Ugocsa (spr. úgotscha), ungar. Komitat am linken Theißufer, von den Komitaten Bereg, Mármaros und Szatmár begrenzt, 1191 qkm (21,62 QM.) groß, wird von der Theiß durchströmt, ist im O. gebirgig, waldreich, wenig fruchtbar und hat (1881) 65,377 Einw. Hauptprodukte sind: Getreide, Schweine, Schafe, Fische und Eisen (im Turtzer Gebirge). Sitz des Komitats ist Nagy-Szölös (s. d.).

Ugogo, Landschaft in Ostafrika, zwischen dem 6. und 7.° südl. Br., grenzt an den nordwestlichen Teil von Usagara, ein dürres, welliges Tafelland, das in seinem südlichen Teil vom Kisigo, einem Nebenfluß des Rueha, durchzogen und begrenzt wird und nur an den Ufern desselben und den über die Oberfläche verstreuten Oasen bewohnbar ist. Die Vegetation besteht in Akaziengestrüppen, Balsamsträuchern, Aloe, Euphorbien, Kapernsträuchern, hartem Gras; von Tieren finden sich Löwen, Schakale, Großohrfüchse, Elefanten, Nashörner, Büffel, Giraffen, Strauße, Perlhühner. Die Eingebornen, Wagogo, wohnen in Lehmhäusern, Tembe, mit flachem Dach. Das Gebiet zerfällt in zahlreiche unabhängige, aus mehreren Dörfern bestehende Bezirke, deren jeder seine Souveränität hauptsächlich in der Erpressung der Wegsteuer von den Reisenden ausübt. S. Karte bei "Congo".

Ugolino, s. Gherardesca.

Ugomba, Landschaft in Ostafrika, zwischen dem 3. und 4.° südl. Br., an den Quellflüssen des in den Tanganjika sich ergießenden Malagarasi.

Ugrische Völker, ein von Castrén gebrauchter Sammelname für die Ostjaken am rechten Ufer des Ob, die Wogulen am Ostabhang des nördlichen Urals und die Magyaren, die sämtlich zur gliederreichen finnischen Völkergruppe gehören. Die beiden ersten sind besonders deshalb interessant, weil sie uns noch jetzt ein Gemälde gewähren, wie die Zustände ihrer westlichen Geschwister in der Vorzeit beschaffen waren.

Uhde, 1) Hermann, Schriftsteller, geb. 26. Dez. 1845 zu Braunschweig, ging, nachdem er sich in Hannover längere Zeit dem Journalismus gewidmet hatte, 1870 als Spezialkorrespondent der "Hamburger Nachrichten" auf den französischen Kriegsschauplatz und übernahm hierauf das Feuilleton der genannten Zeitung. Seine Berichte veröffentlichte er in einem Sonderabdruck (Hamb. 1871). Seit 1872 lebte er in Weimar, seit 1874 aber privatisierend in Veytaux-Chillon am Genfer See, wo er 27. Mai 1879 starb. Seine Thätigkeit betraf meist die äußere Geschichte der deutschen Litteratur und vorwiegend des deutschen Theaters. Unter seinen Publikationen, die fast alle auf bisher unveröffentlichten Aufzeichnungen und Briefen beruhen, sind zu nennen: "Erinnerungen und Leben der Malerin Luise Seidler" (2. Aufl., Berl. 1875); "Denkwürdigkeiten des Schauspielers, Schauspieldichters und Schauspieldirektors F. L. Schmidt" (Hamb. 1875, 2 Bde.); "Goethes Briefe an Soret" (Stuttg. 1877); "Goethe, J. G. v. Quandt und der Sächsische Kunstverein" (das. 1878); "Das Stadttheater in Hamburg 1827-77" (das. 1879). Außerdem gab er Karl Töpfers "Dra-

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Uhehe - Uhland.

matische Werke" (Leipz. 1873) und H. A. O. Reichards "Selbstbiographie" (Stuttg. 1877) heraus.

2) Fritz von, Maler, geb. 22. Mai 1848 zu Wolkenburg in Sachsen, ging 1866 auf die Kunstakademie in Dresden, wendete sich aber, weil ihn der damals auf der Akademie herrschende Geist nicht befriedigte, 1867 der militärischen Laufbahn zu und diente bis 1877, zuletzt als Rittmeister im Gardereiterregiment. Dann quittierte er seinen Dienst und begab sich nach München, um sich der Malerei zu widmen, wobei er sich besonders an das Studium der Niederländer hielt. Ein Zusammentreffen mit Munkacsy veranlaßte ihn, sich im Herbst 1879 nach Paris zu begeben, wo er einige Wochen im Atelier Munkacsys malte, im übrigen aber seine Studien nach den Niederländern fortsetzte. Unter ihrem Einfluß stehen seine ersten Bilder: die Sängerin und die gelehrten Hunde, sowie die 1881 in München gemalten: das Familienkonzert und die holländische Gaststube. Eine 1882 nach Holland unternommene Reise bestärkte ihn in seinen koloristischen Grundsätzen, in welche er inzwischen auch diejenigen der Pariser Hellmaler aufgenommen hatte. Seine nächsten Bilder: die Ankunft des Leierkastenmanns (Erinnerung aus Zandvoort) und die Trommelübung bayrischer Soldaten, waren jedoch nur die Vorbereitung zu denjenigen Aufgaben, welche er sich als das Hauptziel seiner Kunst gestellt hatte. Auf Grund seiner neuen koloristischen Anschauung und seiner naturalistischen Formenbildung wollte er die Geschichte des Neuen Testaments in enge Beziehungen zur Gegenwart setzen und mit starker Hervorhebung der untern Volksklassen zu einer neuen, tief und schlicht empfundenen Darstellung bringen. Seine zu diesem Zwecke geschaffenen Hauptbilder, welche durch ihre Neigung für das Gewöhnliche und Häßliche auf großen Widerstand stießen, wegen ihres strengen Anschlusses an die Natur und ihrer koloristischen, bisweilen an Rembrandt erinnernden Haltung aber auch zahlreiche Bewunderer fanden, sind: Christus und die Kinder (1884, im Museum zu Leipzig), Komm, Herr Jesu, sei unser Gast (1884, in der Berliner Nationalgalerie), Christus und die Jünger von Emmaus (1885), das Abendmahl (1886), die Bergpredigt (1887) und die heilige Nacht (1888). Er lebt als königlicher Professor in München. Vgl. Lücke, Fritz v. U. (Leipz. 1887).