Vermischte Nachrichten.
58) In einer Torfgrube bei Grenaa in Jütland wurde Mitte vorigen Monats beim Torfgraben ein wohlerhaltener Leichnam einer jungen Frau gefunden, der jedenfalls seit der Bronzezeit hier gelegen. Die Leiche wurde in Gegenwart des Hardevogtes und des Distriktsarztes sehr sorgfältig aufgenommen und auf dem Kirchhofe zu Oerum beerdigt. Später ist dieselbe jedoch auf Veranlassung des altnordischen Museums wieder ausgegraben und per Dampfschiff nach Kopenhagen gesandt worden.
(Nordd. Allg. Zeit., Nr. 222.)
59) Auf dem Lindenhof in Zürich wurde dieser Tage ein beträchtlicher Münzfund von mehreren goldenen und einigen hundert Silbermünzen aufgehoben. Fast alle Münzen zeigen die Bildnisse verschiedener Kaiser und deren Gemahlinnen des 2. Jahrhunderts (Hadrian, Antoninus Pius, Marc Aurel, Verus, Commodus etc.) und sind sehr gut erhalten.
(St.-Anz. f. Württemb., Nr. 133.)
60) Das Dorf Mariaweiler bei Düren hat sich als ein großes Trümmerfeld römischer Ansiedelungen erwiesen. Man schreibt über den Erfolg der bisherigen, fünftägigen Ausgrabungen der „Dürener Volkszeitung“ vom 17. Mai: Von der römischen Villa in Mariaweiler ist jetzt so viel bloßgelegt, daß sich die Baderäume mit einiger Sicherheit bestimmen lassen: das Zimmer fürs Schwitzbad (tepidarium), fürs warme Bad (caldarium) und fürs kalte Bad (frigidarium). An das der Straße zugekehrte, nördliche Zimmer schließt sich westlich das zuerst aufgefundene, halbrunde Badebecken, zu welchem zwei Treppenstufen hinunterführen. Südlich nach der neuen Kirche zu ist ein kleiner Theil des Heizraumes (praefurnium) mit dem Ofen (hypocausis) bloßgelegt. Sehr kenntlich liegen die Reste der Luftheizung vor Augen. Zunächst steht noch ein großes Stück des hohen, breiten Kanals, welcher die erwärmte Luft aus dem Feuerungsraume in das östliche Badezimmer führte. Sowohl in diesem, wie in dem westlich daranliegenden, mit einer halbrunden Nische abschließenden Zimmer bedecken die Trümmer der meist aus runden, theilweise auch aus grauen quadratischen Ziegeln aufgemauerten, etwa 1½ Fuß hohen Säulchen in regelmäßigen Abständen von etwa 1½ Fuß den Boden. Sie trugen den zweiten Boden, so daß die aus der hypocausis in den Kanal einströmende warme Luft in diesem Souterrain (suspensurae) zwischen den Säulen sich verbreiten konnte. Von hier stieg dieselbe alsdann durch thönerne Röhren (tubi) an den Wänden in die Badezellen hinein. Das halbrunde Becken und die Treppe in dem nördlichen Zimmer ist in allen Ecken, also rund um den Boden und überall da, wo zwei Flächen sonst fast zusammenstoßen, mit Rundstäben ausgelegt, ein Verfahren, aus dem wir heut zu Tage wohl noch etwas für unsere Cementarbeiten lernen können. Neben dem Becken ist noch ein Streifen des Bodens mit Marmor belegt. Die Inschrift, welche in der halbrunden Nische des westlichen Zimmers (also von dem Becken aus südlich) unter Trümmern von Hohlziegeln, Thonröhren und Wandbekleidungsplatten aufgefunden wurde, steht auf einer Ziegelplatte, die ebenfalls ein Theil eines Hohlziegels oder einer Wandplatte zu sein scheint. Die Platte ist etwa 11 zu 23 cm. groß. Die oberste Zeile zeigt mit unverkennbarer Deutlichkeit das Datum des heutigen Tages, den 17. Mai: XVI. K(al.) Iunias. Der übrige Theil der Inschrift ist noch nicht gelöst; er ist im Abdruck an einen Spezialforscher auf diesem Gebiete abgesandt worden. Vor vollständiger Reinigung der Platte schien sie auf das Jahr XI. des Augustus, also 19 v. Chr., hinzudeuten. Sollen wir vor sicherer Lösung eine neue Vermuthung aussprechen, so scheint uns ein Hinweis auf die 11. Legion vorzuliegen. Das würde wol die 70er Jahre nach Christus ergeben. Denn als in den Jahren nach 68–70 in den Wirren unter Galba, Otho und Vitellius die germanischen Legionen gelitten hatten und Claudius Civilis mit seinen aufgestandenen Batavern gerade hier in Düren die römisch gesinnten Ubier geschlagen, wurde die 11. Legion hierher zur Unterstützung gesandt, in späteren Zeiten aber wieder aus unserer Gegend zurückgezogen. Bemerkenswerth ist wohl noch, daß die Bäder zwar am Abhange des Hügels liegen, jedoch nicht (nach Vitruvs Vorschrift) den Osten des Hauses eingenommen haben. Die ausgegrabenen Räume werden demnächst gesäubert und wie die Inschrift photographiert. Nachzutragen ist, daß in einem östlich von den Baderäumen theilweise aufgedeckten Zimmer die rothen Wände durch weiße Striche in Vierecke abgetheilt sind, daß die aufgefundenen römischen Münzen bis ins 4. Jahrhundert reichen, daß sich unter den vielen Scherben auch zwei erhaltene Thongefäße, ein Krug und eine Schüssel, fanden. Auf der „Heidenburg“, wo seit vorgestern gegraben wird, ist bereits römisches Mauerwerk bloßgelegt, auch fanden sich Lanzenspitzen, ein Schlüssel u. s. w. Die dort gefundenen römischen Münzen sind ebenfalls mit Edelrost (patina) über und über bedeckt.
(D. Reichsanz., Nr. 122.)
61) Trier, 28. Mai. Gegen Ende der vorigen Woche ist, wie die „Tr. Ztg.“ mittheilt, in einem Grundstücke am Olewiger Wege, wo in der Nähe des tiefen Bahneinschnittes wegen einer baulichen Anlage eben eine bedeutende Bodenausschachtung stattfindet, ein eigenthümlicher antiker Fund gemacht worden. In einer Lehmschichte fand man daselbst, und zwar in einer mit schwärzlicher Erde gefüllten Mulde, eine bedeutende Zahl römischer Münzformen aus gebranntem Thon. Man schätzt die Gesammtzahl der Formen auf 800 bis 900 Stück. Leider sind manche der Formen zerstreut worden, in verschiedene Hände gelangt, oder gar nicht sorgsam aufgelesen worden, so daß viele derselben mit dem Schutt weggekarrt worden sind. Die qu. Formen beziehen sich auf verschiedene römische Kaisermünzen und haben vermuthlich zu einer großartigen Falschmünzerei gedient. Die einzelnen Formen (Thonplättchen von der annähernden Größe eines Markstückes und der Dicke eines Zweimarkstückes) waren beim Gebrauch vielleicht in der Zahl von 20, 30, 40 Stück zu einer Rolle aneinandergereiht. Ueber diese Rolle zog sich eine Rinne hin und mit dieser korrespondierte zwischen je zwei Thonplättchen ein Gießloch. Indem nun das flüssige Metall in die Rinne gegossen ward, füllten sich durch den einen Guß die Hohlräume aller aneinandergereihten Formen, so daß sich mit einem Male eine ganze Anzahl von Münzen bildete. Jedes Thonplättchen besitzt auf der einen Seite die Matrize für die Aversseite einer Münze und auf der andern Seite die Reversseite für eine zweite Münze; nur die die beiden Enden der Rolle bildenden Thonförmchen haben blos auf der Innenseite die Vertiefung einer Münze und sind auf der Außenseite platt. Der ganze Fund bedarf selbstredend noch eines gründlichen Studiums, bevor über dessen volle Bedeutung ein Urtheil abgegeben werden kann.
(Nordd. Allg. Zeit., Nr. 212.)
62) Die Hessische Landeszeitung Nr. 131 bringt einen Schmerzensschrei, daß die unweit des Schlosses, wo soeben die allgemein befriedigende Ausstellung von Plänen, Ansichten u. s. w. des „alten Mainz“ stattgefunden, die aufgedeckten Reste der romanischen Kirche des Petersstiftes nicht aufgenommen und, so weit möglich, conserviert werden, was freilich im Ganzen nicht wohl angehen wird. Auffallend wäre es jedoch in der That im höchsten Grade, wenn gerade in Mainz Steinsärge, die Grabsteine des Dechanten Johann von Cassel, des Scholasters Johann Wasmod aus dem 15. Jhdt. nicht sollten geborgen werden können, und wohl möchten wir glauben, daß nur dringende Gründe eine einstweilige Verzögerung veranlaßt haben, die freilich sehr bedauerlich wäre, wenn Beschädigungen inzwischen stattgefunden haben.