16) Schäfer, Ausgrabung römischer Reste in Heidelberg; veröffentlicht im Auftrag Gr. Ministeriums des Innern durch den Conservator der öffentlichen Baudenkmale. Karlsruhe, 1878. 16 Seiten in Folio mit einer Uebersichtskarte und 4 Beilagen (lithographiert. Nicht im Buchhandel.)

Bekanntlich wurden in den Jahren 1875–78, gelegentlich der Erbauung des akademischen Spitals und der Irrenklinik in Heidelberg, auf dem Territorium des, längst als Fundstätte römischer Alterthümer bekannten, eingegangenen Dorfes Bergheim die Reste einer ausgedehnten römischen Niederlassung aufgedeckt, welche das Interesse der Archäologen in hohem Maße in Anspruch nahmen. Auf dem Hochgestade des linken Neckarufers, zu beiden Seiten der von Speier nach Heidelberg führenden römischen Heerstraße, welche auf eine größere Strecke bloßgelegt wurde, fanden sich durchschnittlich 0,8 M. unter der heutigen Oberfläche zahlreiche, theils noch trefflich erhaltene gemauerte Kellerräume, zweifellos die Souterrains ehemaliger Wohngebäude. Da sich von letzteren keinerlei Trümmer (abgesehen von Dachziegeln) vorfanden, so ist anzunehmen, daß dies leichte Holzbauten waren, s. g. canabae, wie sie von ausgedienten Legionaren und bürgerlichen Gewerbtreibenden, (canabenses), die sich in der Nähe von Militärstationen ansiedelten, errichtet zu werden pflegten. Daß sich unserer Ansiedelung gegenüber, auf dem rechten Ufer des Neckars, bei Neuenheim eine Militärstation befand, ist durch zahlreiche Funde von Stempeln der VIII., XIV., XXI. und namentlich XXII. Legion verbürgt; die Heidelberger Niederlassung war also gewissermaßen die bürgerliche Vorstadt dieses Lagers. Außer jenen Kellerräumen fanden sich auch gewerbliche Anlagen, nämlich mehrere zum Theil wohlerhaltene Töpferöfen, ferner ein Votivstein zu Ehren des Jupiter, (ein im Neckar gefundener Neptunsaltar, vgl. Bonner Jahrb. LXII. 20, ist, weil nicht dem eigentlichen Ausgrabungsgebiet angehörig, nicht in die Beschreibung aufgenommen), Terracotten und sonstige Töpferwaaren, namentlich auch aus terra sigillata, Münzen und eine Reihe kleinerer Geräthe. Wohl die wichtigsten Funde waren aber die acht von der civitas Ulpia Severiana Nemetum den jeweiligen Kaisern, bezw. Thronfolgern (Caesaren) gesetzten Meilensteine aus der Periode von 220–254 p. Chr.; sieben derselben lagen in einem der oben genannten Kellerräume, der zuletzt gefundene 8. in dem Schacht eines gleichfalls aufgedeckten römischen Brunnens. Sie zeigen sämmtlich die Entfernung von Lopodunum (Ladenburg) an, und zwar mit 4 leugen: a Lopoduno leug. IV.; dies ist gerade die Entfernung von Heidelberg nach Ladenburg, woraus folgt, daß der Fundort auch der ursprüngliche Aufstellungsort der Steine ist.

Im Verfolg der römischen Straße gelang es auch, die Substructionen der römischen Brücke über den Neckar, gerade bei unserer Ansiedelung, und damit die Verbindung der linksseitigen mit der rechtsseitigen, von Ladenburg nach Neuenheim führenden Römerstraße festzustellen; sowie es ferner gelang, durch die Widmungsinschriften der Meilensteine die politische Zugehörigkeit unserer Ansiedelung zu dem Bezirk der civitas Ulpia Severiana Nemetum, deren Hauptort Lopodunum war, nachzuweisen.

Diese Funde erfuhren schon mehrfach wissenschaftliche Bearbeitungen; wir verweisen namentlich auf die Bonner Jahrbücher Heft LXI, S. 10; LXII, S. 7 u. 18; LXIV, S. 33 u. 62; eine übersichtliche Gesammtdarstellung fehlte jedoch (der leider zu früh verstorbene Geheime Hofrath Stark in Heidelberg beabsichtigte eine solche); wir haben sie nunmehr in dem Eingangs erwähnten Schriftchen erhalten.

Der Herr Verfasser, welcher in seiner Eigenschaft als Bezirksbauinspektor in Heidelberg die Ausgrabungen selbst leitete und dessen rastlosem Eifer und systematischen Anordnungen die erzielten Resultate hauptsächlich zu verdanken sind, gibt uns hier zum ersten Male nicht nur eine vollständige Uebersicht der Funde, sondern auch eine eingehende Fundgeschichte, unter Darlegung der Gesichtspunkte, nach welchen bei solchen Ausgrabungen, sollen sie anders ihren Zweck erfüllen, zu verfahren ist. Gerade in dieser Hinsicht enthält die Schrift manchen beherzigenswerthen Wink.

Die einzelnen Fundobjekte werden einer eingehenden Besprechung, namentlich auch vom technischen Standpunkte aus, unterworfen, und sind die in dieser Richtung vom Verfasser gegebenen Aufschlüsse auch für den Archäologen vom Fach eben so interessant als lehrreich. Die Inschriften werden in sorgfältigen Texten, zwei auch in Auflösungen, mitgetheilt; im Uebrigen war es nicht Zweck des Verfassers, sich in kritische Untersuchungen über diesen Theil der Funde einzulassen; es konnte dies um so mehr unterbleiben, als gerade über die Inschriften schon eine ziemlich umfangreiche Literatur existiert. Wir unterlassen es deshalb auch, auf einige, übrigens unbedeutende Abweichungen von den Originalen einzugehen, und fügen nur bei, daß in Ziff. I, Zeile 7 statt POTEST . ITER zu lesen ist POTESTI . TER; in Ziff. 6, Z. 2 statt ETRVSCO: ET.RVCO und ibid. Zeile 5 statt CAESARI: CAESAI und in Ziff. 7, Zeile 1 statt IMP . CAES: IMPP . CAE. Im Ganzen betrug die epigraphische Ausbeute (abgesehen von zahlreichen Töpferstempeln, deren Herr Schäfer eine Menge mittheilt) 9 Inschriften; hievon entfallen 8 auf die Meilensteine, eine auf den Votivaltar des Jupiter. Ohne auf Einzelheiten, die an den oben citierten Stellen nachgelesen werden können, einzugehen, sei nur erwähnt, daß sich die Widmungsinschriften auf den Meilensteinen, nach welchen deren Datierung möglich ist, auf folgende Kaiser bezw. Cäsaren beziehen: Elagabal (220), Severus Alexander (222), Maximinus (235), Gordianus III. (238), beide Philippus (246), Decius der ältere (249), Decius der jüngere (250), Valerianus und Gallienus (254). —

Die Schrift des Herrn Schäfer ist in Gestalt eines Berichts an das Großh. badische Ministerium des Innern abgefaßt; die letztere Stelle, welche ihr hohes Interesse an der Erforschung der vaterländischen Geschichte schon während der Ausgrabungen durch Gewährung der erforderlichen Mittel bethätigte, hat sich ein weiteres Verdienst dadurch erworben, daß sie die Publikation dieses Berichts anordnete und den Großh. Conservator in Karlsruhe mit dem Vollzug beauftragte; dem Letzteren ist die vorzügliche Ausstattung des Werkchens, speziell des graphischen Theils, zu danken. Möge das patriotische Beispiel der badischen Regierung thunlichst Nachahmung finden, möge es aber auch dem wissenschaftlichen Eifer des Herrn Schäfer gelingen, bei der, wie wir hören, nahe bevorstehenden Wiederaufnahme der Ausgrabungen ähnliche interessante Resultate wie bisher zu erzielen.

Mannheim.

C.