Tuberaster, s. Polyporus.
Tuberkel (lat.), ursprünglich kleiner Höcker oder kleines Knötchen, gegenwärtig Name für eine ganz bestimmte Gewebsneubildung, welche in der Form von hirsekorngroßen (miliaren), selten größern Knoten in den verschiedensten Organen und Geweben auftritt und aus einer Anhäufung kleiner Rundzellen ohne Gefäße besteht; s. Tuberkulose.
Tuberkulose (Tuberkulosis), eine Krankheit, bei welcher in den Organen des Körpers kleine, von der Größe des eben Sichtbaren zu Hirsekorngröße wechselnde, graue Knötchen entstehen, welche in ihrer Mitte käsig zerfallen und erweichen. Wenn diese Knötchen in der Haut oder in der Oberfläche von Schleimhäuten liegen, so entstehen durch ihren Zerfall anfangs kleine, linsenförmige (lentikuläre), später durch Hinzukommen immer neuer Knötchen in der Nachbarschaft große, tuberkulöse Geschwüre, durch welche schließlich ein Schwund der Schleimhäute, z. B. des Kehlkopfes, der Luftröhre, des Darms, der Gebärmutter, der Harnblase, des Nierenbeckens, bedingt werden kann, welcher insgemein als tuberkulöse Entzündung dieser Organe oder als Schwindsucht derselben bezeichnet wird. Auch in den Gehirnhäuten kommen solche Knötchen vor, doch führen sie hier wie in dem Gehirn selbst nicht zur Geschwürsbildung, es kommt dagegen oft zu einer eiterigen Gehirnhautentzündung oder zur Bildung größerer Geschwulstknoten. In der Leber kommen entweder sehr kleine, kaum ohne Mikroskop wahrnehmbare, oder größere Knoten vor, welche nicht zerfallen. Ein sehr mannigfaltiges Bild bieten die Lungenschwindsucht (s. d.) sowie die T. der Lymphdrüsen, welche durch käsigen Zerfall des Drüsengewebes ausgezeichnet sind, und die durch T. bedingten Gelenkentzündungen (Tumor albus, s. Gelenkentzündung, S. 58). Die T. wurde zwar schon lange für eine übertragbare Krankheit gehalten, doch ist es erst Koch 1882 gelungen, die eigentliche Ursache in einem Bacillus von außerordentlicher Kleinheit zu entdecken. Dieser Tuberkelbacillus (s. Tafel "Bakterien", Fig. 4) siedelt sich in den Geweben an, ruft durch seine Wucherung jene knotenförmigen und flächenhaft ausgebreiteten Entzündungen hervor, welche unter Einwirkung eigenartiger chemischer Spaltungsprodukte der Bacillen verkäsen, und bringt durch ihren Verfall allmählich ganze Organe zum Schwund. Am Krankenbett stellen sich die Erscheinungen der T. natürlich in höchst mannigfacher Form dar, je nach dem Organ, welches Sitz der T. geworden ist. Am häufigsten ist Hauptsitz der T. der Atmungsapparat, besonders die
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Tuberogemma - Tübingen.
Lungen; bei Kindern nicht selten der Darm, die Gelenke, Knochen und Hirnhäute, während vielleicht in den Lungen wenig oder gar keine Veränderungen vorhanden sind; zuweilen ist der Harn- u. Geschlechtsapparat zuerst befallen, selten die äußere Haut, die Zunge, der Magen. Die T. befällt vorwiegend Kinder und schwächliche, schlecht genährte jüngere Personen; die Anlage zur Erkrankung ist häufig ererbt (s. Skrofeln), indessen kommt T. auch bis ins höchste Alter vor und ist unzweifelhaft diejenige Krankheit, welche bei uns die meisten Opfer fordert, da etwa ein Siebentel aller Menschen an T. zu Grunde geht. Der Verlauf der T. kann sich über Jahre und Jahrzehnte erstrecken, sofern die T. auf einen Teil der Lungen oder eines andern Organs beschränkt bleibt. Sehr gewöhnlich aber werden die Bacillen im Lymphstrom fortgespült, die benachbarten Lymphdrüsen werden ergriffen, die Bacillen gehen ins Blut über, und es erfolgt Verbreitung der T. auf alle Organe. Wenn der übertritt großer Massen von Bacillen ins Blut auf einmal erfolgt, etwa durch Durchbruch käsiger Herde direkt in ein Blutgefäß, so verläuft die T. unter dem Bild einer fieberhaften, typhösen Erkrankung in wenigen Wochen tödlich (akute Miliartuberkulose). Die Behandlung der T. erfordert, wenn der erkrankte Teil chirurgischen Eingriffen zugänglich ist, Entfernung der von Tuberkeln durchsetzten Gewebe, wodurch bei Gelenkentzündungen, Lymphdrüsengeschwülsten, Hoden-, Brustdrüsen- und Hauttuberkulose zuweilen völlige Heilung erzielt wird. Bei Erkrankung innerer Organe ist außer der lokalen Behandlung eine sehr wesentliche Rücksicht auf Hebung des Allgemeinbefindens, gute Ernährung, frische Luft etc. zu nehmen, um den Körper nach Möglichkeit gegen das Vordringen der Bacillen widerstandsfähig zu machen. Unzweifelhaft können selbst weiter vorgeschrittene Zerstörungsprozesse in Lungen und Darm zum völligen Stillstand, d. h. zu relativer Heilung, kommen. Vgl. Villemin, Études sur la tuberculose (Par. 1868); Hérard u. Cornil, La phthisie pulmonaire (das. 1867); Waldenburg, T., Lungenschwindsucht und Skrofulose (Berl. 1869); Langhans, Übertragbarkeit der T. (Marb. 1867); Virchow, Die krankhaften Geschwülste (Berl. 1863 bis 1867, 3 Bde.); Buhl, Lungenentzündung, T., Schwindsucht (2. Aufl., Münch. 1874); Schüppel, Untersuchungen über Lymphdrüsentuberkulose (Tübing. 1871); Predöhl, Geschichte der T. (Hamb. 1888); Cohnheim, Die T. vom Standpunkt der Infektionslehre (2. Aufl., Leipz. 1881); Koch, Berichte aus dem kaiserlichen Gesundheitsamt. - Über T. des Rindes s. Perlsucht.
Tuberogemma, s. Knospenknöllchen.
Tuberose, Pflanzengattung, s. Polianthes.
Tübet, Land, s. Tibet.
Tubifloren, Ordnung im natürlichen Pflanzensystem aus der Abteilung der Dikotyledonen, charakterisiert durch regelmäßige, mit Kelch- und verwachsenen Blumenblättern versehene, fünfzählige Blüten, fünf mit der Blumenkrone verwachsene Staubblätter und 2-5 verwachsene Fruchtblätter, umfaßt nach Eichler die Familien der Konvolvulaceen, Polemoniaceen, Hydrophyllaceen, Borragineen und Solanaceen.