Wissenschaftliche Mittheilungen.

Die sieben Planeten. Darstellungen vom Beginne des 16. Jahrh.

Die interessantesten Darstellungen aus dem profanen Leben des Mittelalters sind sicher jene, welche uns nicht blos die höheren Stände, sondern auch das Leben des gemeinen Volkes vor Augen führen. Davon haben wir vorzugsweise in den Darstellungen der Monate und den Beschäftigungen während des Laufes derselben sogar aus ziemlich früher Zeit monumentale, plastische und gemalte Darstellungen. Auch die Kalender nahmen diese Bilder auf und setzen sie bis auf unsere Zeit fort. Man hatte aber auch vom Einfluß der Gestirne nicht blos auf die Geschicke, sondern auch auf die Thätigkeiten eine große Meinung, so daß aus dem Schlusse des Mittelalters interessante Darstellungen auf uns gekommen sind, welche uns die Thätigkeit der Menschen unter dem Einflusse der sieben Planeten, welche ja auch den Tagen der Woche die Namen gegeben, also gewissermaßen die sieben Wochentage vor Augen führen. Die interessanteste Reihe ist gewiß jene, welche in dem kostbaren Manuscripte im Besitze Sr. Durchl. des Fürsten von Wolfegg-Waldsee sich befindet, das vom germanischen Museum unter dem Titel „Mittelalterliches Hausbuch“ veröffentlicht worden ist.

Von großem Interesse ist aber der Vergleich einer um etwa 50 Jahre jüngeren Serie, die denselben Gedanken behandelt, und die wir hier in getreuen Reproduktionen, auf die Hälfte der Originale verkleinert, folgen lassen. Die Originale, sieben Holzschnitte, befinden sich in der Kupferstichsammlung des germanischen Museums. Passavant, dessen Reihenfolge wir hier festhalten, führt diese Blätter als Arbeiten Hans Sebald Beham’s an und gibt ihnen die Nummern 181–187 unter den Holzschnitten dieses Meisters. Er kennt die Exemplare aus Berlin und Gotha und sagt, daß auch spätere, ohne die Verse, vorkommen. Unsere Exemplare, welche nach der Sorgfalt, mit der sie abgezogen sind, Probedrucke zu sein scheinen, zeigen in den Versen einige Abweichungen von Passavants Angaben; auch fehlt auf dem ersten Blatte die dort gegebene Adresse des Illuministen Albrecht Glockendon mit dem Datum des 1. August 1531. Die Umrahmung ist bei allen sieben Blättern die gleiche. Sie scheint bei allen von demselben Stocke abgezogen, welcher als Passepartout für die sämmtlichen einzelnen Stöcke mit den bildlichen Darstellungen diente. Man dachte bei der Anfertigung offenbar an ein Zusammenkleben der Blätter, so daß die halbe Säule zu jeder Seite mit jener des Nachbarbildes eine ganze ergeben sollte.

Es wird wol nicht nöthig sein, unsere Leser im Einzelnen auf die verschiedenen Thätigkeiten aufmerksam zu machen, die sich hier entfalten: wie der Sonntag dem Gottesdienst und der Erholung geweiht ist, wo wir das Volk beim Steinwerfen, Springen, Ringen und Fechten sehen, während die vornehme Gesellschaft dem Volke nur zusieht und sich mit Gesang und Saitenspiel unterhält; wie uns die Wochentage Fischfang, Ackerbau, das Speisen der Bettler, die Gerechtigkeitspflege, die Thätigkeit in den Werkstätten der Künstler und Handwerker wie im Studierzimmer der Gelehrten, die Jagd und eine Kaiserkrönung, dann aber auch den Krieg mit Raub und Plünderung und seinen sonstigen Schrecken, also Freude und Leid des gesammten Lebens vor Augen führen. Es ist nicht nöthig, im Einzelnen auf die Fülle der Motive aufmerksam zu machen, welche dem Künstler für seine dekorativen Zwecke zur Verfügung standen, wie er uns über die Tracht und das Benehmen aller Stände vom Kaiser bis zum Bettler aufklärt, wie er in der Personifikation der Gestirne die antike Mythologie auffaßt und zur Darstellung bringt. Die Leser werden selbst die Beiträge zur Geschichte der Musikinstrumente, des Mobiliars, der Waffen, vor allem aber das Gesammtbild, wie sich Stadt und Land im Beginne des 16. Jahrh. darstellten, erkennen.

Die Sunn über aller Planeten schein
Recht freundlich sein die kinder mein
Inn. 365. tagen behent
Durch lauffe ich die firmament.

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GRÖSSERES BILD]

Saturnus alt kalt vnd vnrein
Boßhafftig seind die Kinder mein
Ich kan die zwelff zaichen
In dreyssig jaren wol erraichen.