[110] Entsagung, Verzicht; Schm. II, 1105.   Dr. Fr.


Mäßigkeitsvertrag.

Fünf 1609 in Paris sich aufhaltende deutsche Edle errichten unter sich ein Bündniß gegen zu vieles und ungesundes Weintrinken unter Androhung einer bedeutenden Geldstrafe.

„Khundt vnndt zue wissen, sey jedermenniglich, daß vff heutt Dato ann dem heiligen Ostertag, Altten Calenders, die Wohlgebornen Herrn und Edlen, Herr Albrecht Güntter, der Vier Grauen des Reichs, Grauen zu Schwartzburg vnnd Hohnstein, Herrn zu Arnstatt, Sondershaußen, Leuttenberg, Lohra vnnd Clettenberg etc. Christoph Moritz Freyherr zu Herberstein etc. Seyfridt Herr vonn Küttlitz etc. Adam Andreä Rideßel vonn Camburg, Fürstl. Speürischer Rath, ober Ampt- vnnd Lanndtshauptmann auff Magdenburg vnnd Lanndeckh etc. vnnd Sambson Schöer(?) von Schwartzenburg, Fürstlicher Württenbergischer bestellter Rüttmeister vnnd Hauptmann etc. Sich mit einannder vereinbartt und verglichen, daß kheiner (biß wider auff khünfftigen Ostertag wann mann zehlen württ 1610.) vber eine Mahlzeitt (deß Tags nicht mehr dann zwo gerechnet) auff daß höchste mehr nicht dann ein maß wein trinkhen soll, vnnd zwischen denn Malzeitten mehr nicht denn ein quartt, Weil aber die Massen jnn Teütschlandt hin vnnd wider vngleich, wollen wür hiermit diße nach Volgende drey massen Außtrukhenlich genannt vnnd verstanden haben, Namblichen die Reinisch, Württembergisch, und Elßäßisch, da sy einannder biß auff Vngeuahr ein klein gläßlin voll gleich seindt, etc. All anndere Starkhe getrankh wie die Namen haben mögen, hiemit Außtruckhenlich verbotten und außgenommen sein sollen mehr nicht dann ein klein Trünckhgleßlin voll, Ohne wasser vnnd Büer, Es wehre dann, daß einer Kranckh vnnd Ime ein annder tranckh geordnet würde. Es solle auch khein theül dem Anndern macht haben Mehr zu Erlauben etc. Auff dem fahll aber einer oder der Annder sich überreden lüesße, oder obgemelte zwo masß, vnnd die quartt zusamen Sparen oder auff einmahl trinckhen woltte, der solle hiemit vnnd Inn Crafft diß Verbunden vnnd schuldig sein denn Anndern obgemeltten, Jedem Insonnderheitt, Drey hundert Reichsthaler Inn specie zu geben, nicht allein auff einmahl, sondern so offt er solches vber tritt. Wür versprechen Vnnß auch gegen einander, Bey vnnßern gewisßen Eydt vnndt Ehren, Da es einer oder der Annder Vbersehe vnndt nicht hüeltte, daß er schuldig sein soll, denn andern ein solches zu gestehen vnnd anzuzeigen. Da aber einer oder der annder Außflüchten suchen woltte, vnnd annderst v̈berwißen würde, Der soll schuldig vnnd verbunden sein, Obgemelte Summa Doppelt zu geben, vnnd so offt daß er solches thuett etc. Die weil wür aber Aller seitz Verpflichte Lehen Leuth vund Diener seindt, allß wollen wür hiemit dem Churfürsten vonn Sachsen, Hertzog vonn Württenberg, vnnd dem Bischoff von Speur, oder da einer hie zwischen Inn Annderer Fürsten Diennst Kheme, Allein Jre Taffel außgenommen haben etc. Solches stehet vnnd vest zu haltten, Auch hiemit alle Außreden, Außflüchten vnnd Lüst, so Menschen erdenckhen mögen außgenommen haben. Dessen wür vnnß mit Mundt vnnd handt, auch crafft dieser schrifft gegen einannder Verbunden vnnd Verlobt.

Zue wahrer Vrkhundt haben wür diß Verbündtnus mit vnsern angebornen Rinng Püttschiren vnd eignen Hannden becräfftigt vnnd vollenzogen. Datum Pariß den 16⁄26 Aprilis anno 1609.“

Folgen die 5 Siegel und eigenhändigen Unterschriften der obengenannten 5 Herrn:

Albrecht Günther

Graff zu Schw. u. Honst.