Neu erschienene Werke.

17) Die Waffensammlung Sr. Königlichen Hoheit des Prinzen Carl von Preußen. Mit Text herausgegeben von G. Hiltl, Director der Prinzlichen Waffensammlung. Durch unveränderlichen Lichtdruck ausgeführt von A. Frisch. Nürnberg. S. Soldan. Imp. Fol. 18 Stn. u. 100 Tfln.

Wir haben bei Erscheinen der ersten Lieferung auf dieses Werk aufmerksam gemacht, das nun, ohne daß der Verfasser die Herausgabe des Schlusses erlebt hätte, mit 5 Lieferungen und 100 Tafeln fertig vorliegt. Es hat gehalten, was die erste Lieferung versprach. Einige hundert Abbildungen geben uns die seltensten und kostbarsten Waffen, wichtiges Material für die Geschichte der Bewaffnung, aber auch zugleich durch die Darstellung kostbar ausgestatteter Stücke Material für die Geschichte der Ornamentik. Zu welchen Betrachtungen regt diese Fülle den denkenden Kulturhistoriker an, welchen Genuß bietet sie dem Kunstfreunde, welche Vorlagen dem Kunsthandwerker! Sie alle mögen dem hohen Besitzer, dem sinnigen, leider verstorbenen Herausgeber und der rührigen Verlagsbuchhandlung danken.

18) Wenzel Jamitzers Entwürfe zu Prachtgefäßen in Silber und Gold. Photolithographische Nachbildungen von Kantenseter und Haas in Nürnberg, herausgegeben von R. Bergau. Berlin, Paul Bette. 4. 7 Stn. u. 70 Tafeln.

Wie zur Zeit, als die Renaissance ihren Einzug in Deutschland hielt, die Meister, welche bis dahin ausschließlich den gothischen Formenkreis geübt hatten, der Vorlagen bedurften, um in der neuen Weise sich zurecht zu finden, so ist es auch heute, wo das Kunstgewerbe neue Bahnen einschlägt; und heute stellt man demselben wieder dieselben alten Vorlagen vor Augen, die einst unserer Väter Schritte auf dem Pfade der Renaissance begleitet hatten, und die, da die Originale theuer und selten sind, fleißig reproduciert werden. Die verschiedenen Proceduren, welche, in jüngsten Jahren erfunden, das Licht ohne Benützung der Künstlerhand zur Vervielfältigung herangezogen haben, unterstützen diese Bewegung aufs lebhafteste, und mancher alte Schatz, den kaum der Forscher einmal zu Gesichte bekommen hatte, ist jetzt in den Werkstätten heimisch, oder könnte es mindestens sein, soweit bereits die Gewerbetreibenden sich der neuen Richtung angeschlossen haben. Der Kunstfreund und der Forscher können aber bequem alle jene Copien, deren seltene Originale weit zerstreut sind, auf dem Tische zu ihren Studien nebeneinanderlegen und alles daraus entnehmen, was man eben nicht ausschließlich an Originalen studieren kann. So gibt auch das vorliegende Werk auf seinen 69 Tafeln die Nachbildung von 109 Kupferstichen und Holzschnitten wieder, welche 3 verschiedenen Serien angehören, von denen die beiden ersten wol kaum irgendwo im Original vollständig beisammen sind. Auf keinem der Blätter ist zwar des Meisters Name genannt, und sie waren seither als Werke verschiedener Meister betrachtet worden. An der Spitze steht die Serie jener Blätter, deren Meister als unbekannter Meister von 1551 in den Handbüchern erscheint. Der Herausgeber bezieht sich auf Untersuchungen, die er an anderer Stelle veröffentlicht hat, um nachzuweisen, daß dieser Meister W. Jamitzer sei. So mißlich nun im allgemeinen die Zutheilung unbestimmter Arbeiten an irgend einen bekannten Namen ist, während doch auch alle jene, deren Namen nur die Stadtbücher aufbewahrt haben, auch etwas gearbeitet haben müssen, so zeigen doch diese Blätter in dem Kreise der angewandten Formen so viele Verwandtschaft mit den bekannten Goldschmiedarbeiten Jamitzers, daß ihm der Meister dieser Blätter nahe gestanden haben muß, auch wenn er sie nicht selbst gestochen haben sollte. Jede größere Kupferstichsammlung hat einzelne dieser Blätter; es sollen im Ganzen etwa 40 sein. Dem Herausgeber sind jedoch nur 33 begegnet und er bezweifelt, daß deren mehr existieren. Die Richtigkeit dieser Annahme vorausgesetzt läßt sich nun auch die neue Publikation als Katalog betrachten, nach dessen Nummern statt langer Beschreibung die einzelnen Blätter der verschiedenen Kupferstichsammlungen bezeichnet werden können. Wie kaum irgendwo diese erste Serie in Originalblättern vollständig beisammen ist, so hat auch sicher keine Sammlung alle Blätter der zweiten, dem Werke des Virgil Solis angehörigen Folge von 67 Darstellungen beisammen. Obwohl hier ein theilweise anderer Formenkreis sich zeigt, obwohl insbesondere die Sachen alle einfacher gehalten sind, will doch der Herausgeber auch diese alle als Entwürfe Jamitzers angesehen wissen, wofür wir zunächst eine zwingende Nöthigung für manche der Blätter noch nicht aus den Formen zu schöpfen vermögen. Wenn auch der Verfasser behauptet, daß alle Detailformen mit Entschiedenheit für Jamitzers Autorschaft sprechen, so scheint uns nur jene Uebereinstimmung darin zu liegen, welche alle Werke jener Zeit unter sich haben. Wir möchten gar nicht einmal glauben, daß der fleißige, handwerksmäßige Stecher alle Blätter nach den Vorbildern eines einzigen Meisters gestochen. Er mag sie, weil Geld damit zu verdienen war, genommen haben, wo er sie fand, wie dies andere Meister des 16. Jhdts. auch thaten.

Die 3. Serie bilden 9 Holzschnitte aus der 1547 erschienenen Perspektive des G. Rivius (W. Riff), von denen einige italienischen Vorbildern nachcomponiert sind. Es ist Schade, daß der Herausgeber nicht auch die noch vorhandenen Handzeichnungen vor oder nach W. Jamitzer in den Kreis seiner Publikation gezogen, die er wol in einer zweiten Veröffentlichung weitläufiger, als einzelne Publikationen vorliegen, behandeln wird.

A. E.

19) Handlexikon österreichischer Künstler und Kunstverwandten, herausgegeben mit kaiserlicher Unterstützung von Dr. Heinrich Kábdebo. Wien, 1880. Verlag der österreichischen Kunst-Chronik. Liefg. I. Lex. 8. 32 Stn.

Die biographischen Schriftsteller Oesterreichs, deren umfassendster und verdienstvollster Wurzbach, haben zwar ihre Studien auch auf die Künstler ausgedehnt; aber doch war die Forschung nur eine stückweise. So viel interessantes Material sie zu Tage gebracht, so reicht es doch zu einer systematisch zu bearbeitenden Geschichte der Kunst und Künstler in Oesterreich nicht aus, weil niemand darauf ausgieng, die Quellen systematisch auszubeuten, alles zu erlangende urkundliche Material zu prüfen und zu sichten, alle Daten die urkundlich festgestellt werden können, aus den Archiven auszuziehen, nicht blos jene, die zu gerade vorliegenden Arbeiten nöthig waren. Dies beabsichtigt der Verfasser des Buches, dessen erste Lieferung hier vorliegt, nachdem er, wie die Einleitung besagt, diesen Plan seit 1871 unablässig verfolgt „trotz einer Unsumme von Aergernissen, Anfeindungen und materiellen Opfern“ und auf diese Weise das rohe Material zu 21000 Biographieen gesammelt, deren einzelne freilich nicht mehr als den Namen, andere aber mehrere Actenfascikel umfassen. Allein die Lücken dieses reichen Materials zu ergänzen und es zu bearbeiten, übersteigt die Kraft des Einzelnen, der Verlag eines solchen Werkes bietet seine Schwierigkeiten, und so gibt der Verfasser nunmehr als einen Vorläufer des großen Künstlerlexicons das hier begonnene Handlexicon, welches ungefähr 10–12000 Künstler vom 15. Jhdt. bis heute umfassen und insbesondere auch die sonst so stark vernachlässigte Periode des 18. Jhdts. berücksichtigen soll. Der Hauptzweck ist der, über jeden bedeutenden Künstler, der in Oesterreich gelebt, die nöthigen Aufschlüsse und ein Verzeichniß der Quellen zu geben, die über dessen Wirksamkeit berichten; als fernerer Zweck erscheint aber auch jener, Namen festzuhalten, die bis jetzt in der Kunstgeschichte noch gar nicht erschienen, damit sich die fernere Detailforschung ihrer bemächtige. Außer den Archiven Wiens, insbesondere der Akademien, sind dazu die Tauf- und Sterbematrikeln von etwa 800 Pfarr- und Standesämtern benützt, zahlreiche sonstige Urkunden und die bereits weitläufige Literatur ausgezogen.

Daß ein derartiges Werk als zuverlässiges Nachschlagebuch hochwillkommen sein muß, liegt auf der Hand, und es ist deshalb freudig zu begrüßen, daß kaiserliche Unterstützung das Erscheinen möglich machte, wie in ihr ja auch die Bürgschaft für die Gewissenhaftigkeit und Sorgfalt der Bearbeitung liegt. Ueber jedes derartige Werk kann nur referiert werden; es ist nicht möglich, in alle Einzelheiten dem Verfasser zu folgen und ihn zu kontrolieren. Es hat deshalb auch keinen Zweck, den Hinweis nicht blos auf das Buch, sondern auch auf solche auszudehnen. Man muß einer Publication, welche kaiserliche Unterstützung gefunden, mit Vertrauen entgegenkommen. Deshalb sei auch über die Art, wie der Verfasser seine Aufgabe gelöst hat, nur bemerkt, daß aus dem vorliegenden Bruchstücke große Brauchbarkeit des Buches durch praktische Anordnung und gedrängte Kürze der Form sich ergibt.