Aber auch an den Wänden der Kirche sind allenthalben Reste alter Malerei zu Tage getreten, so daß der Cyklus romanischer Wandmalereien der Rheinlande um eines der interessantesten Beispiele vermehrt ist. Es scheinen indessen nicht alle Malereien derselben Hand zu entstammen. Während sie theilweise die ganze Freiheit des fortgeschrittenen Stiles des 13. Jahrh. zeigen, sind andere ungemein streng. Von hervorragendster Bedeutung in Bezug auf Ernst und Großartigkeit der Erscheinung ist ganz besonders eine sitzende Maria mit dem Kinde und den anbetenden drei Weisen an der Westwand der Kirche.
52) Unter den mittelalterlichen Malerschulen Deutschlands führt bekanntlich die kölnische den Reigen. Der erste, in bestimmtern Zügen vor uns tretende Repräsentant derselben ist Meister Wilhelm. Unter dem Jahre 1380 erwähnt die Limburger Chronik desselben mit dem Bemerken, er sei „der beste Maler in teutschen Landen gewesen“; er habe „einen jeglichen gemalt von aller Gestalt, als habe er gelebt“. Wie Dr. Ennen in seiner Geschichte der Stadt Köln II, S. 521 berichtet, figuriert der genannte Meister in den Ausgabe-Registern für die Jahre 1370 bis 1380, höchst wahrscheinlich als in städtischem Dienste stehender Maler. Ueber dessen, zum Theile noch problematische Schöpfungen findet sich in Schnaase’s Geschichte der bildenden Künste (VI, S. 423 u. s. w.) eine eingehende Erörterung. Insbesondere werden dort bei der jüngsten Restaurierung des Hansesaales aus der Uebertünchung wieder an’s Licht getretene Wandgemälde hervorgehoben, von welchen mit zureichender Sicherheit anzunehmen ist, daß sie vom Meister Wilhelm herrühren. Es ergaben sich die Spuren von neun lebensgroßen Gestalten, Spruchbänder haltend, zumeist jedenfalls Propheten. „Sie zeigen“ — wir citieren Schnaase — „die Hand eines vorzüglichen Meisters, übertreffen in der Linienführung und Modellierung alle vorhergegangenen kölnischen Wandmalereien und erinnern mehr an die nahestehenden Tafelmalereien.“ Leider konnten diese Ueberbleibsel altkölnischen Kunstlebens nicht, angemessen wiederhergestellt, an Ort und Stelle erhalten bleiben; drei Brustbilder von Propheten wurden indeß mit dem Mörtelputze von der Wand abgelöst und dem städtischen Museum überantwortet. Außer den Prophetenbildern waren noch andere Darstellungen, theils in Bruchstücken, theils noch wohlerhalten oder doch kenntlich, sichtbar geworden, insbesondere kleinere, in Dreipässe eingeschlossene Figuren symbolischer und legendarischer Art, wahrscheinlich im 15. Jahrhundert ausgeführt. In Anbetracht der kunsthistorischen Bedeutung der vorbezeichneten Schöpfungen der Kölner Malerschule hat gleich nach Aufdeckung derselben ein gründlicher Kenner und eifriger Förderer der christlichen Kunst, der Maler F. A. Martin in Roermond, den Fund seinem ganzen Umfange nach durchgepaust und möglichst getreu nach den Originalen coloriert. Es wäre zu wünschen, dass diese Nachbildungen durch den Uebergang in eine öffentliche Sammlung von Kunstwerken für alle Zukunft gesichert und einem jeden, welcher sich für Derartiges interessiert, zugänglich gemacht würden.
(Köln. Volkszeitung, Nr. 108.)
53) Ingolstadt, 15. Mai. Die „Ing. Ztg.“ schreibt: Das alte, im Jahre 1373 erbaute Harderthor ist nahezu abgebrochen; aber ein Andenken an dasselbe wie an die Pietät unserer Voreltern ist uns hievon geblieben. Beim Abbruche dieses alten Baues — als der im Jahre 1430 oder spätestens 1542 im Innern dieses Thores eingesetzte Gewölbebau niedergerissen wurde — kam auf dem Verputze der östlichen Seitenwand des ursprünglichen Baues ein Gemälde zum Vorschein, welches Jesum am Kreuze, daneben die schmerzhafte Muttergottes mit zwei heil. Frauen auf der einen Seite, dann den heil. Johannes Evangelista auf der andern Seite vorstellt. Hunderte von Beschauern aus allen Ständen drängten sich um dieses mehr als 300 Jahre verborgen gebliebene, noch gut erhaltene Bild, welches nach seinen Vorzügen und Mängeln sicher der zweiten Epoche der Gothik (1300–1400) angehören dürfte. Gelingt die bisher mit so großer Mühe und Vorsicht bethätigte Lostrennung des betreffenden Mauerstückes, dann wird dieses interessante Bild unserer Stadt nicht blos in Photographie, sondern auch im Original erhalten bleiben.
(Augsburger Postzeitung, Nr. 116.)
54) Im Jahre 1882 sind es vierhundert Jahre, daß in Wien die erste Buchdruckerpresse ihre Wirksamkeit begann, von welcher Thätigkeit noch einige Flugblätter sich bis in unsere Zeit erhalten haben. Um dieses kulturhistorisch bedeutsame Ereigniß in würdiger Weise zu feiern, haben die Wiener Buchdruckercorporationen ein Comité gewählt, welches außer den entsprechenden Festlichkeiten auch die Veranstaltung einer Ausstellung, die ein Bild der Entwicklung des Buchdruckes und der verwandten Geschäftszweige in den abgelaufenen vierhundert Jahren geben soll, sowie die Herausgabe der Buchdruckergeschichte Wiens in Aussicht genommen. Die Verfassung dieses Werkes wurde Hrn. Dr. Heinrich Kábdebo übertragen, dem ein Comité von Fachmännern zur Seite steht, die ihn in seinen Forschungen unterstützen werden.
(Augsb. Postztg., Nr. 97.)
55) Leipzig, 4. Mai. Wie nunmehr feststeht, wird die Kunstgewerbe-Ausstellung am 15. Mai Vormittags durch Se. Majestät den König feierlich eröffnet werden. Höchst interessant wird die Sammlung der Alterthümer ausfallen. Se. Majestät der König von Sachsen, die thüringischen Fürsten, soweit ihre Gebiete mit dem Ausstellungsgebiete zusammenfallen, werden ihre Kostbarkeiten senden. Auch die preußische Regierung gibt bereitwilligst aus ihren Sammlungen her. Verschiedene Kirchen stellen ihre Schätze aus, so Quedlinburg allein zwei Reliquienschränke etc. im angeblichen Werthe einer halben Million. Braunschweig einige kostbare Büchereinbände u. dgl. Halle wird den kostbaren Kelch aus St. Ulrich ausstellen, eine Email-Arbeit über Golddraht, von einem alten Halleschen Meister u. s. w.
(D. Reichsanz., Nr. 109.)
56) Am 10. d. M. wurde im Akademiesaale des kurfürstlichen Schlosses zu Mainz eine Ausstellung graphischer Darstellungen der Stadt Mainz und ihrer Denkmäler eröffnet. Dieselbe umfaßt Pläne der Stadt und Festung, Ansichten der Stadt und deren nächster Umgebung, die hervorragendsten Denkmale, wie den Dom, die ehemal. Liebfrauenkirche und sonstige kirchliche Bauwerke, seien sie erhalten oder untergegangen, ferner öffentliche Gebäude, einzelne Theile aus dem Innern der Stadt, Wohngebäude, kirchliche und profane Denkmäler. Die Ausstellung bietet somit im Bilde einen Ueberblick über die Stadt Mainz, ihre äußere Entwickelung, ihre Bedeutung für die Kunstgeschichte, wie über ihre Stellung als Schlüssel des Reichs und die Geschichte ihrer kriegerischen Wechselfälle. Unter diesen verschiedenen Gesichtspunkten gewinnt die Ausstellung eine über den engeren Heimatkreis hinausreichende Bedeutung. Durch die außerordentlich reiche Beschickung von Seiten einzelner Besitzer und Kunstfreunde wie von Anstalten und Behörden ist eine solche Fülle von Materialien vereinigt, daß die Ausstellung eine nicht leicht wiederkehrende Gelegenheit zur Förderung der historischen und namentlich kunstgeschichtlichen Forschung bietet.