Von da an wurde in der Kirche regelmäßiger Gottesdienst gehalten und das Abendmahl unter beiden Gestalten gespendet, bis nach der Schlacht am weißen Berge die Reaktion eintrat und Kaiser Ferdinand dieselbe 1628 den Jesuiten einräumte, die gleich darauf die gegenüberliegende, prächtige Ignatiuskirche und das jetzt als Garnisonsspital dienende großartige Ordenshaus erbauten. In dem Besitze derselben blieb die Fronleichnamskapelle bis zur Aufhebung des Ordens unter Maria Theresia 1773. — Von da an nicht mehr zu gottesdienstlichen Handlungen benützt, wurde sie 1784 als Passagehinderniß, da sie sich mitten auf dem Karlsplatze befand, gesperrt und dem Prager Bürger Wenzel Sieber um 902 fl. verkauft. Dieser begann sofort mit der Demolierung, da er aber bei seinem kurz darauf erfolgten Tode kaum die Hälfte des Kaufschillings erlegt hatte, wurde sie 1791 nochmals feilgeboten und vom Stadtrath Adelbert Eisner Ritter v. Eisenstein erstanden, der sie vollends niederreißen ließ. Die beiden Steintafeln wurden der böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften zur Aufbewahrung übergeben, die sie am Eingange der Universitätsbibliothek aufstellen ließ. Da sie jedoch an diesem Orte leicht Beschädigungen ausgesetzt waren, wurden sie erst im Sitzungssaale dieser Gesellschaft im Carolinum (Universitätsgebäude) eingemauert, und als das böhmische Museum 1845 eine Stätte im ehemals gräfl. Jos. Nostiz’schen Palaste am Graben fand, wurden diese altehrwürdigen Zeugen einer der wichtigsten Epochen in der böhmischen Geschichte dorthin übertragen und im Treppenhause befestigt.
Prag.
Bruno Bischoff.
Eine lateinische Komödie aus dem 15. Jahrhundert.
Die in Nr. 6 des Anzeigers v. J. besprochene „Cauteraria Comoedia“ findet sich auch in der Handschrift Nr. 3123 der Wiener Hofbibliothek[55], über deren sonstigen reichen, durchaus dem Kreise der humanistischen Studien angehörigen Inhalt die Tabulae codicum Vindob. II, 206 Auskunft geben. Wir gewinnen aus dieser Wiener Handschrift zunächst einigen Aufschluß über den Verfasser; ob einen zuverläßigen, müßte freilich erst durch weitere Nachforschungen dargethan werden. Das Stück führt nämlich (Bl. 108a) die Ueberschrift: „Anthonii Barzicii Cauteraria Comedia incipit“ und endet Bl. 129a mit den Worten: „Finit Cauteriaria (sic!) Comedia foeliciter Anthoni buzarij. Georgius Schilher de Geiselhering.“ Darf man der Angabe in der Aufschrift trauen, so wäre dieser, meines Wissens nirgends erwähnte, Antonius Buzarius ein Angehöriger der berühmten Gelehrtenfamilie der Barzizier gewesen, welche noch bis zu Anfang des vorigen Jahrhunderts Sprossen trieb; s. Tiraboschi VI, 663; 1493 ff. und Adelungs Fortsetzung zum Jöcher I, 1483.
Der Schreiber der Wiener Handschrift, Georg Schilher von Geiselhöring, — kaum wol eine Person mit dem bekannten Meistersänger Jörg Schilher, — nennt sich noch unter mehreren anderen Stücken, einmal (Bl. 164 a) mit dem Beisatze: „In studio Ingolsta(diensi)“. Dies ist entscheidend für die Bestimmung des Alters der Handschrift. Die Universität Ingolstadt wurde im J. 1472 gegründet, doch erst im J. 1492 wurde durch die Berufung des Conrad Celtes den humanistischen Studien auch dort Bahn gebrochen. In diese Zeit also, in das letzte Jahrzehent des 15. Jahrhunderts, möchte ich die Entstehung der Wiener Handschrift setzen. Paläographische Gründe sprechen nicht dagegen. Schilher scheint mir mit seinen sauberen, breiten, aufrecht stehenden Buchstaben sich an die italienischen Muster der Zeit zu lehnen. Andere Hände, die an dem Codex thätig gewesen sind, weisen ebenfalls an den Schluß des 15. und den Anfang des 16. Jahrhunderts. Auch der Einband ist aus dieser Zeit.
Der Magister Ambrosius Alantsee, von welchem die Maihinger Handschrift herrührt, ist wol derselbe, dessen Th. Petreius in seiner Bibliotheca Cartusiana (Colon. 1609) S. 7 mit folgenden Worten gedenkt: „Ambrosius Alentsenius scripsit librum vel Tractatum, qui intitulatur Foedus Christianum: quem Auguste Vindelicorum an. 1504. in 4. impressum, adseruat bibliotheca Cartusiae Buxianae propè Memmingam celebre Sueuorum oppidum. Fuit vero Prior domus horti Christi, et Visitator Prouinciae Alemanie inferioris“. Dazu am Rande: „Obijt in Germania anno 1506“. Die Kartause Hortus Christi bei Nördlingen war eine Stiftung der Grafen von Oettingen; s. Miraeus, Origines Cartusianorum monasteriorum, S. 51.
Auf die Verwandtschaft dieses Ambrosius Alantsee mit der Wiener Buchdruckerfamilie gleiches Namens hat bereits Dr. Hartmann von Franzenshuld Bedacht genommen in einem Aufsatze: „Die Buchführerfamilie Alantsee in Wien“ in den Mittheilungen der k. k. Centralcommission zur Erforschung der Baudenkmale, 19. Jahrgang (Wien, 1874), S. 85–87. Wenn Herr Dr. von Franzenshuld aber den Ambrosius A. zum Drucker des von ihm verfaßten Tractates macht, so hätte ein Blick in Zapf’s Augsb. Buchdruckergeschichte II, 14 oder in Panzer’s Annales VI, 133 ihn vor diesem Irrthum bewahren können.
Wien.