehenden gefehlt hat, die allmähliche Bildung einer solchen aber bei der heutigen Lage des Kunstmarktes weit größere Mittel erfordert und nach manchen Richtungen überhaupt unmöglich sein würde. Als nun im vorigen Jahre die Sammlung des Architekten Destailleur in Paris, welche unter allen bekannten den größten Ruf genießt, nach England verkauft war und die Gelegenheit sich darbot, dieselbe zu einem mäßigen Preise zu erwerben, haben einige Kunstfreunde in Berlin die Sammlung gekauft, um deren Erwerb für das hiesige Kunstgewerbe-Museum möglich zu machen, und sie der Staatsregierung für den Selbstkostenpreis angeboten. Da keine öffentliche oder private Sammlung bekannt ist, welche einen solchen Reichthum an Original-Zeichnungen, Kupferstichen und Holzschnitten kunstgewerblichen Inhalts von deutschen, niederländischen, französischen, italienischen und englischen Meistern des 16., 17. 18. Jahrhunderts besitzt, so hat die Staatsregierung nicht gezögert, den Ankauf zu betreiben. Der Kaufpreis beträgt 381,000 m.
(Beiblatt zur Zeitschr. f. bild. Kunst, Nr. 24.)
Verantwortliche Redaction: Dr. A. Essenwein. Dr. G. K. Frommann.