Touraine (spr. turähn), ehemalige franz. Landschaft, von Orléanais, Berry, Poitou und Anjou begrenzt, umfaßte das jetzige Departement Indre-et-Loire und einen Teil des Departements Vienne. Sie bildete seit 941 eine besondere Grafschaft, kam 1045 an die Grafen von Anjou, dann an die Plantagenets und 1204 unter Philipp II. August an die Krone, ward 1360 zum Herzogtum erhoben und mehrmals an nachgeborne französische Prinzen verliehen, aber 1584 nach dem Tode des Herzogs Franz von Alençon, des Bruders Heinrichs III., wieder mit der Krone vereinigt. Wegen ihrer Fruchtbarkeit ward die Landschaft der Garten Frankreichs genannt. Vgl. Bourassé, La T., son histoire et ses monuments (Tours 1855); Carré de Busserolle, Dictionnaire géographique, historique et biographique de l'Indre-et-Loire et de l'ancienne province de T. (das. 1878-84, 6 Bde.).
Tourcoing (spr. turkoang), Stadt im franz. Departement Nord, Arrondissement Lille, Knotenpunkt der Eisenbahnen Lille-Mouscron und Somain-Menin, nahe der belgischen Grenze, Schwesterstadt von Roubaix, mit dem es immer mehr verwächst, mit Collège, Gewerbekammer, Filiale der Bank von Frankreich, zahlreichen Spinnereietablissements für Schafwolle, Baumwolle, Flachs und Seide (zusammen 400,000 Spindeln), Wollkämmereien, Webereien, Färbereien, Fabriken für Möbelstoffe, Teppiche und Wirkwaren, Seife, Maschinen und Zucker, lebhaftem Handel und (1886) 41,183 (Gemeinde 58,008) Einw. An hervorragenden Bauwerken ist die Stadt arm. Hier 17. und 18. Mai 1794 Sieg der Franzosen unter Pichegru über die Österreicher und Engländer unter Clerfait.
Tourenzähler, Apparat zum Zählen der Umdrehungen von Wellen, Rädern etc.
Touristenvereine (Gebirgsvereine) sind solche, deren Arbeitsfeld vorwiegend sich auf Mittelgebirge oder Vorberge der Hochalpen erstreckt, während Alpenklubs (vgl. Alpenvereine) sich ausschließlich mit Hochgebirgen befassen; strenge Grenzen lassen sich jedoch nicht ziehen. Die meisten T. sind in Zweigvereine (Sektionen) gegliedert, die über ein Vereinsgebiet zerstreut sind, und die durch eine Zentralgewalt zusammengehalten werden. Jede Sektion arbeitet selbständig; alle aber erstreben gemeinsam für ihr Gebiet das gleiche Ziel. Verkehrserleichterungen, Erschließung und Verschönerung von Aussichtspunkten und neuen Partien, Hebung der Regsamkeit und Wohlfahrt der Gebirgsbewohner; ferner pflegen sie kleinere populärwissenschaftliche Forschungen und gemeinsame Touren etc. Fast jeder Touristenverein gibt eigne Jahresberichte heraus; mehrere lassen vierteljährlich, monatlich oder halbmonatlich Zeitschriften, außerdem Karten, Panoramen, Jahrbücher, Spezialführer u. dgl. erscheinen. Die Summe, welche durch die Kassen aller Touristen- und Alpenvereine zusammengenommen ins Land fließt, beläuft sich pro Jahr auf ca. 400,000 Mk., ungerechnet die großen Umsätze, welche sie indirekt hervorrufen. Im Deutschen Reich bestehen zur Zeit über 40 T. mit ca 27,000 Mitgliedern (ohne die Sektionen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins mit ca. 8000 Mitgliedern) und zwar: Schwarzwaldverein (Freiburg i. Br., seit 1864, reorganisiert 1882, 2000 Mitglieder), Taunusklub (Frankfurt a. M., seit 1868, reorganisiert 1882, 1000 Mitgl.), Vogesenklub (Straßburg i. E., 1876, 3000 Mitgl.), Rhönklub (Fulda, 1876, 2000 Mitgl.), Freigerichtenbund (Maisenhaus, 1876), Gebirgsverein für die Sächsisch-Böhmische Schweiz (Dresden, 1877, 1500 Mitgl.), Vaterländischer Gebirgsverein Saxonia (Dresden 1879), Spessarttouristenverein (Hanau, 1879), Gebirgsverein Rathewalde (1879), Gebirgsverein Lusatia (Zittau, 1880, 1200 Mitgl.), Thüringerwaldverein (Eisenach, 1880, 2600 Mitgl.), Verein der Spessartfreunde (Aschaffenburg, 1880, 500 Mitgl.), Gebirgsverein Oybin (1880), Schlesischer Gebirgsverein für das
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Tourn. - Tournai.
Riesengebirge (Hirschberg, 1880, 4000 Mitgl.), Heideklub (Dresden, 1880), Gebirgsverein für die Grafschaft Glatz (Glatz, 1881, 950 Mitgl.), Taunusklub Wetterau (Nauheim-Friedberg, 1881), Gebirgsverein für Öderan im Erzgebirge (1881), Verband vogtländischer Touristenvereine (Plauen, 1881, 1000 Mitgl.), Vogelsberger Höhenklub (Schotten, 1881, 1000 Mitgl.), Verschönerungsverein für das Siebengebirge (Bonn etc., 1881), Touristenverein Annaberg-Buchholz (1881), Rheinischer Touristenklub (Mainz, 1882), Odenwaldklub (Erbach, 1882, 1200 Mitgl.), Rhein- und Taunusklub (Wiesbaden, 1882), Im Spreegebiet (Bautzen, 1882), Oberes Spreethal (Neusalza, 1882), Verband der Gebirgsvereine des Eulen- und Waldenburger Gebirges (Reichenbach i. Schl., 1882/83, 500 Mitgl.), Gebirgsverein Charlottenbrunn in den Sudeten (1882), Bayrischer Waldverein (Bodenmais, 1883, 500 Mitgl.), Verschönerungsverein Naturfreund (Meißen, 1881, 400 Mitgl.), Verein Wendelsteinhaus (München, 1881), Schweidnitzer Gebirgsverein (1883), Württembergischer Schwarzwaldverein (Stuttgart, 1884), der Harzklub (Goslar, 1887, mit 2400 Mitgl. in 23 Zweigvereinen), Westerwaldklub (Selters), Eifelverein (Trier); ferner T. in Offenbach, Stettin, Köln, Kassel, Potsdam, Bingen, Hannover etc. Die Österreichisch-Ungarische Monarchie zählt über 25 T. mit ca. 20,000 Mitgliedern ohne folgende 3 alpine Vereine: Sektionen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins (ca. 7000 Mitgl.), Österreichischer Alpenklub (ca. 600 Mitgl.), Società degli Alpinisti Tridentini (ca. 500 Mitgl.) und zwar: Österreichischer Touristenklub (Wien, 1869, ca. 10,000 Mitgl.), Steirischer Gebirgsverein (Graz, 1869, 2000 Mitgl.), Ungarischer Karpathenverein (Käsmark, 1873, 3000 Mitgl.), Kroatischer Gebirgsverein (Agram, 1874, 450 Mitgl.), Lehrer-Touristenklub (Wien, 1874), Galizischer Tatraverein (Krakau, 1874, 2200 Mitgl.), Verein der Naturfreunde (Mödling, 1877, 400 Mitgl.), Nordböhmischer Exkursionsklub (Böhmisch-Leipa, 1878, 1350 Mitgl), Gebirgsverein für die Böhmische Schweiz (Tetschen, 1878, 350 Mitgl.), Böhmische Erzgebirgsvereine (Karlsbad, Görkau, Oberleutensdorf, Brüx, Komotau, Joachimsthal, Teplitz, Eger, Marienberg etc., seit 1879, ca. 2000 Mitgl.), Böhmischer Riesengebirgsverein (Hohenelbe, 1880, 600 Mitgl.), Siebenbürgischer Karpathenverein (Hermannstadt, 1880, 1500 Mitgl.), Sannthaler Alpenklub (Cilli, 1880), Gebirgsverein in Gmünd in Kärnten (1880), Gebirgsverein der mährisch-schlesischen Sudeten (Gräfenberg, 1881, 1600 Mitgl.), Alpenklub Salzburg (1881), Verein zur Förderung des Fremdenverkehrs (Graz, 1881), Touristenverein Hermagor in Kärnten (1882), Plattenseeverein (1883), Società degli Alpinisti Triestini (Triest, 1883), Mittelgebirgsverein in Aussig in Böhmen (1883), Deutscher Böhmerwald-Bund (1884), Deutscher Gebirgsverein für das Jeschken- und Isergebirge (Reichenberg in Böhmen, 1884, 600 Mitgl.); ferner kleinere alpintouristische Privatkreise in Graz und Wien. In der Schweiz besteht außer dem Schweizer Alpenklub nur der Club jurassien (Neuchâtel, 1868). In Frankreich außer dem Club Alpin Français, der sich auch mit den Pyrenäen und dem Atlas Algeriens beschäftigt, und der Société Ramond in Bagnères de Bigorre (Oberpyrenäen, seit 1865): Société des Touristes du Dauphiné (Grenoble, 1875, 650 Mitgl.), Club Alpin International (Nizza, 1879, mehr ein Cercle für Kurgäste). In Italien außer dem Club Alpino Ita1iano und der Società Alpina Friulana (Udine, l874); Circulo Alpino dei Sette Comuni (Asiago), Club dei Monti Berici, Club Alpino di Garafagnana. In andern Ländern: Club Alpin Belge (Brüssel, 1883), Norske Turistforening (Christiania, 1868, 2000 Mitgl.), Associacio d'excursions Catalana (Barcelona, 1878, 500 Mitgl.), Himalaya-Club (Kalkutta, 1880), Appalachian Mountain-Club (Boston, 1876, 700 Mitgl.), Rocky Mountain-Club (Philadelphia, 1876), Alpine Club of Massachusetts (Williamstown, 1863), Krimscher Gebirgsklub (Odessa, 1889). Für das Deutsche Reich besteht seit 1883 ein Verband deutscher T. (Zentralsitz in Frankfurt a. M.), dem etwa 27 Vereine mit ca. 24,000 Mitgliedern angehören. Organ des Verbandet ist die Zeitschrift "Der Tourist" (Berl., seit 1887). Man kann auch in gewissem Sinn die lokalen Verschönerungsvereine unter die Gebirgsvereine, bez. T. rechnen, zumal sie, wie z. B. derzeit 1843 bestehende Verein zu Wiesbaden, neben dem Londoner Alpine Club (von 1857 bis 1861 unter dem Namen The Englishmen's Playground) zu den Vorläufern unsrer gesamten touristischen Vereinsbewegung zu zählen sind. Vgl. Köhler, Die touristischen Vereine der Gegenwart (Eisen. 1884); Nicol, Das touristische Vereinswesen (Wiesb. 1886).
Tourn., bei botan. Namen Abkürzung für Tournefort (s. d.).
Tournachon (spr. -schóng), Schriftsteller, s. Nadar.
Tournai (spr. turnä, vläm. Doornick), Hauptstadt eines Arrondissement und ehemalige Festung in der belg. Provinz Hennegau, an beiden Ufern der Schelde, Knotenpunkt der Eisenbahnen nach Gent, Brüssel, Valenciennes, Lille und Douai, hat sieben Vorstädte, breite Kais, regelmäßige Straßen, eine Kathedrale romanischen Stils aus dem 12. Jahrh. mit fünf Türmen, Gemälden von Jordaens, Rubens, Gallait u. a. und dem reichen Reliquienschrein des heil. Eleutherius, ersten Bischofs von T., die Kirche St.-Brice mit dem Grabmal des Frankenkönigs Childerich und viele andre Kirchen und Kapellen, einen alten, neuhergestellten Belfried und ein Stadthaus mit öffentlichem Garten. Den Marktplatz schmückt das von Dutrieux modellierte Bronzestandbild der Prinzessin Maria von Epinoy (s. unten). Die Bevölkerung zählte 1888: 34,805 Seelen. Die wichtigsten Industriezweige sind: Fabrikation von Teppichen, Leinen-, Wollen- und Baumwollenstoffen, Porzellan, Fayence und Bronzewaren, Mützen- und Strumpfwirkerei, Gerberei und Brauerei. Der lebhafte Handel wird durch die schiffbare Schelde begünstigt. T. hat ein geistliches Seminar, Athenäum, Industrieschule, Lehrerinnenseminar, eine Kunstakademie, öffentliche Bibliothek, ein naturhistorisches Museum, eine Entbindungsanstalt, ein Theater. Es ist Sitz eines Bischofs und eines Tribunals. - T. hieß im Altertum Civitas Nerviorum, Turris Nerviorum oder Tornacum, ward im 5. Jahrh. den Römern von den Franken abgenommen und teilweise zerstört, aber bald wieder aufgebaut und bis Chlodwig Sitz der merowingischen Könige. Später gehörte es zu Flandern, seit Philipp dem Schönen zu Frankreich, bis es im Frieden von Madrid 1526 an die spanischen Niederlande kam. Während der niederländischen Unruhen ward es 1581 von dem Herzog von Parma belagert, aber von der Prinzessin Maria von Evinoy tapfer verteidigt. 1667 von Ludwig XIV. erobert, wurde es im Aachener Frieden von 1668 förmlich an Frankreich abgetreten. Ludwig XIV. ließ die Festungswerke durch Vauban ansehnlich verstärken; dessenungeachtet ward der Platz 1709 von den Kaiserlichen unter Prinz Eugen und Marlborough wieder erobert und im Frieden von