Einer der fruchtbarsten Kupferstecher vom Ende des 16. und Beginn des 17. Jhdts. war Joh. Sibmacher, vorzugsweise bekannt durch seine Wappenbücher und seine Musterbücher für Stickereien und Spitzen. Manche seiner Blätter kommen häufig genug vor, andere sind wiederholt neu aufgelegt; einzelne aber sehr selten; noch immer tauchen unbekannte auf, und noch ist kein vollständiges Verzeichniß seiner Arbeiten aufgestellt. So kennt selbst Andresen die Folge der 12 Blätter nicht, die vor wenigen Jahren das bayrische Gewerbemuseum, zusammengebunden mit einer Reihe ähnlicher Blätter, aus dem Nachlasse eines Nürnberger Goldschmiedes erworben, welche aus einem Titelblatte vom Jahre 1599 (merkwürdiger Weise sagt sowohl der Titel der Publikation, als der Text, dass sie vom Jahre 1590 seien, während doch ganz deutlich MDIC zu lesen ist) und 11 Blättern mit den Körpern einer Kanne und verschiedener Pokale und Becher im Stil der damaligen Zeit besteht. Auch sonst scheinen Blätter, welche kein Zeichen des Künstlers tragen, der nur auf dem Titelblatte genannt ist, nicht bekannt, mindestens nicht als Werke unseres Meisters erkannt zu sein. Es ist daher sehr dankenswerth, daß das bayrische Gewerbemuseum die vorliegende Reproduktion der Blätter, die in etwas verjüngtem Maßstabe die Originale treu wiedergeben, hat herstellen lassen, wozu Dr. von Schorn alles, was an Nachrichten über des Meisters Leben und Werke theils bisher bekannt, theils zu erlangen war, zusammengestellt hat. Ob übrigens der Meister auch diese Blätter selbst erfunden hat? Auf dem Titelblatte bezeichnet er sich nur als Radierer. Er war so vielseitig und auf so verschiedenen Gebieten thätig, manche seiner Blätter, insbesondere Landkarten und Schlachten, sind derart handwerksmäßig, daß wir ihn als einen nach Brod arbeitenden handwerklichen Stecher ansehen müssen, der alles machte, was Aussicht auf Absatz hatte. Das geistige Eigenthum war damals nicht gesetzlich geschützt und der Raub im 16. Jhdt. beinahe organisiert. Sollte er nicht, wie er Ducerceau nachgestochen hat, auch irgend einen deutschen Goldschmied nachgestochen haben? Die Blätter zeigen sowohl im Entwurfe, wie in der, natürlich geometrisch nicht ganz richtigen, Art, die Ornamente auf die in Wirklichkeit runden Flächen zu projicieren, solch praktisches Talent, daß wir nicht glauben, daß ein Anderer als ein Goldschmied sie entworfen habe.
13) Festschrift zur Eröffnung des Kunstmuseums in Bern 1879. Beiträge zur Geschichte der Kunst und des Kunsthandwerks in Bern im 15., 16. und 17. Jahrhundert. Herausgegeben von der bernischen Künstlergesellschaft zur Eröffnung des Kunstmuseums. Bern, J. Dalp’sche Buchhandlung (K. Schmid.) 1879. 4. 6 und 110 Stn. mit Holzschnitten und 4 Tafeln.
Die Eröffnung des Kunstmuseums zu Bern gab der Künstlergesellschaft Veranlassung, die vorliegenden Beiträge zur Geschichte der Kunst und des Kunsthandwerkes in Bern vom 14. bis ungefähr zur Mitte des 17. Jahrhunderts der Oeffentlichkeit zu übergeben. „Mit diesen, eine Masse unveröffentlichten Archivstoffes enthaltenden Notizen beabsichtigt sie einerseits die bisher ziemlich ignorierte künstlerische und kunstgewerbliche Thätigkeit des Landes dem gebildeten Publikum zur Kenntniß zu bringen, anderseits die Aufmerksamkeit auf die noch vorhandenen interessanten älteren Kunstwerke zu lenken, zu sorgfältiger Erhaltung derselben zu ermuntern und auf das neue Museum, als die geeigneste Aufbewahrungsstelle derselben, hinzuweisen.“ Es sind sechs Aufsätze, deren erster vom Glasmaler J. H. Müller, der in bekannter trefflicher Weise in der Art der Alten neu schafft, die ältesten Glasgemälde der Kirchen des Kantons Bern (1300–1530) behandelt und solche zu Münchenbuchsee, Könitz und Blumenstein als kostbare Werke des 14., des Vinzenzmünsters zu Bern und einige zu Hilterfingen als solche des 15., und Fenster zu Büren, Lauperswyl und Kirchberg als solche vor Beginn des 16. Jhdts. eingehend behandelt. Die treffliche Darstellung der zwei Fenster aus Könitz lässt uns ganz hervorragende Meisterwerke erkennen. Im zweiten Aufsätze behandelt Trächsel die allgemeinen Verhältnisse und die Kunstverhältnisse Berns im 15. und Beginn des 16. Jhdts. unter Mittheilung einer großen Zahl aus Archivalien, namentlich Rechnungen gezogener Notizen; insbesondere wird die Geschichte der Glasmalerei bis zur Mitte des 17. Jhdts. durch viele Auszüge aus Urkunden beleuchtet; die nächste Arbeit ist dem Nicolaus Manuel gewidmet und ein Entwurf zu einem Glasgemälde reproduciert. Hierauf bringt Blösch Auszüge aus den bernischen Staatsrechnungen von 1550–82.
Dann behandelt Howald die Brunnenstandbilder der Stadt Bern, worauf Trächsel wieder einen Glasmaler, Hans Jacob Dünz d. Ä. vorführt, dessen Thätigkeit in das 17. Jhdt. fällt. Wie schon aus dieser Andeutung des Inhaltes hervorgeht, fand die Glasmalerei, wie in der Schweiz überhaupt, so besonders in Bern stets sorgfältige Pflege und zu ihrer Geschichte liegt also eine große Zahl von Beiträgen vor.
Die Ausstattung der Festschrift ist eine höchst würdige und zugleich werthvolle durch eine Anzahl herrlicher Initialen, die bernischen Miniaturmalereien des 15. und 16. Jhdts. entnommen und am Schlusse des Buches in Bezug auf Inhalt, Farbe und Herkunft erläutert sind.
Vermischte Nachrichten.
87) Aus Pichelswerder wird der „P.“ von einer seltenen Entdeckung Mittheilung gemacht, von der auch bereits der Direktor des märkischen Museums in Kenntniß gesetzt ist. Der auf Pichelswerder bei dem Eigenthümer Ratthei wohnende Kaufmann Herr Beißer hatte bei häufigen Excursionen auf der Insel in einer abgelegenen Thalsenkung einen dicht mit Moos bewachsenen Stein aufgefunden. Die Oertlichkeit, wo der Stein lag — derselbe befindet sich inmitten eines genau abgegrenzten Zirkels, dessen Radius eine Anzahl alter verwitterter Kiefern bildet — bewog ihn, die Oberfläche des anscheinend nicht großen Steines bloßzulegen, wobei er denn bemerkte, daß der Stein von bedeutenden Dimensionen ist. Er setzte von seiner Entdeckung Herrn Ratthei in Kenntniß, und beide begannen, mit Spaten und Hebebäumen bewaffnet, den Stein von den anhaftenden Moos- und Erdetheilen zu befreien. Der nunmehr ziemlich bloßgelegte Stein ist würfelförmig mit abgestumpften Kanten und besteht aus grauem Sandstein. Die Seiten- und Unterflächen des ca. 15 Zentner schweren Steines waren ehemals glatt behauen, während die Oberfläche, durch die Einflüsse der Zeit etwas abgerundet, eine Anzahl runder, etwa vier Centimeter im Durchmesser und ca. 20 Centimeter tiefer Löcher enthält. Allem Anscheine nach hat man mit dieser seltenen Entdeckung einen der alten Wendenaltäre resp. Opfersteine aufgefunden; denn die auf der Oberfläche befindlichen Löcher deuten darauf hin, daß sie zur Aufnahme der Pflöcke, an denen das Opferthier befestigt wurde, gedient haben.
(Nordd. Allg. Zeitg., Nr. 314.)