Tomé (El T.), Hafenstadt im südamerikan. Staat Chile, Provinz Concepcion, an der Nordseite der Talcahuanabai, hat eine Wolltuchfabrik, Schiffswerfte und (1875) 3529 Einw.
Tomek, Wáclaw Wladiwoj, böhm. Historiker, geb. 31. Mai 1818 zu Königgrätz, seit 1850 Professor an der Universität in Prag, ging 1882 an die neue tschechische Universität daselbst über, war 1861-66 Mitglied des böhmischen Landtags und des österreichischen Reichsrats und ist seit 1885 Mitglied des Herrenhauses. Er schrieb auf Palackys Betrieb eine vortreffliche Geschichte Prags (1855 ff., Bd. 1-7). Von seinen übrigen Büchern sind noch zu nennen: "Deje zemr ceské" (1843); "Deje mocnáestvi Rakouského" (1845); "Dejepis university Prazske" (1848); "Zák-
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Tomi - Ton.
lady starého mistopisu Prazského" (1865); dann "Geschichte Böhmens in übersichtlicher Darstellung" (deutsch vom Verfasser, Prag 1864-65); "Die Grünberger Handschrift" (übersetzt von Maly, das. 1859); "Handbuch der österreichischen Geschichte" (das. 1859, nur Band 1); "Johann Zizka" (deutsch, das. 1881).
Tomi, im Altertum Stadt in Untermösien, am Pontus Euxinus, bekannt als Verbannungsort des Dichters Ovid; das jetzige Constanza (s. d.).
Tomleschg, Thal, s. Hinterrhein.
Tommaseo, Niccolò, ital. Schriftsteller, geb. 1802 zu Sebenico in Dalmatien, studierte zu Padua die Rechte, folgte aber seiner Neigung für die Litteratur, war seit 1827 in Florenz journalistisch thätig und ging 1833 nach Frankreich. Im folgenden Jahr veröffentlichte er seine Schrift "Dell' educazione" (1834), die binnen zwei Jahren drei Auflagen erlebte, ferner die politische Schrift "L'Italia" (1835) und einen Roman: "Il duca d'Atene" (1836). Von 1838 an lebte er in Venedig, wo ein Jahr vorher sein trefflicher "Kommentar zu Dante" erschienen war, und wo er weiterhin seine "Nuovi scritti" (1839-1840, 4 Bde.) und "Studj critici" (1843, 2 Bde.) sowie seine große, mit Recht berühmte Sammlung "Canti popolari toscani, corsici, illirici, greci" (1843, 2 Bde.) veröffentlichte. Auch ließ er eine Bearbeitung der auf die Geschichte Frankreichs im 16. Jahrh. bezüglichen Gesandtschaftsberichte (1838, 2 Bde.) erscheinen und gab die "Lettere di Pasquale de' Paoli" (1846) heraus. Seine streng katholische Gesinnung hinderte ihn nicht, sich 1848 zur liberalen und nationalen Partei zu bekennen. Infolge seines freimütigen Auftretens mit Manin verhaftet, aber vom Volke gewaltsam befreit und als Minister des Unterrichts mit Manin an die Spitze der provisorischen Regierung gestellt, verließ er die Stadt vor dem Einzug der Österreicher und begab sich nach Korfu, wo eine Krankheit seine Erblindung zur Folge hatte. 1852 veröffentlichte er zu Mailand seinen sehr interessanten psychologischen Roman "Fede e bellezza", der mehrmals neu aufgelegt wurde. 1854-59 lebte er in Turin, von da an zu Florenz, wo er 1. Mai 1874 starb. Von seinen weitern Publikationen sind hervorzuheben: "Le lettere di Santa Caterina di Siena" (1860, 4 Bde.); eine Sammlung seiner politischen Schriften: "Il secondo esiglio" (1862, 3 Bde.); "Sulla pena di morte" (1865) und "Nuovi studj su Dante" (1865). Äußerst verdienstvoll ist sein "Dizionario di sinonimi della lingua italiana" (7. Aufl. 1887, 2 Bde.), geschätzt auch sein "Leben Rosminis" und sein "Dizionario estetico" (neue Aufl. 1872). T. war einer der angesehensten Schriftsteller seiner Zeit, vielseitigen und lebhaft beweglichen Geistes und von großem Einfluß als Kritiker. Vgl. Bernardi, Vita e scritti di Niccolò T. (Turin 1874); K. Hillebrand in der "Allgemeinen Zeitung" (Mai 1874).
Tommaso, ital. Maler, aus Modena, daher T. da Modena genannt, malte um 1352 in Treviso (im Dominikanerkloster) eine Reihe von Wandbildern der berühmtesten Mitglieder des Dominikanerordens, sodann im Dom des Lünettenfresko des Gekreuzigten. Weitere Spuren von ihm finden sich in Prag, wohin er 1357 durch Karl IV. berufen worden sein soll. Eine Madonna und ein Ecce homo befinden sich auf dem Karlstein bei Prag.
Tompa, Michael, ungar. Dichter, geb. 29. Sept. 1819 zu Rimaszombat im Gömörer Komitat, studierte daselbst und in Sáros-Patak und ward 1845 protestantischer Seelsorger zu Beje im Gömörer Komitat, 1848 Feldgeistlicher in der Honvédarmee und 1852 Pfarrer zu Yamva (Gömörer Komitat), wo er bis an das Ende seines Lebens wirkte. Sein erstes selbständiges Werk war: "Néprgék, Népmondák" ("Volksmärchen, Volkssagen", Pest 1846). In demselben Jahr zeichnete die Kisfaludy-Gesellschaft seine komische poetische Erzählung "Szuhay Mátyás" mit einem Preis aus und wählte ihn zu ihrem Mitglied. 1847 erschien die erste Ausgabe seiner Gedichte. In den Jahren unmittelbar nach der Revolution gab er der damaligen gedrückten Stimmung und den von der politischen Gewalt noch verpönten Hoffnungen in mit großem Beifall aufgenommenen allegorischen Gedichten Ausdruck, wegen deren er sich 1852 vor dem Kriegsgericht in Kaschau zu verantworten hatte. 1858 wurde er von der Akademie zum Mitglied gewählt, 1868 erhielt er für seine Dichtungen den großen akademischen Preis (200 Dukaten). Kurz darauf starb er 30. Juli 1868. Eine Gesamtausgabe seiner Dichtungen erschien in 5 Bänden (Pest 1881).