122) Prag. Die Reconstruction des alten Kleinseitener Brückenthurmes naht ihrer Vollendung; nur die Nischen der beiden Fronten werden noch mit Maßwerken versehen, und zwar in der Weise, wie dies bei dem Altstädter Brückenthurme durchgeführt worden ist, was dem ganzen Thurme zur besonderen Zierde dienen wird. Der Aufwand für diese Maßwerke in der Summe von 600 fl. wird aus der vom Stadtverordneten-Collegium für die Reparatur der Karlsbrücke bewilligten Dotation gedeckt werden. Eine besondere Commission von Sachverständigen wird ferner erheben, welche weitere Reparaturen an der Karlskirche, insbesondere an den Parapets längs des Trottoirs und an einigen Statuen nothwendig sind. Die Statuen, welche als derart schadhaft befunden werden, daß dieselben zu einer Renovierung untauglich erscheinen, werden beseitigt und durch entsprechende ersetzt. Bei dieser Commission werden auch die Herren Architekten Baum und Mocker intervenieren.
(Oesterr. Kunst-Chronik, Nr. 10.)
123) Jene überlebensgroße Holzstatue der Mutter Gottes mit dem Kinde, welche, aus dem Stifte zu Limburg a. d. H. stammend, dem Beginne des 14. Jhdts. angehörig, in jüngsten Jahren durch Dr. Mehlis vielseitig in der Presse erwähnt und unter dem Namen der Limburger Madonna zu einer gewissen Berühmtheit gebracht worden war, die das Werk in der That um seines idealen Stils willen verdient, kam, nachdem die Versuche, durch Verkauf aus freier Hand eine namhafte Summe zu erzielen, nicht gelungen waren, jüngst in Köln zur Auktion, wo sie um 1310 m. für die Kirche St. Maria auf dem Kapitol erworben wurde, in welcher sie in würdiger Weise zur Aufstellung kommen soll.
124) Weiden, 23. September. Vor ca. drei Wochen stürzte im hiesigen Kurpfälzer Hof ein Stallgewölbe ein, ohne daß der darin mit dem Weißen beschäftigte Maurer verletzt wurde. Heute, als man mit dem Wiederaufbau begonnen hatte, fand man 39 Stück alte Thaler-Kronen, welche die Jahrzahl 1623 tragen, und von denen einige viereckig sind.
(Fränk. Kurier, Nr. 490 nach Amb. T.)
125) Professor Kinkel in Zürich theilt in dem neuesten Hefte von Seemann’s „Zeitschrift für bildende Kunst“ mit, daß er im Frühjahr des laufenden Jahres auf der königlichen Bibliothek zu Bamberg unter den Handschriften, welche Dr. Leitschuh, der um die Neuordnung derselben hochverdiente Bibliothekar, zur Bearbeitung auf die Seite gelegt hatte, ein Exemplar der Handschrift von Dürer’s niederländischem Tagebuch aufgefunden hat. Dasselbe wurde im Jahre 1620 von dem Nürnberger Maler Joh. Hauer nach dem jetzt längst verschollenen Originalmanuscript copiert, war später in der v. Ebner’schen Bibliothek, gelangte nach deren Versteigerung in den Besitz des Hauptmanns v. Derschau, dessen Sammlung 1825 durch den Auktionator Schmidmer versteigert wurde, worauf es in Josef Heller’s Besitz gelangte, der es mit seinen übrigen kostbaren Sammlungen der Bamberger Bibliothek vermachte. Professor Kinkel gibt ferner Kenntniß, daß das aufgefundene Manuscript den von Murr in seinem Journal für Kunstgeschichte, Band 7, und von Campe in seinen „Reliquien von Dürer“ veranstalteten Ausgaben des niederländischen Reisetagebuches zu Grunde liegt. Die Kinkel’sche Entdeckung ist von besonderer Bedeutung für die Dürerforschung, da der Bamberger Codex ein Unicum ist. Bei der jüngst von Thausing in den Eitelberger’schen „Quellenschriften für Kunstgeschichte“ veranstalteten Ausgabe des niederländischen Tagebuches hatte derselbe keinen handschriftlichen Text und konnte nur die beiden von Murr und Campe gemachten Ausgaben benutzen, die den heutigen Anforderungen nicht mehr entsprechen; jetzt ist es möglich, nach der einzigen noch existierenden Handschrift eine neue Ausgabe zu veranstalten, und Bibliothekar Dr. Leitschuh soll, nach Kinkels Nachrichten, schon um die dazu erforderliche Genehmigung der Regierung nachgesucht haben.
(Nürnberger Presse, Nr. 280.)
126) München, im October 1879. In den Tagen vom 2. bis 4. October hielt die historische Commission ihre diesjährige Plenar-Versammlung.
Wie der Geschäftsbericht über das verflossene Jahr ergab, sind alle Arbeiten der Commission in ununterbrochenem Fortgang gewesen. Seit der vorjährigen Plenarversammlung sind erschienen:
1) Die Chroniken der deutschen Städte vom 14. bis ins 16. Jahrhundert. Bd. XV: Die Chroniken der bayerischen Städte.