Todtnau, Stadt im bad. Kreis Lörrach, an der Wiese und am Fuß des Feldbergs, seit dem Brand von 1876 größtenteils neuerbaut, 650 m ü. M., hat eine kath. Kirche, eine Bezirksforstei, Baumwollspinnerei und -Weberei, Bürsten-, Holzstoff-, Zunder- und Papierfabrikation und (1885) 1756 Einw.

Tostlund, Dorf in der preuß. Provinz Schleswig-Holstein, Kreis Hadersleben, hat eine evang. Kirche, ein Amtsgericht und (1885) 657 Einw.

Toga (lat.), das Nationalkleid der freien Römer im Frieden, wodurch sie als Togati sich von allen Nichtrömern unterschieden, bestand aus einem einzigen, 4 m langen und 2½ m breiten Stück Zeug, das so getragen ward, daß man den einen Zipfel über die linke Schulter nach vorn warf, den obern Rand über den Rücken zog, den andern Zipfel aber unter dem rechten Arm durchzog (so daß derselbe frei blieb) und dann über die linke Schulter warf (vgl. Abbildung). Unter dem rechten Arm bis zur linken Schulter entstand dabei ein Bausch, den man als Tasche (sinus) gebrauchte. Im Krieg knüpfte man, bevor das Sagum (s. d.) die allgemeine militärische Kleidung wurde, die T. unter der Brust gürtelähnlich fest (Cinctus Gabinus). In der spätern Zeit trug man unter der T. die Tunika (s. d.) unmittelbar auf dem Körper. Die T. war von Wolle und weißer Farbe (t. alba), bei gemeinen Leuten und bei der Trauer dunkel (pulla). Die höhern Magistratspersonen bis zu den kurulischen Ädilen trugen eine mit einem Purpurstreifen eingefaßte T. (t. praetexta, s. Tafel "Kostüme I", Fig. 6), ebenso die Knaben bis zum 17. Jahr, die Mädchen bis zu ihrer Verheiratung. Vom vollendeten 17. Jahr an trugen die Jünglinge die einfache, unverbrämte T., die T. virilis oder T. pura. Besondere Staatskleider waren die T. picta. eine T. von Purpur, mit goldenen Sternen verziert, die der Triumphator anlegte, sowie die mit eingestickten Palmzweigen geschmückte T. palmata (trabea). Die T. candida wurde von den Bewerbern um Staatsämter getragen und war glänzend weiß (s. Candidatus); die Angeklagten trugen eine dunkle T. (t. squalida). Im Sommer trug man die T. rasa, eine abgeschorne T. von dünnem Zeug; im Winter eine wollene (t. pinguis). Auch Fremden konnte das Recht, die T. zu tragen, durch Senatsbeschluß als Auszeichnung erteilt werden, wie es z. B. das gesamte römische Gallien erhielt, das daher Gallia togata hieß. Unter den Kaisern begann die T. die Tracht der geringern Leute und Sklaven zu werden. Die Frauen nahmen die Palla (s. d.) an, und die T. wurde das Kleid der wegen Ehebruchs geschiedenen Frauen und Buhldirnen.

Toggenburg, ehemals eine Grafschaft der Schweiz, die voralpine Thalstufe der Thur umfassend, deren Besitzer (Grafen von T.) zu den reichsten und angesehensten Dynasten des Landes gehörten. Nach dem Erlöschen des Geschlechts (1436) fiel die Grafschaft an die Freiherren von Raron, die sie 1469 an den Abt von St. Gallen verkauften. Infolge der Religionsspaltung entstand eine Menge von Zerwürfnissen zwischen Stift und Landschaft, so daß die Zuricher und Berner, von den Toggenburgern angerufen, mit den katholischen Orten handgemein wurden

[Römer in der Toga.]

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Togianinseln - Tokar.

(Toggenburger oder Zwölferkrieg von 1712). Neu ausgebrochene Feindseligkeiten wurden 1755 und 1759 beigelegt. 1803 wurde das Ländchen dem Kanton St. Gallen zugeteilt. Es zerfällt in die vier Bezirke Ober-, Neu-, Alt- und Unter-T., von denen Alt-T. (11,721 Einw.) vorherrschend katholisch, die drei andern, mit 43,887 Einw., vorherrschend protestantisch sind. Die Hauptindustrie ist Baumwollspinnerei (s. Sankt Gallen, S. 283). Die oberste Thalgemeinde ist Wildhaus, der Geburtsort Zwinglis. Bei Ebnat-Kappel (640 m) beginnt die "Toggenburger Eisenbahn" und führt thalabwärts über Wattwyl, Lichtensteg und andre Orte bis nach Wyl, wo sie in die Zürich-St. Galler Linie einmündet (560 m). Vgl. Wegelin, Geschichte der Landschaft T. (St. Gallen 1857); Hagmann, Das T. (Lichtensteg 1877).

Togianinseln (Tadjainseln, Schildpattinseln), Gruppe von etwa 500 Eilanden in der Tominibai an der Ostküste von Celebes, 677 qkm (12,2 QM.) groß, stark bewaldet, unbewohnt, aber wegen des Schildkrötenfanges und der Fischerei häufig besucht; gehört zur niederländischen Residentschaft Menado.

Togo ("jenseit der Lagune"), deutsche Kolonie an der Sklavenküste von Westafrika (s. Karte bei "Guinea"), zwischen 1° 10' (New Sierra Leone) und 1° 30' östl. L. v. Gr. (Gum Koffi), doch zieht sich die östliche Grenzlinie nordostwärts bis 1°40', ein Areal von 1300 qkm (23,6 QM.). Am Meer liegen die Handelsplätze Lome, Bagida und Porto Seguro auf einem schmalen, niedrigen und hafenlosen Küstenstreifen; dahinter zieht sich eine Strandlagune hin, welche in der Lagune T. sich nach N. erweitert, jedoch in weit geringerm Maß, als die Engländer, welche sie Avonlagune nennen, früher angaben. In die Lagune mündet von N. her der Hahofluß. Das sogleich zu Hügeln von 40-60 m Hohe aufsteigende Land ist außerordentlich reich an Ölpalmen und andern Fruchtbäumen; nur der kleinste Teil des Landes ist angebaut mit Kassawen, Mais, Bataten, Ananas u. a., das übrige ist mit Rohr, hohem Gras und Buschdickicht, aus dem einzelne Bäume hervorragen, bestanden. Vierfüßige Tiere sind außer Affen selten; vereinzelt gibt es Leoparden, dagegen ist die Vogelwelt überreich, und die Lagunen sind voll von Fischen. Die Bevölkerung, etwa 40,000 Köpfe und durchweg Neger, beschäftigt sich an der Küste fast ausschließlich mit Handel; weiter nach dem Innern zu fertigt man kunstreiche Gefäße, Leder und Zeuge. Die aus Binsen geflochtenen Hütten sind rund oder viereckig, in jedem Ort aber gleichförmig gebaut und, wie Straßen und Plätze, sehr rein gehalten. Jedes Dorf enthält eine Gerichtshalle, ein Palaver- und ein Fetischhaus. Der Hauptort T. am östlichen Ufer der gleichnamigen Lagune hat 2000-3000 Einw., das heilige Be zählt 2000 Seelen, außerdem werden noch 10 Orte mit je 1000 Seelen genannt. Das Gebiet von T. wurde Ende 1884 unter deutschen Reichsschutz gestellt und für dasselbe ein deutscher Reichskommissar mit dem Sitz in Klein-Popo ernannt. Das Budget der Kolonie bezifferte sich 1888/89 auf 107,000 Mk. Einnahme und 178,000 Mk. Ausgabe. T. wurde 1887 von Henrici besucht, und 1888 ging Wolf ab, um das Hinterland zu erforschen. Vgl. Zöller, Das Togoland und die Sklavenküste (Stuttg. 1885); Krümmel, Togoland (Weim. l887); Henrici, Das deutsche Togogebiet (Leipz. 1888).