In dem dritten Gaden: erstlich ein Tanzhaus, darinnen der Fürst und die Fürstin unter einem Aufschlag mit einem Himmel, daran das bayerische mit einverleibtem österreichischen Wappen, sitzend, sammt einer braun atlasenen Tapezerei,[399] mit Silberarbeit gestickt. Auf solchem Tanzhaus sind 4 Geiger, 3 Paare tanzende Jungherren und Jungfrauen in Tafft- und Atlaskleidern. An einer Seite die Hofmeisterin in einem schwarzsammtnen Jängger und 3 Jungfrauen des Frauenzimmers[400] in rothatlasenen mit Goldstickerei verbrämten Röcken, auch silbernen und vergoldeten Gürteln, wie auch die 3 Tänzerinnen gekleidet. Vor dem Frauenzimmer steht eine lange Tafel mit einem rothatlasenen Teppich auf 4 silbernen Füßen, auf der Tafel das Kugelspiel zum Narren, wie man das zu nennen pflegt; das Gestell und die Kugeln silbern. Beiseits der Fürstenpersonen stehen 4 Jungherren des Hofgesindes und 2 Edelknaben bei einem Schnecken[401], der in das obere Zimmer hinaufgeht. — Nach diesem Tanzhaus folgt eine Stube, um und um mit Tapezerei von goldenen Stücken bekleidet, in welcher Stube der Herzog und die Herzogin sammt dem Frauenzimmer von 4, auch Gesinde von 6 Personen in schwarzem und braunem Atlas mit weißatlasenen Unterröcken bekleidet, sammt dem Narren, so beim Ofen steht. In der Mitte dieser Stube steht ein viereckiger Tisch, mit einem Teppich von goldnem Stück bedeckt; darauf liegt eine hölzerne vergoldete Laute sammt 2 indianischen Schellen. Ober dem Tisch hangt ein silbervergoldeter Käfig mit einem Papagei. Beiseits an der Wand steht eine Kredenz,[402] mit rothem Doppeltafft bekleidet; darauf steht: eine silbervergoldete Flasche, zwei Kannen, 3 Doppleten,[403] 12 Schalen auf hohen Füßen mit ihren Lucken,[404] eine silberne durchbrochene Arbeit, zum Theil vergoldete Rauchbüchslein auf einem 4eckigen Täfelein mit 4 Füßen und ein Gießbecken mit seiner Kanne, 4 niedere Zuckerschalen, 2 Teller, alles von Silber und vergoldet. Neben der Kredenz sind 3 eingesetzte Lädlein, auswendig angemalt. Bei dem Frauenzimmer ein Satin, mit weißer Flottseide anstatt des Haares überzogen; mehr zwei andere gleichförmige Satinl[405] und ein gar kleines Hündchen auch von Flottseide; mehr ein englischer Hund mit einem silberbeschlagenen Halsband, darauf ein doppeltes A mit dem bayerischen und österreichischen Wappenschild. — Nach der Stube folgt die Kammer, darinnen eine bereitete Bettstatt, die Kissen und Leintücher mit rother Seide ausgenähet, die Decken von goldenem Stück, mit Laubwerk von rothem Atlas ausgestickt. Um die Bettstatt die Vorhänge und der Kranz von rothem Atlas mit ausgestickten Strichen von goldenem Stück. Vor der Bettstatt liegt ein ausgenähter Teppich, einem türkischen gleich. Neben der Bettstatt sitzt die Fürstin in einem Sessel von goldenem Stück, die Hofmeisterin, in einem schwarzatlasenen Jännker, mit Gold verbrämt. Neben diesem Sessel steht eine hölzerne Truhe von durchbrochener Arbeit, an den Ecken vergoldet, welche Truhe voll Leinwandgewand; darauf ein Teppich von Leinwand um und um von gewifleter[406] Arbeit, mit Gold ausgenäht; mehr eine Schlafhaube von gewifleter Arbeit und goldenen Strichen, ein Haupttuch und Faziletl, auch mit gewifleter Arbeit und goldenen Spitzen ausgenäht; ein Mundschleier mit einem Leistel von schwarzer Seide und goldenen Spitzen, ein Faziletl, mit schwarzer Seide und wifflet ausgenäht, sammt einem Mannshemd, mit schwarzer Seide ausgenäht. Vor dem Bett ein silberner Topf und ein Paar sammtne Kammerpantoffel. Unten am Bett ein Sessel, mit rothem Sammt bekleidet und einem rothsammtnen Kissen belegt. Gegen die Bettstatt über und an der Wand eine lange Tafel, darüber ein Teppich von Teppichnaht in rother Seide gewirkt, ausgenäht und um und um gefranset. Auf der Tafel ein Gewandkirb[407] sammt einem kleinen Korb, von Silberdraht geflochten; ein Feuerschirm, welchen die zarten Frauen vor sich nehmen, wenn sie vor dem Herd stehen, damit ihnen die Hitze von dem Feuer das subtile Gesicht nicht verderbe; ein silbernes Gießbecken sammt einer Kanne, geätzt, mit Gold bekleidet, ein silberner Küpferling[408] mit vergoldeter Bekleidung, eine silberne Kanne; ein oblonges silbernes Gestätl[409] mit 2 vergoldeten Ringen von Pariser Arbeit; eine Kopfbürste mit silbernem Stiel.
Im vierten und obersten Gaden: erstlich die Kapelle, darin zuvorderst der Altar mit ausgeschnittenen und bemalten Tafeln; der Altar mit einem weißen, doppeltafftenen Altartuch, um und um von Gold und Silberfäden ausgenähet. Die Kleidung um den Altar von schwarzem Sammt, vorneher der Name Jesus, auch an den Ecken das Gebräm von Silberfäden ausgestickt. Auf dem Altar ein silbervergoldetes Kruzifix, zwei silberne Leuchter mit vergoldeter Kleidung, ein silbervergoldeter Kelch mit seiner Patena, ein silbervergoldetes Korporal,[410] zwei silberne Meßkännchen, mit Gold bekleidet, ein silbernes Meßkännchen, mit Gold bekleidet, ein silberner Weihwasserkessel mit seinem Sprengwedel, auch mit Gold bekleidet. Beiderseits auf dem Gesims des Altars ein silberner Krug mit 2 Handhaben und vergoldeter Kleidung, darinnen Maien[411] eingesteckt von Rosenwerk Glißmater Arbeit.[412] Vor dem Altar steht ein Priester, bei ihm der Evangelier und Epistler,[413] ihre Meßgewänder und Levitenröcke[414] von goldenem Stück. Neben dem Altar ein Instrumentl oder Virginal[415] in seinem Futteral. In der Mitte dieser Kapelle steht ein Pultbrett, von rothem Doppeltafft überdeckt, darauf ein Gesangbuch, mit rothem Atlas überzogen, auch mit vergoldeten Silberbeschlägen, welches der Bassus; hinter dem Pultbrett stehn die Cantores in schwarzen, langen, wollenen Röcken, mit Sammt verbrämt, sechs Personen. Neben diesem Pultbrett an der Wand ein anderes Pultbrett, auch mit rothem Doppeltafft bedeckt; darauf liegt ein dem vorigen gleiches Gesangbuch, der Altus. Beineben liegen auch in gleicher Form der Tenor und Discant sammt 4 kleinen Gesangbüchlein, in Schwarz eingebunden. An dieser Kapelle ist ein Kirchenstübchen, darinnen der Herzog und die Herzogin, zu den Fenstern auf den Gottesdienst sehend. Nach dieser Kapelle folgt eine Kammer mit rothatlasener Tapezerei mit gelbeingenähtem Zugwerk, darinnen 3 gerichtete Bettstätten mit Decken, auch Umhang und Kränzen von rothem Doppeltafft, an den Ecken mit rothen Sammtstreifen. Eine hölzerne Truhe auf 4 Füßen, um und um verleistet und mit geschmelztem Glaswerk bezogen, inwendig mit rothem Zendl[416] gefüttert. Ein geschrägter Sessel für 2 Personen, von Drechslerarbeit, mit rothem Sammt bekleidet. Bei dem andern Bett ein elfenbeinerner Kammertopf. Nach dieser Kammer folgt eine Stube, darinnen sitzen zwei edle Frauen, die eine mit einem Nähkissen; die Frauen in schwarzseidenem Jänker, mit gold verbrämt; bei dem Ofen ein Weib, das spinnt an einer Gunkel.[417] Diese Stube ist mit Tapezerei von goldfarbig geweckletem[418] Seidengewirk bekleidet; darinnen ein viereckiger Tisch mit einem Teppich obbemeldeten Seidenzeugs; davor steht ein Weberahmen zu einem Zettel und ein kleines Spinnrad. Neben dem Tisch steht ein kleines Nähetrühel, darinnen rothe und blaue aufgewundene Seide, Nadel und Faden, ein Fingerhut und kleine Haften; darauf das brandenburgische und württembergische Wappen; ein anderes kleines Lädl, um und um ausgemalt. Bei diesem Tisch an der Wand hängt ein Spiegel, in Elfenbein eingefaßt. Gegen diesen Tisch über steht eine Kredenz, von mehrgedachtem Seidenzeug überdeckt; darauf stehen ein Messerbesteck, 3 eingesetzte Magellen,[419] 2 hohe Becher mit Lucken, 2 Trinkkopf, ein hoher bauchiger Becher mit seinem Deckel, ein Glas, aus weißem Kalzedon geschnitten, zwei Leuchter, eine Schüssel, 8 Teller, ein Gießbecken mit einem springenden Wasser, alles von Elfenbein gemacht. — Nach dieser Stube folgt eine Küche; auf dem Herd ein silberner Bratspieß mit seinem Feuerhund,[420] darin man den Spieß dreht; an dem Spieß steckt eine Wildente. Bei dem Feuer stehen 2 grünverglaste Häfen. Auf der Anricht stehen 6 Zinnschüsseln mit Handhaben, 9 glatte Zinnschüsseln, 6 Zinnplatten, 7 Zinnteller; an beiden Wänden hängt allerlei Küchengeschirr: messingene und kupferne Pfannen, auch blecherne Mülterlein sammt anderm großen und kleinen Küchengeschirr; mehr ein kupfernes Wasserschäffel, Kühlkessel und Küpferling. — Nach dieser Küche folget eine Kinderstube und Kammer; die Stube mit Tapezerei von rothem Stoff, mit Silber gewirkt. In der Stube steht eine Frau bei dem Ofen in einem seidenen Janker, bei ihr ein Knäblein mit einem sammtnen Röckel und rothen Höslein, vorneher eine Frau, auch in einem seidenen Jänker, die wieget ein Kind in einem hangenden Korb, welcher von Drechslerwerk gemacht ist; mehr ein Jungfräulein in einem rothatlasenen Rock, mit Gold und Silber gebrämt, und in einem hohen Sessel ein Kind sitzend, mit einem Hemdlein bekleidet. Hinter dieser Frau, so das Kind wiegt, steht ein viereckiger Tisch, darauf ein Trühel mit verzinnten Eisenbeschlägen, mit allerlei Leinwandgewand von Schleierleinwand, alles subtil ausgenäht. Dieses Trühel ist auswendig von Gold ausgenäht. Mehr 3 Nähkörbe, von Silberdraht geflochten; mehr ein silberner Küpferling mit vergoldeter Kleidung, ein Satinl, von weißer Flottseide überzogen. An der Wand bei dem Ofen steht eine Kredenz, mit rothem Doppeltafft überdeckt, darauf ein hoher Kredenzbecher mit seinem Luck, 6 Hofbecher, eine eingefaßte Muskatnuß mit einem Deckel, 5 Schalen, 4 Leuchter, ein Gießbecken mit Kanne, 5 kleine Leuchter, 3 Becherl, 2 dreifüßige Becherl, 12 Teller, alles von Silber gemacht. Neben dieser Kredenz hängt ein Kehrwisch mit silbernem Stiel und ein Mülterl. An dieser Stube ist eine Kammer mit zwei gerichteten Bettstatten, die Kränze und Vorhänge von Schleierleinwand und Gold ausgenäht mit goldenen Fransen.
Nürnberg.
Dr. Stockbauer.
Fußnoten:
[385] Cod. Bav. 2133 mit 224 Blättern in Folio in der k. Hof- und Staatsbibliothek zu München. Vergl. Stockbauer, die Kunstbestrebungen am bayerischen Hofe unter Herzog Albert V. und seinem Nachfolger, Wilhelm V. (Quellenschriften für Kunstgeschichte etc. herausgeg. v. R. Eitelberger von Edelberg, VIII. 1874. 8.), S. 9 ff.
[386] Lade, Kasten; s. unten das Diminutiv Trühel. Schm. I, 659.
[387] Zehrgaden, Gewölbe für die Lebensmittel; auch in Ziergarten, Ziergarn etc. verderbt. Ueber denselben ist der Zehrgadener gesetzt. Schmeller, bayer. Wörterbuch II2, 1147 u. I2, 872. — Gaden, Gemach, einzelne Abtheilung im Hause, auch Stockwerk.
[388] Assonierende Formel: fliegendes und laufendes. Schmeller II2, 719.
[389] Multer (aus latein. mulctra, Melkkübel), Mulde.