Zum fränkischen Bauernkrieg.

Nicht blos in Ostfranken und gegen Thüringen zu rumorten die fränkischen Bauern, auch im Süden, an der Grenze gegen das Ries und gegen Neuburg und das bayerische Fürstenthum hin, gab es Unzufriedene genug, die gleich den Schwaben ihr Schicksal auf die Schärfe des Schwertes setzten und durch Gewalt und Aufruhr ihr Loos zu verbessern suchten. Ihre Unzufriedenheit bekam Nahrung von den Rieser Bauern, die mit ihren Herren, den Grafen von Oettingen, ins Gericht gehen wollten, von den „Dinkelsbühler und Ellwanger Haufen,“ welche Anfangs Mai sich ins Ries zu werfen beabsichtigten. Markgraf Casimir, der bemerkte, wie am Südrand seines Fürstenthums diese Kriegsfackel sich zu entzünden drohte, hielt es für das Beste, hier rasch den Brand zu unterdrücken; er zog daher, sobald er von den ersten Gewaltthaten seiner Bauern hörte, jener Gegend zu. Der kurze, aber nicht unblutige Feldzug fand in der Schlacht am Hahnenkamm, im Dorfe Ostheim sein Ende.

Wir finden nun in den „Bayerischen Bauernkriegs-Sachen“ (VI. Band, p. 206) des Münchener Reichsarchivs folgenden Brief Casimirs, der die Schilderung dieser Begebenheiten enthält, und glauben, ihn hier mittheilen zu sollen, um so mehr, als er von der Bensen’schen Darstellung (Geschichte des Bauernkriegs in Ostfranken, p. 389 f.) in mehreren Punkten abweicht: 1) In Bezug auf die Datierung der Thatsachen: Auszug Casimirs aus Ansbach am 6., nicht 8. Mai; Schlacht bei Ostheim am 7., nicht 9. Mai. 2) Casimir selbst commandierte in der Schlacht nicht. 3) Die Zahlenangaben über die Truppenstärke sind hier officiell, sofern sie das markgräfische Corps betreffen. Der Brief, dem die Adresse leider fehlt, ist aller Wahrscheinlichkeit nach an den Pfleger zu Wemding, Conrad von Leonrod, gerichtet, der ihn seiner Regierung überschickt haben wird.

Casimir etc. 8. Mai 1525.

Wir geben dir genediger mainung zu erkhennen, das uns vorgestern (6. Mai) angelangt hat,[81] das sich ain hauff paurn, mererteil uns und den unsern zustendig, zusamengethon, unser stat Wassertrüehending[82] einzunemen, uns und die unsern daraus zu beschedigen. derhalben wir uns dann von stund an zu ros und fues mit ainem stattlichen geschütz aufgemacht, die stat zu retten und die paurn davor zu schlagen. aber ehe wir den weg halb von Onolzbach khumen, ist uns potschaft under augen worden, das die paurn die stat eingenomen und im willen hetten unser closter Ahausen[83] und Haidenheim zu plündern, zu verprennen und zu verderben, also haben wir uns gewent in meinung inen fürzuziehen[84], fernern schaden zu verhüten, und unsern weg uf Guntzenhausen genomen, ob die paurn uf Haidenheim zugeen, das wir von Guntzenhausen aus gegen inen fürnemen mochten. und ehe wir also gein Guntzenhausen khumen sind, ist uns wider potschaft under augen khomen, das die paurn unser closter Ahausen haben eingenomen und geplündert und uf gestern sontag (7. Mai) mit etlichen hunderten uf Haidenhaim zuzeziehen, dasselbig unser closter auch zu plündern und zu verprennen. also haben wir von stund an etlich unser geraisig uf dritthalb hundert zu ros und fünfthalb hundert zu fues und sechs schlangen puchsen gegen inen geschickt, ob sie sie mochten betretten, mit der that gegen inen zehandeln, und sind wir mit dem andern hauff zu ros und etlich zu fues in der stat Guntzenhausen plieben und haben kain anderst gewist, dann das der paurn über sieben oder acht hundert nit. aber über drej stund ist uns gewislich botschaft komen, das das heer aus dem Ries zu den andern jetzt gemelten paurn gezogen sind, das man bede haufen uf und über sechs tausent geacht hat. deshalben wir von stund an ainen potten abgevertigt den unsern sollichs angezaigt. aber der pot hat nit zu inen konnen khumen, und also sind die unsern an die paurn khomen, sie angriffen und mit dem geschütz auch zu ros und fues mit inen getroffen, der viel erschossen und erstochen und sie in die flucht gepracht, also das sie in ain gros dorf geflohen und haben die unsern das ober den paurn anprent, und welche von paurn nit todt pliben, die haben sich alle in gefängnus geben, auch ire fenlein, harnisch und were den unsern überantwurtt, doch haben ine die unsern zugestanden das leben und ewige gefangnus zu sichern. Das haben wir dir, dich mit uns zefreien, gnediger mainung nit wollen verhalten. Datum Guntzenhausen am montag nach Jubilate ao. 25.

Augsburg.

Dr. Wilhelm Vogt.

Fußnoten:

[81] an uns gelangt, uns berichtet worden ist.