Übergangsgebirge (Grauwackegruppe), in der ältern Geologie Bezeichnung der ältesten versteinerungführenden Sedimente unter dem Steinkohlengebirge, weil nach Ansicht Werners ihre Gesteine, insbesondere die Thonschiefer, ohne bestimmte Grenze in ihre kristallinische Unterlage übergehen, sie also gleichsam einen Übergang von seinem Urgebirge in die sekundären Sedimente bildeten. Nach jetzt gebräuchlicher Nomenklatur entsprechen die silurische und devonische Formation dem Ü.
Übergangssteuern (Übergangsabgaben) werden in Deutschland von solchen, im allgemeinen Verbrauchssteuergebiet anders als in den süddeutschen Staaten belasteten Gegenständen (Branntwein, Bier, Malz) erhoben, welche die Grenzen ihres Steuerbezirks überschreiten. Diejenigen Staaten, welche Gegenstände des Verbrauchs besteuern, können den gesetzlichen Betrag der Steuer bei der Einfuhr solcher Gegenstände aus dem andern Staat voll erheben. Dagegen darf das Erzeugnis eines andern Staats unter keinem Vorwand höher oder in lästigerer Weise besteuert werden als dasjenige der übrigen.
Übergangsstil, in der Geschichte der Baukunst diejenige Periode, während welcher der spätromanische Stil den Spitzbogen aufnahm und unter dem Einfluß desselben sich allmählich zum gotischen Stil umwandelte. In Deutschland herrschte der Ü. während des letzten Viertels des 12. und der ersten Hälfte des 13. Jahrh. Näheres s. Baukunst, S. 495.
Übergründet nennt man eine Aktiengesellschaft, wenn die Gründer die Vermögensstärke der Gesellschaft zu hoch in Ansatz bringen. Gegen solche Übergründungen sind die Vorschriften im deutschen Aktiengesetz vom 18. Juli 1884, Art. 209b ff. gerichtet.
Überhaltbetrieb, forstliche Betriebsart, s. Hochwald.
Überhangsrecht und Überfallsrecht, der Grundsatz des deutschen Rechts, wonach dem Inhaber eines Grundstücks das Recht zusteht, die von den Bäumen und Gesträuchen des Nachbargrundstücks auf das seinige herabhängenden und herabfallenden Früchte sich anzueignen, wie das Rechtssprichwort sagt: "Wer den bösen Tropfen genießt, genießt auch den guten"; auch im Entwurf eines deutschen bürgerlichen Gesetzbuchs (§ 862) anerkannt. Vgl. A. B. Schmidt, Das Recht des Überhangs und Überfalls (Bresl. 1886).
Überhitzt, s. Dampf, S. 446.
Überkingen, Dorf im württemberg. Donaukreis, Oberamt Geislingen, in einem tiefen Thal der Alb, an der Fils, hat eine evang. Kirche, Elfenbeindreherei, Zementwarenfabrikation und (1885) 550 Einw. Dazu das Stahlbad Ü. mit salinischem Eisensäuerling.
Überlandbrennen, s. Hainen.
Überlandpost, die Postbeförderungs-Einrichtungen der großen internationalen Postkurse, auf denen ein regelmäßiger Austausch bedeutender Korrespondenzmassen zwischen entfernten Ländern über zwischenliegende Postgebiete auf dem Landweg stattfindet, im engern Sinn die indische Ü., d. h. die regelmäßige Vermittelung des Briefverkehrs zwischen Großbritannien, Indien, Ostasien und Australien auf dem Weg über Frankreich und Italien. Die Absendung der indischen Ü. erfolgt jeden Freitag abends aus London über Dover, Calais, den Mont Cenis und Brindisi (in Brindisi Montag Mittag), von wo ab die Post durch Dampfer der Peninsular and Oriental Steam-Ship Company durch den Suezkanal, Bombay und Ceylon anlaufend, nach Kalkutta geführt wird. Jeden zweiten Freitag schließt sich in Ceylon eine Linie nach Ostasien und Australien an (große Ü.: Indian-Australian Mail). Die englisch-indische Ü. umfaßt (1889) jährlich rund 60,000 geschlossene Postsäcke mit einem Gesamtgewicht von 900,000 kg, wovon ungefähr 45,000 Säcke auf die Richtung aus Europa und 15,000 Säcke auf die Richtung aus Indien entfallen. Einzelne größere Posten zählten bis zu 2000 Säcken, welche auf der Eisenbahn eine stattliche Zahl von Packwagen anfüllen. Von den über Brindisi gehenden Überlandposten hat neben der britischen zur Zeit die größte Bedeutung die deutsche Ü. für Indien, Ostasien und Ozeanien, welche zum Teil mit den britischen Dampfern, zum Teil mit den jeden zweiten Freitag aus Brindisi abgehenden deutschen Postdampfern Beförderung erhält. Jede vierte Woche schließen die deutschen Dampfer nach Ostasien und Australien an. In Amerika sind von großer Bedeutung die Überlandposten über die Landenge von Panama (nach der Westküste von Südamerika) und über die verschiedenen, den Atlantischen und Stillen Ozean verbindenden Eisenbahnlinien (für die Korrespondenz nach Kalifornien und Ostasien über San Francisco). In Asien besteht schon seit geraumer Zeit die russisch-chinesische Überlandroute über Irkutsk-Kiachta. Mit dem Ausbau der russisch-zentralasiatischen Eisenbahn beginnt auch der Austausch geschlossener Briefposten über diesen neuen internationalen Verbindungsweg Bedeutung zu gewinnen.