Aus einer Magdeburger Chronik des 16. Jahrh.
In der Rathsbibliothek zu Magdeburg befindet sich ein Manuscript (Quart 30) unter dem Titel: „Historia was im Anfangk der Lehre des Heiligen Euangelii vom Anfange des Jahres 1524 bisz 1525 auf Blasii in allen dreien Stedten zu Magdeburgk sich begeben. Beschrieben durch Sebastian Langhans, Mollenvoigten daselbst.“ — Leider ist die Schrift nicht mehr im ursprünglich niederdeutschen Original vorhanden, sondern in einer sehr schlechten hochdeutschen Uebersetzung, die der Vicar vom St. Sebastianstift hierselbst, Johann Findemann aus Salzwedel, „ex antiquo et obscuro originali a. d. 1601“ angefertigt hat. Wie hochwichtig die kleine Schrift für die Geschichte Magdeburgs zur Zeit der Einführung der Reformation daselbst ist, wird bei der Herausgabe derselben noch besonders hervortreten. Für jetzt möchte ich nur zwei Stellen aus ihr hervorheben, von denen die erste ein verlorenes Schmählied, jedenfalls auf den Erzbischof-Cardinal Albrecht von Magdeburg und Mainz, die andere die Anlage einer Wasserleitung behandelt.
1. Ueber ein Schmählied aus der Reformationszeit.
S. 81 des Manuscripts: „Der Radt hat auch gebotten in der Altenstadt Magdeburgk, me soll von niemandts schmehelieder singen, nachsingen, auß Ursachen, das Kinder und Altte das liedtt vom Ochsentreiber singen.
Gleichmessigk hatt ein E. Radt in der Sudenburgk[205] auch den ihren verbotten und wirt in den beiden Stedten gehalten, aber in der Neustadt da singen die losen buben reich und arm von meinem gnedigsten Hern dem Cardinall und Ertzbischoffe etc., dem Hauptmann zu Calbe[206] und mir, dem Möllenvoigte, stets tag und nacht, und wen ich darkomme oder die meinen, vielmehr dan sonsten, darauß man sehen, hören und gemerken kan ihren meyneidischen, ungetrewen Ungehorsamb“...
Dieses Lied ist nicht bekannt; doch scheint es der ganzen Stelle nach sich auf den Erzbischof bezogen zu haben; möglich, daß der Hauptmann von Calbe und der Möllenvogt in demselben Gedicht mit behandelt wurden. Vielleicht tragen diese Zeilen dazu bei, das Dunkel zu lüften.
2. Ueber die Anlage einer Wasserkunst in Magdeburg.
S. 178: „Es hat auch ein Radt der Altenstadt für dreyen wochen ungefehrlich einen Meister allhie zue Magdeburgk gehabt, der wisse Mölen zu machen, die ein Mensch sall umbziehen mit seinen Henden und damit so viel meell teglich machen, das davon hundert Personen Jahr un tagk enthalten sollen werden und solliche Mölen die burger sechse, achte VVI (?) weniger oder mehr, dornach sie reiche sein, unter sich machen und erbawen laßen. Ich bin auch bericht, das ein Radt mit demselbigen vorbemelten Meister in Verhandlunge sein gewest, er habe auch zu thun vorheischen, das er die Elbe vor dem Bruckthore wolle einfassen und uff den Altenstedter marckt in einem Röhrkasten lassen außlaufen und alda wieder einfallen, under sich lauffen laßen und in allen gassen der Stadt laßen außspringen in Röhrkasten so stark, das alle burger darauß backen und brawen sollen und zu alle ihrer notturfft gebrauchen.
Dergleichen hat ein Radt der Altenstadt mit ihren Stadtgeschworen im Radtschlage gehabt, das sie ihre Stadtgraben wollen unterscheiden an sechß oder sieben stellen und in iglichem orthe sunderliche fischereyen in der Stadt nutz machen, auch in denselbigen Stadtgraben fünff oder sechß Kornmölen, eine Walckmöhle und eine Papyer-Mölen durch denselbigen meister laßen setzen oder hencken und bawen mitt dem Anhange, sie wollen die Wasser mit rädern über alle die Stadt eingießen lassen, so sollen auch sustent in den Stadtgraben viele gueter springk sein, die auch darzue helffen sollen. Der Meister ist wieder heimgetzogen, man sagt er solle uff newen zukunfftigen Radts (? — Jahrs?) Zukunfft sich hieher kegen Magdeburgk heußlich besetzen und in’s Radts Dienst und ganzer gemein begeben.“
Magdeburg.