Tschabuschnigg, Adolf, Ritter von, österreich. Staatsmann und Dichter, geb. 9. Juli 1809 zu Klagenfurt, studierte in Wien die Rechte, trat 1832 in den Staatsdienst, ward 1850 Oberlandesgerichtsrat in Klagenfurt, 1854 in Graz, 1859 Hofrat beim obersten Gerichtshof in Wien, 1861 Mitglied des Reichsrats, 1870 des Herrenhauses, war vom 12. April 1870 bis 4. Febr. 1871 Justizminister im Kabinett Potocki; starb 1. Nov. 1877. Er schrieb: "Gedichte" (Dresd. 1833; 4. Aufl., Leipz. 1872); "Neue Gedichte" (Wien 1851); "Aus dem Zauberwalde", Romanzenbuch (Berl. 1856); Novellen und Romane: "Die Ironie des Lebens" (Wien 1841), "Der moderne Eulenspiegel" (Pest 1846), "Die Industriellen" (Zwick. 1854), "Sünder und Thoren" (Brem. 1875) u. a. Seine "Gesammelten Werke" erschienen Bremen 1875-77, 6 Bde. Vgl. v. Herbert, A. Ritter v. T. (Klagenf. 1878).

Tschad, See, s. Tsad.

Tschadda, Nebenfluß des Niger, s. Binuë.

Tschadir (türk., "Zelt"), in Persien Name des langen Stückes blauer Leinwand, in welches die Perserinnen sich außer dem Haus einhüllen.

Tschagatai (Dschaggatai), der zweite Sohn des Dschengis-Chan, dem nach dessen Tode die Länder am Oxus und Jaxartes, die Bucharei und Turkistan zufielen, die in jenen Teil des mongolischen Reichs einverleibt wurden, welcher unter dem Namen "Chanat von Tschagatai" von den uigurischen Pässen bis nach Amaje am Oxus sich erstreckte. T. starb 1241, seine Nachkommen behaupteten sich bis auf Timur.

Tschagischer Thee, die Blätter der sibir. Saxifraga crassifolia, werden in Rußland als Thee benutzt.

Tschai (türk.), Fluß.

Tschaïken (Csaïken), kleine galeerenartige, mit Segeln und Rudern versehene Boote, welche, mit Kanonen und Haubitzen ausgerüstet, im ehemaligen österreichisch-ungarischen Militärgrenzland zur Beschützung und Bewachung der Wassergrenze gegen die Türken dienten. Es waren 25 solcher Schiffe im Gang, mit 1-8 Kanonen und mit dem Tschaikistenbataillon bemannt, das den Marktflecken Titel (Titul) an der Theißmündung zum Stabsort hatte.

Tschaikowsky, Peter Iljitsch, Komponist, geb. 25. Dez. 1840 auf dem Hüttenwerk Wotkinsk im Gouvernement Perm im östlichen Rußland, studierte Rechtswissenschaft in Petersburg und arbeitete von 1859 an im Justizministerium, bis er, seiner Neigung zur Musik folgend, den Staatsdienst verließ und in das von A. Rubinstein neubegründete Konservatorium eintrat. Nach Absolvierung seiner Studien (1866), und nachdem er für eine Kantate nach Schillers Gedicht "an die Freude" die Preismedaille errungen, erhielt er die Stelle eines Kompositionslehrers am Konservatorium zu Moskau, die er bis 1877 bekleidete, in welchem Jahr er aus Gesundheitsrücksichten seine Entlassung nahm. T. lebt seitdem zurückgezogen teils in Italien und in der Schweiz, teils in Rußland. Seine namhaftesten Werke sind: die Opern "Vakula der Schmied" und "Eugen Onägin", "Opritschnik", 4 Symphonien, die symphonischen Dichtungen: "Der Sturm", "Romeo und Julie", "Francesca da Rimini", 3 Streichquartette, 2 Klavierkonzerte, Sonaten und andre Klavierstücke, Kompositionen für Violine und Violoncello etc. Auch veröffentlichte er eine "Harmonielehre" und eine russische Übersetzung von Gevaerts "Traité d'instrumentation".

Tschako (ungar. Czakot), eine seit dem Anfang dieses Jahrhunderts übliche militärische Kopfbedeckung in Form einer hohen Mütze, entweder oben und unten gleich weit, oder oben schmäler als unten, wie der jetzige T. der Jäger und des Trains, oder oben breiter als unten, in welcher unpraktischen Form er überall verschwunden ist; gewöhnlich von Filz, mit ledernem Deckel und Kopfrand, vorn mit einem Schild versehen.