Auch das zweite Verzeichniß, welches die einmaligen Gaben aufführt, ist nicht unbeträchtlicher als in anderen Jahren, und an dessen Spitze darf abermals ein erhabener Name, jener der deutschen Kaiserin Augusta, der bewährten allergnädigsten Gönnerin der nationalen Anstalt, stehen.
Ein Theil der dort angeführten Gaben wurde als besondere Stiftung zur Vermehrung des Ankaufsfondes der Sammlungen bestimmt und demgemäß verwendet. Auch war die Summe nicht unbeträchtlich, welche aus dem allgemeinen Etat des Museums für die Sammlungen aufgewendet werden konnte, so daß um so beträchtlichere Mehrung sich ergab, als auch eine ganze Reihe von Geschenken hinzugetreten war. An der Spitze derselben stehen drei Glasgemälde, treffliche Copien der Wappen von Brandenburg, Nürnberg und Hohenzollern aus der Kirche zu Werben, welche Se. kaiserl. und kgl. Hoheit, der Kronprinz des deutschen Reiches und von Preußen am Vermählungstage höchstseiner Tochter dem Museum zum Geschenke gemacht hat.
Alle Abtheilungen der Sammlungen erhielten Zuwachs. Am reichlichsten wurde derselbe der Kupferstichsammlung zu Theil, auf welche der größte Theil der zu Ankäufen disponibelen Summen verwendet wurde, da ohnedies gerade die Neuordnung derselben im Gange war. Diese sollte im Jahre 1878 fertig werden, was indessen nicht vollständig gelang, so daß sich die Arbeiten noch in das Jahr 1879 hineinziehen werden. Aber es läßt sich doch jetzt schon das erfreuliche Resultat mittheilen, daß diese Abtheilung, die nun allerdings einige Jahre wieder anderen Abtheilungen in Bezug auf Fürsorge wird nachstehen müssen, nunmehr nicht blos eine der reichsten Abtheilungen des Museums ist, sondern auch, nachdem sie ca. 80,000 wohlgeordnete Blätter, darunter viele von höchster Seltenheit und Kostbarkeit enthält, zu den bedeutenderen ihrer Art überhaupt gezählt werden kann. Sicher ein erfreuliches Resultat der allgemeinen Opferwilligkeit!
Nächst der Kupferstichsammlung war es die Münzsammlung, welche reichen Zuwachs sowohl durch einzelne Ankäufe, als auch mancherlei Geschenke erhielt, insbesondere durch den Anfall der schon 1864 testamentarisch vermachten Münzsammlung des Herrn Buchhalters Gabriel in Winzingen, nach dessen erfolgtem Tode die hochbetagte Frau Mutter pietätvoll für Uebergabe des Vermächtnisses Sorge getragen.
Die Sammlung der Skulpturen erhielt durch einige gute Originale und manche Abgüsse Zuwachs, jene der kirchlichen Geräthe bekam eine Anzahl sehr interessanter Objekte, ebenso die Waffensammlung; auch die Sammlung der Hausgeräthe und jene der Gewebe erhielten beträchtlichen Zuwachs.
Unsere Bibliothek verdankt ebenfalls wiederum mehr als Tausend Bände der Liberalität des deutschen Buchhandels, dem wohlwollenden Interesse mancher Verfasser und sonstiger Freunde, sowie dem Schriftentausche mit den Akademien, gelehrten Gesellschaften und Vereinen. Durch Ankauf konnte sie um manche höchst seltene und werthvolle Incunabeln und Druckwerke des 16. und 17. Jahrh. bereichert werden.
Mit der fortwährenden Vermehrung der Sammlungen muß die Bauthätigkeit Schritt halten. Zunächst waren es fort und fort sich ergebende Verbesserungen und Verschönerungen, sowie einzelne kleine Schmucktheile, deren Ausführung wegen Mangels, an Mitteln bei Errichtung mancher Bauten hatte zurückgestellt werden müssen, die theils zur Ausführung gekommen sind, theils durch bereitwillige Freunde zur Ausführung übernommen wurden. An der Spitze der Stifter, welche dafür Sorge getragen, steht Se. kgl. Hoheit, Prinz Ludwig von Bayern, höchstwelcher 1000 m. widmete. Ein ungenannter hoher Gönner widmete 700 m., Herr Reichsrath Max Erkinger Graf v. Seinsheim 400 m., Herr Reichstagsabgeordneter Heinr. Frhr. Horneck v. Weinheim 450 m., Herr kgl. preuß. Hauptmann a. D. Louis Ferdinand Frhr. v. Eberstein in Dresden 300 m., Se. Excell. Herr Reichsrathspräsident Frhr. Schenk von Stauffenberg 100 m.; die Stadt Buchau 20 m. Die frhrl. v. d. Tann’sche Familie hat ihren Beitritt zur gemeinsamen Stiftung des fränkischen Adels und Frhr. v. Tümpling auf Thalstein bei Jena die Stiftung eines gemalten Fensters zugesagt.
Als Raumzuwachs hat uns das Jahr 1878 eine lange Oberlichtgalerie gebracht, deren Einrichtung noch im Winter vorgenommen werden kann. Auch ist der aus den Beiträgen des deutschen Reiches zu bestreitende Neubau der an die Ostseite der Karthause zu fügenden Theile so beträchtlich vorgeschritten, daß wir auf einen großen, im romanischen Stile ausgeführten Bau den Dachstuhl setzen und demselben mit Genehmigung Ihrer kaiserl. Hoheit der Frau Kronprinzessin des deutschen Reiches den Namen Victoriabau geben durften. Freilich wird noch manche Zeit vergehen, bis derselbe, vollständig fertig in Gebrauch wird genommen werden können.
Ein nicht unwesentlicher Theil der Thätigkeit unserer Verwaltung hat sich der Begründung eines eigenen, mit unserem Museum in Verbindung stehenden Handelsmuseums zugewendet, für welches wir freundliche Unterstützung im Handelsstande gefunden haben; insbesondere hat die Handelskammer zu Nürnberg sich geneigtest der Sache angenommen und den Prospekt allen deutschen Handelskammern mit warmer Befürwortung zugesendet. Abgesehen von Gaben an interessanten und brauchbaren Gegenständen, durch welche die Geschichte des Handels erläutert wird, haben wir uns sowohl von Körperschaften als Kaufleuten die Zeichnung von Antheilscheinen à 50 m. zur Aufbringung der Kosten erbeten; es haben deren die hiesige Handelskammer 50, andere Handelskammern und Vereine 32 und Private deren 185 übernommen; als Einzelstiftungen erhielten wir zu diesem Zwecke 440 m., so daß mit Jahresschluß die Summe von 13,790 m. disponibel ist. Da ein erstes Verzeichniß gedruckt ist, so unterlassen wir hier die Wiederholung der Namen. In dem nächsten Jahresbericht werden wir wol bereits über Leistungen berichten können. Heute aber empfehlen wir die Theilnahme auch an dieser Stelle dem gesammten Handelsstande, so daß auch das nächste Jahr noch recht viele Zeichnungen von Antheilscheinen bringen möge.
An Publikationen konnte im abgelaufenen Jahre außer dem 25. Bande des Anzeigers f. K. d. d. V. nur eine neue Auflage des Wegweisers durch unsere kunst- und kulturgeschichtlichen Sammlungen erscheinen.