Fig. 3.
Diese Vorbemerkung schien uns nöthig, um unsere Zeitbestimmung zu rechtfertigen, nachdem wir schon auf Sp. 268 des vorigen Jahrganges auf das Buch hingewiesen und in Fig. 1 eine Anzahl Figuren abgebildet haben.
Was nun den Inhalt betrifft, so enthält die Schrift Gebete und Betrachtungen biblischer Erzählungen, insbesondere für Festzeiten, die bei verschiedenen Gelegenheiten, theilweise beim Mahle selbst, verlesen wurden, so daß das Buch noch Reste von Speisen an Flecken mancher Blätter aufzuweisen hat. Die Illustrationen stellen nun die biblischen Erzählungen dar, die, gleichwie bei der christlichen Kunst, in das Zeitkostüm eingekleidet sind und eine ganze Reihe von Scenen aus dem Leben wiedergeben, wie es sich vor den Augen des Malers, vor den Augen der Andächtigen abspielte, die das Buch lasen.
Fig. 4.
Fig. 5.
Es würde sicher für das Studium der historischen Entwickelung von israelitischer Gelehrsamkeit von Interesse sein, den ganzen Codex publiciert und erklärt zu sehen. Wir greifen inzwischen Einiges heraus, was uns das Leben im Hause, in Küche und Keller vor Augen führt, soweit die stark mitgenommenen Bilder sich überhaupt wiedergeben lassen. Dies ist leider bezüglich des ersten Blattes, eines der interessantesten, nicht mehr der Fall. Den Anfang des Buches (von rückwärts) bildet nämlich die Herstellung der ungesäuerten Brote, und als erstes Bild sehen wir, eine ganze Seite füllend, die Windmühle dargestellt, zu welcher ein Esel mit Getreidesäcken geführt wird. Es ist aber derart beschmutzt und verwischt, daß nur eben noch ein Schein desselben vorhanden ist und eine Wiedergabe uns nicht räthlich erschien; die folgende Seite zeigt in 7 Gruppen, von denen wir hier 5 wiedergeben ([Fig. 1]–[5]) den Brunnen, von welchem das Wasser genommen wird, und das Tragen des Wassers ([1]) oben, wobei das Wasser in den Gefäßen vergoldet ist, wol um anzudeuten, daß es kein gewöhnliches Wasser sei; das Herbeitragen ([2]) und Oeffnen des Mehlsackes unten, die Bereitung des Teiges in 3 Gruppen in der Mitte ([3]–[5]). Es sind die Sack- und Wasserträger, wie sie damals ihre Dienste für jedermann ausübten, in dessen Hause sie dienten; es ist die Hausfrau, wie sie ihr Mehl in die Schüssel füllt und ihren Teig knetet; eben so sah eine christliche Hausfrau aus, wenn sie Dampfnudeln buk, wie die Jüdin, welche ihr Osterbrot bereitete.
Auch der Backofen auf der folgenden Seite ([Fig. 6]) sah wol allenthalben so aus, ob das schwarze Hausbrot, ob die Osterbrote darin gebacken wurden. Auch mögen christliche Knaben eben so frisches Brot oder Anderes genascht haben, wenn die Mutter eine besondere Speise aus dem Backofen brachte, wie hier die beiden, denen die Mutter das Verbot des verfrühten Genusses von Osterbrot einschärft.