In der Abtheilung Diplomata ist es gelungen ein erstes Heft der Urkunden Deutscher Könige und Kaiser, Konrad I. und Heinrich I. umfassend, zum Abschluß zu bringen.
Die von Hofrath Prof. Winkelmann in Heidelberg übernommene Ausgabe ungedruckter Urkunden der späteren Staufer und ihrer Gegenkönige und Nachfolger bis Richard und Alfons wird außer dem in den Sammlungen der Monumenta vorhandenen Material auch das enthalten, was Hofrath Prof. Ficker in Innsbruck zusammengebracht hat, im Ganzen über 500 Stücke, die in Anschluß an die aus dem Nachlaß Böhmers veröffentlichten Acta imperii demnächst zur Veröffentlichung gelangen werden. Auch die von Prof. Arndt in Marseille gefundenen Actenstücke zur Geschichte Kaiser Friedrichs II. sollen hier ihren Platz finden.
Der für das verflossene Jahr in Aussicht genommene Druck der Briefe Gregors d. Gr. in der Abtheilung Epistolae unter Leitung des Prof. Wattenbach hat einen Aufschub erlitten. Derselbe ist insoweit aber auch nur günstig gewesen, als inzwischen die lange verschollene Handschrift jener Briefe, die Paulus an Adalhard sandte, von Dr. Gillert in der k. Bibliothek zu Petersburg aufgefunden ist. — Die Ausgabe der von Pertz im vaticanischen Archiv abgeschriebenen Briefe wird Prof. Wattenbach demnächst mit Hülfe eines zweiten Mitarbeiters in Angriff nehmen.
In der Abtheilung Antiquitates hat Prof. Dümmler die Vorarbeiten für die Sammlung der Gedichte karolingischer Zeit, über die er im N. Archiv, Bd. 4, ausführliche Nachricht gegeben, so weit geführt, daß der Druck im Lauf des Jahres begonnen werden kann; das erste Heft wird die Zeit Karls d. Gr. umfassen.
Es stehen also eine Reihe bedeutender Publicationen in Aussicht.
Mittheilung und Bitte um Auskunft. Im Besitze Sr. K. Hoheit des Prinzen Georg, Herzogs zu Sachsen befindet sich eine in Birnbaumholz ausgeführte Schnitzerei, eine Grablegung darstellend, 56 cm. hoch, 70 cm. breit, vorn mit 1523 auf der Rückseite mit Veit 1523 Stoß, bezeichnet. Sie stammt aus dem Besitze des Königs Friedrich August IV. von Sachsen; wie sie in denselben gelangte, ist unbekannt. Diese ausgezeichnete Arbeit zeigt 5 freie Figuren, welche sich um den Leichnam Christi gruppieren; nur die Rückseite ist glatt gearbeitet, ohne Zweifel dazu bestimmt, sich an eine Fläche zu legen. Die Rückseite zeigt ferner schwalbenschwanzartige Einschnitte mit Aufsatzöffnungen, wol bestimmt für Befestigungen an der Hinterwand, zugleich um wol drei Kreuze, jenes des Heilandes und jene der Schächer, aufzunehmen. Die Schnitzerei dürfte den Theil eines großen Altarschnitzwerkes bilden; sie ist von hoher künstlerischer Vollendung in der Anordnung der Figuren, wie in dem Ausdruck der Gemüthsbewegung, und zeigt die Eigenthümlichkeiten der anerkannten Werke des Veit Stoß und dessen Schule. Die ursprüngliche Polychromie ist bis auf wenige Stellen vollständig entfernt. Eine Photographie des Werkes übermittelte ich dem germanischen Museum, welches deren Einsicht gestattet; auch wäre ich bereit, unter Umständen, wenn zu kunstgeschichtlicher Richtigstellung nöthig, weitere Abzüge und Uebersendung derselben zu vermitteln. Die Schnitzerei befindet sich jetzt ausgestellt auf der Kunstgewerbe-Ausstellung zu Leipzig.
An die Herren Kunstgelehrten und Künstler richte ich die ganz ergebenste Bitte, mir gütige Mittheilung machen zu wollen, falls irgend welche Beziehungen der beschriebenen Schnitzerei zu einer größeren Altarschnitzerei oder dergl. anzunehmen wären.
Dresden, Mai 1879.
Dr. R. Steche.