Vnordnung wenig zieret;
So schaut nun an diß Kinder Hauß
Ihr Kinder jnn vnd aussen
Schauts an vnd lernet bevorauß
Wie jhr einmal solt hausen.“
Die Höhe des Hauses wird auf 9 Schuh, die Breite auf 5, die Tiefe auf 4 Schuh angegeben. Es wurde, wie sich aus dem Schlusse des Textes entnehmen läßt, von der Besitzerin, Jungfer Anna Köferlin, gegen Entschädigung der öffentlichen Besichtigung allgemein zugänglich gemacht.
Einige kurze Mittheilungen über Größe, Eintheilung, Alter, Herkunft u. s. w. der Puppenhäuser des germanischen Museums dürften hier am Platze sein. Das älteste stammt aus der Zeit von etwa 1600; es hat bei einer Höhe von 2,45 Meter, eine Breite von 1,94 Meter und eine Tiefe von 0,63 Meter. Der Unterbau des dreigeschossigen Hauses enthält Stall, Keller, Waschküche und Badezimmer; das Erdgeschoß ein die Hausflur vorstellendes Lokal, welche bei unsern Vorfahren eine so bedeutende Rolle spielte, und einen Garten mit Gallerie, zwischen welchen sich das Treppenhaus befindet, das sich in die übrigen Geschosse fortsetzt. Das erste Stockwerk enthält in der Mitte den Vorplatz mit der Treppe, rechts die Prunkstube, links die Küche; das zweite rechts vom Vorplatz das Schlaf-, links das Wohnzimmer, worauf das Dach mit geräumigen Speichern das Haus abschließt. Die Zimmer sind bis auf eines, welches jetzt grün bemalt ist, mit Täfelwerk versehen, ober welches Blumenschwünge gemalt sind. Ueberhaupt ist das Haus reichlich mit Malereien versehen, von welchen diejenigen der Hausflur, welche musicierende, tanzende, schmausende und spielende Gesellschaften darstellen und an die Bestimmung der Hausflur erinnern, bei besonderen Gelegenheiten als Festlokal zu dienen, hervorzuheben sind. Es hat sich nicht die ganze ursprüngliche Einrichtung erhalten, der größte Theil der jetzigen stammt aus späterer Zeit und ergänzt insoferne sehr glücklich die älteren Theile, als sie, mit gleicher Sorgfalt gearbeitet, zeigt, wie der neue Geschmack jeweils auch in das wirkliche Haus umgestaltend eindrang. Der „Salon“ der Mitte des 18. Jahrh., welcher aus der Prunkstube des 17. geworden, ist ebenso charakteristisch, als die Schlafstube aus den ersten Jahren des 19. Jahrh. Das Haus befand sich im Anfange dieses Jahrh. im Besitze der Herren von Petz zu Nürnberg, gieng sodann an verschiedene Privaten über und gelangte vor einigen Jahren in das germanische Museum; Näheres konnten wir über dessen frühere Eigenthümer nicht in Erfahrung bringen.
Das erst jüngst von dem Premierlieutenant Freiherrn von Stromer dem Museum unter Eigenthumsvorbehalt überlassene Puppenhaus ist das zweitälteste: nach einer unter dem großen Dachfenster angebrachten Jahreszahl ist es im Jahre 1639 entstanden. Es hat einschließlich des Fußes bis zum Ende der Schlöte eine Höhe von 2,59 Meter, eine Breite von 1,52 und eine Tiefe von 0,52 Meter und ist, wie das vorgenannte, durch ein durch alle Geschosse gehendes Treppenhaus in drei Theile geschieden. Das Haus enthält drei Hauptgeschosse, in deren unterem sich in der Mitte das Portal mit dem Haustennen befindet, während die beiden Nebenräume durch horizontale Zwischenwände in zwei Theile getrennt sind. Der untere enthält rechts Stall und Kammer, links Laden und Waschküche, der obere rechts die Speise- und eine Schlafkammer, links zwei weitere Schlafkammern. Im zweiten Geschoß befindet sich rechts des geräumigen Vorplatzes das Wohnzimmer, links die Küche; im obersten rechts des Vorplatzes ein Schlafzimmer, links das Prunkzimmer. Das Dach mit großen Bodenräumen bildet den Schluß. Die Kammern sind getüncht, die Zimmer, welche grüne Kachelöfen enthalten, getäfelt; das Wohn- und das Prunkzimmer zeigen getäfelte, das Schlafzimmer und die Vorplätze bemalte Plafonds. Unter allen Puppenhäusern im Museum ist dieses das am besten erhaltene und am reichsten ausgestattete; es zeigt uns genau die bis in das geringste Detail gehende Einrichtung eines alten Nürnberger Patrizier- oder reichen Kaufmannshauses des 17. Jahrh. und ist dadurch von so hervorragendem Interesse für die Kulturgeschichte jener Zeit, daß wir es uns nicht versagen können, ein Verzeichniß des gesammten Inventars desselben am Schlusse dieser Mittheilungen zu geben. Nach gütiger Benachrichtigung seines jetzigen Besitzers, Premierlieutenants Frhrn. v. Stromer, erwarb Freifrau v. Haller, geb. Schenk v. Dippen, dieses Puppenhaus im Jahre 1825 aus dem Nachlasse des Stiftungs-Administrators Karl v. Wölckern um 25 fl., worauf es im Jahre 1862 in den Besitz der Freiherren von Stromer gelangte. Weiteres konnte über die Herkunft des Hauses nicht festgestellt werden. Nach einer unverbürgten Tradition soll es früher in Erlangen gewesen sein; doch ist es für uns nicht zweifelhaft, daß es gleichfalls nürnbergischen Ursprungs ist, wenn es auch vielleicht vorübergehend durch Erbschaft oder Kauf nach auswärts gelangt war.
Ungefähr derselben Zeit gehört das dritte Exemplar an. Es ist zwar nicht ein Puppenhaus im strengen Sinne des Wortes, da es nur aus einer Küche mit darüber befindlichem Zimmer besteht, hat aber Anspruch auf besondere Beachtung, weil es seine erste Einrichtung noch vollständig bewahrt. Die Höhe desselben beträgt, einschließlich des eine Schublade enthaltenden 0,36 Meter hohen Fußes, 1,79 Meter, die Breite 0,90, die Tiefe 0,59 Meter. Das Museum erwarb es vor einigen Jahren vom kgl. Hofantiquar A. Pickert.
Das jüngste Puppenhaus des Museums stammt vom Ende des 17. Jahrh. und war früher im Besitze der Freiherren Kreß v. Kressenstein. Das Dach ist defekt und deshalb im Museum nicht mit aufgestellt; ohne dieses und ohne den neuen Fuß hat es eine Höhe von 1,57 Meter, eine Breite von 1,38 Meter und eine Tiefe von 0,53 Meter. In der Mitte des untersten der drei Hauptgeschosse befindet sich die Hausflur, von welcher die Treppen nach den Vorplätzen der obern Stockwerke führen. Die Räume rechts und links der Hausflur sind durch horizontale Zwischenwände getheilt; rechts ist der Pferdestall mit darüber befindlicher Knechtekammer, links die Waschküche mit der Mägdekammer. Das zweite Geschoß enthält rechts des Vorplatzes das Prunkzimmer, links die Küche, das obere rechts desselben das Schlafzimmer, links ein weiteres Zimmer. Die Prunkstube und das Schlafzimmer sind getäfelt, das andere und die Kammern getüncht. Das alte Inventar ist noch so ziemlich erhalten; doch ist ein Theil des das Haus früher zierenden Silbergeräthes in den Besitz Sr. Erlaucht des Grafen v. Erbach gelangt.