Sternhaufen, s. Stör.

Sternjahr, s. Jahr.

Sternkammer (lat. Camera stellata, engl. Star Chamber), engl. Gerichtshof, von König Heinrich VII. eingesetzt, welcher, aus dem Lord-Kanzler und aus königlichen Räten bestehend, über Staats- und Majestätsverbrechen urteilte und unter den letzten Stuarts durch Härte und Willkür sich sehr verhaßt machte. Sterne zierten die Decke des Sitzungssaals, daher der Name. Sie ward 1641 aufgehoben (s. Großbritannien, S. 797).

Sternkarten, Darstellung der Himmelskugel mit den Sternen auf einer ebenen Fläche, gewöhnlich in stereographischer oder zentraler Projektton (vgl. Landkarten). Die älteste bemerkenswerte Sammlung von S. ist Bayers "Uranometria" (Augsb. 1603), 51 Blätter nebst einem Katalog von 1706 Sternen; gleichfalls aus dem 17. Jahrh. ist Schillers "Coelum stellatum christianum" (das. 1627) in 55 Blättern, worin an die Stelle der alten Sternbilder die Apostel, Propheten und Heiligen gesetzt waren, sowie Hevels "Firmamentum Sobiescianum" (Danz. 1690), 54 Blätter mit 1900 Sternen. Verdrängt wurden diese Atlanten durch Flamsteeds "Atlas coelestis britannicus" (Lond. 1729, 28 Bl.; kleinere Ausg. von Fortin, Par. 1776, und neu aufgelegt 1796), welcher 2919 Sterne enthält und von Bode in Berlin 1782 verbessert in 34 Blättern herausgegeben wurde. 1782 erschien Bodes "Représentation des astres" (Stralsund), auf 34 Blättern gegen 5000 Sterne enthaltend, worauf seine 20 großen Himmelskarten in der "Uranographia" (Berl. 1802; 2. Aufl., das. 1819) mit 17,240 Sternen folgten. Diese ältern Karten, auf denen überdies die ausführliche Zeichnung der Sternbilder sehr störend wirkt, konnten dem Bedürfnis der Astronomen nicht mehr genügen, seitdem man das Kreismikrometer zur Beobachtung der Kometen anwandte; es kam jetzt darauf an, möglichst viel Sterne, auch schwächere, in der Karte zu haben. Hardings "Atlas novus coelestis" (Götting. 1822; neue Ausg., Halle 1856), der auf 27 Tafeln 120,000 Sterne enthält, war in dieser Hinsicht epochemachend. Aus späterer Zeit sind zu nennen: Argelanders "Neue Uranometrie" (Berl. 1843), welche ein getreues Bild des gestirnten Himmels gibt, wie er sich im mittlern Europa dem bloßen Auge darstellt; dessen "Atlas des nördlichen gestirnten Himmels" (Bonn 1857-63, 40 Karten) und Schwincks "Mappa coelestis" (Leipz. 1843), welche in 5 Blättern den nördlichen gestirnten Himmel bis zu 30° südl. Deklination darstellt. Eine bis dahin unbekannte Ausführlichkeit zeigen die "Akademischen S.", welche auf Bessels Anregung und auf Kosten der Berliner Akademie der Wissenschaften 1830-59 von Argelander, Bremiker, Harding, Göbel, Hussey, Inghirami, d'Arrest, Boguslawski, Fellecker, Hencke, Knorre, Morstadt, Bluffen, Steinheil und Wolfers veröffentlicht worden sind und alle Sterne zwischen 15° nördlicher und südl. Deklination bis herab zur neunten und teilweise bis zur zehnten Größe enthalten. Diese

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Sternkataloge - Sternschnuppen.

Karten haben bei der ersten Aufsuchung des Planeten Neptun und bei der Entdeckung der Planetoiden wesentliche Dienste geleistet. Für derartige Zwecke genügt es aber, alle Fixsterne in der Nähe der Ekliptik genau zu verzeichnen, da jeder Planet zweimal bei seinem Umlauf die Ekliptik schneidet; dies gab den Anlaß zur Entwerfung der "Ekliptischen Atlanten" von Hind und Chacornac, welcher letztere von der Pariser Sternwarte vollendet wird und die Sterne bis herab zur 13. Größe und bis auf 2 1/2° Abstand von der Ekliptik auf mehr als 72 Karten darstellen wird. Für Laien sind geeignet: Littrow, Atlas des gestirnten Himmels (3. Aufl., Stuttg. 1866); Dieu, Atlas celeste (Par. 1865); Proctor, A star atlas showing all the stars visible to the naked eye and 1500 objects of interest in 12 circular maps (Lond. 1870); Heis, Neuer Himmelsatlas (Köln 1872), welcher auf 12 Karten alle im mittlern Europa am Himmel sichtbaren Objekte darstellt und namentlich auch durch sehr genaue Zeichnung der Milchstraße sich auszeichnet; etwas Ähnliches leistet für den südlichen Himmel Gould, Uranometria Argentina (1879), und für beide Hemisphären Houzeau, Uranométrie générale (Brüssel 1878); Klein, Sternatlas (Köln 1887); Schurig, Himmelsatlas (Leipz. 1886); Messer, Sternatlas für Himmelsbeobachtungen (Petersb. 1888).

Sternkataloge, Verzeichnisse der Örter von Fixsternen für einen bestimmten Zeitpunkt mit Angabe derjenigen Größen, welche notwendig sind, um die Örter zu andern Zeiten zu berechnen. Der älteste, von Hipparch entworfene enthielt 1080 Sternpositionen für das Jahr 128 v. Chr.; ihm ist wahrscheinlich der im "Almagest" des Ptolemäos enthaltene mit 1025 Sternen nachgebildet. Aus dem Mittelalter sind zu nennen die S. des Abd al Rahmân al Sûfi (903-986): "Description des étoiles fixes, composée au milieu du X. siècle de notre ère par l'astronome persan Abd al Rahmân al Sûfi, par Schjellerup" (Petersb. 1874) und der des Herrschers von Samarkand, Ulugh Beigh, mit 1019 Sternpositionen für 1437: "Ulugh Beigh, tabulae astronomicae, ed. Th. Hyde" (Oxf. 1665) und das Sammelwerk von Baily: "The catalogues of Ptolemy, Ulugh Beigh. Tycho Brahe, Halley, Hevelius" (Lond. 1843). Im christlichen Abendland entwarf zuerst Tycho Brahe (1600) ein Verzeichnis von 777 Sternen, sodann (1660) Hevel eins von 1564 Sternen. Leider konnte der letztere sich nicht zum Gebrauch des Fernrohrs bei seinen Beobachtungen entschließen, weshalb auch sein Katalog rasch verdrängt wurde durch den von Flamsteed in der "Historia coelestis britannica" (Lond. 1712; 2. Ausg. von Halley, 1725) veröffentlichten, welcher 2866 Sterne zählt. Lalandes "Histoire celeste" (Par. 1801) enthält die Örter von 47,390 Sternen, die später von Baily mit Hilfe der von Schumacher gegebenen Reduktionstafeln auf die Epoche 1800 reduziert wurden (Lond. 1847), und Piazzi veröffentlichte (1803) ein Verzeichnis von 6748 Sternen, welche Zahl in der spätern Ausgabe ("Praecipuarum stellarum inerrantium positiones mediae ineuntesaeculo XIX., ed. altera", Pal. 1814) auf 7646 vermehrt ist. Epochemachend sind Bessels "Fundamentaastronomiae" (Königsb. 1818), welche auf den Beobachtungen Bradleys fußen; daran reiht sich Argelanders "Bonner Durchmusterung" ("Bonner Beobachtungen", Bd. 3-5, 1859-62), welche 324,198 am nördlichen Himmel bis zu 2° südl. Br. sichtbare Sterne aufzählt (von Schönfeld bis 10° südl. Br. fortgesetzt). Ferner sind zu nennen: Baily, "The catalogue of stars of the British Association" (Lond. 1845, 8377 Sternpositionen für 1850); von Airy eine Reihe von Katalogen nach Greenwicher Beobachtungen von 1836-41 (das. 1843), 1836-47 (das. 1849), 1848-53 (das. 1856), 1854-60 (das. 1862), 1861-67 (das. 1868); von Groombridge "Catalogue of circumpolar stars"; Weißes "Positiones mediae stellarum tixarum in zonis Regiomontanis a Besselio observatarum" (Petersb. 1846 u. 1863, gegen 70,000 Sterne); Argelanders "Zonenbeobachtungen" (geordnet von W. Öltzen, Wien 1851, 1852, 1857); Lamonts in den Annalen der Münchener Sternwarte erschienene Verzeichnisse von Sternen zwischen 15° nördlicher und südlicher Deklination (34,634 Sterne, darunter an 12,000 zum erstenmal bestimmte); das Verzeichnis von Sternen in der Nähe der Ekliptik, die Cooper und Graham zu Markree Castle in Irland beobachteten, u. a. Von der südlichen Halbkugel hat zuerst Halley einen Sternkatalog geliefert, ferner im vorigen Jahrhundert Lacaille ("Coelum australe stelliferum", Par. 1763; neue engl. Ausg., Lond. 1847); in unserm Jahrhundert haben Henderson, Fallows, Brisbane, Maclear u. a. solche S. geliefert, der neueste ist Ellerys "Melbourne catalogue". Kataloge von Doppelsternen haben hauptsächlich W. Herschel, W. Struve und I. Herschel geliefert; den des letztern (mit 10,300 Doppel- und vielfachen Sternen) haben Main und Pritchard im 40. Bande der "Memoiren der Londoner Astronomischen Gesellschaft" (Lond. 1874) veröffentlicht. Kataloge der veränderlichen Sterne haben Schönfeld (1866 u. 1874), Dreyer (1888) und Chandler (1889) geliefert.

Sternkegel, s. Globus, S. 436.

Sternkrant, s. Stellaria.