2) Demeter S. von Miclauscheni, rumän. Staatsmann und Schriftsteller, geb. 10. März 1833, studierte in München, Göttingen, Bonn und Berlin, war 1857 Kanzleichef des Diwans ad hoc der Moldau, 1866 einer der eifrigsten Mitarbeiter an dem Sturz des Fürsten Alexander Cusa, 1866 bei der Wahl des Fürsten Karl von Hohenzollern als Mitglied (Minister der öffentlichen Arbeiten) der provisorischen Regierung thätig und bekleidete im Kabinett Bratianus 1876-88 wiederholt den Ministerposten der öffentlichen Arbeiten, der Finanzen, des Äußern und des Unterrichts. Als Generalsekretär der rumänischen Akademie leitet er die Herausgabe von zwei großen Quellenwerken über rumänische Geschichte (Hurmuzakis "Documente privitoare la Istoria Romanilor", Bukar. 1876-89, 11 Bde., u. Sturdzas "Acte si Documente privitoare la Istoria Renascerei Romaniei", das. 1888-89, 3 Bde.). Er schrieb mehrere historische und numismatische Abhandlungen, z. B. "La marche progressive de la Russie sur le Danube" (Wien 1878); "Rumänien und der Vertrag von San Stefano" (das. 1878); "Übersicht der Münzen und Medaillen des Fürstentums Rumänien, Moldau u. Walachei" (das. 1874); "Memoriu asupra numismaticei romanesci" (Bukar. 1878).
Sture, altadliges Geschlecht in Schweden, das 1716 erlosch. Sten S. der ältere, Reichsvorsteher von Schweden, Sohn Gustav Amundssons S. und Schwestersohn Karl Knutsons, ward nach dessen Tod 1470 Reichsvorsteher und besiegte den Dänenkönig Christian I. 10. Okt. am Brunkeberg. Er errichtete 1476 die Universität zu Upsala, führte die Buchdruckerei in Schweden ein und versöhnte sich 1497 mit König Johann von Dänemark, der bloß den Titel eines Königs von Schweden führte, während S. Regent war. Er starb 13. Dez. 1503 in Jönkoping, wahrscheinlich an Gift. Vgl. Palmen, Sten Stures strid med konung Hans (Helsingf. 1884); Blink, Sten S. den äldre och hans samtider (Stockh. 1889). Ein Seitenverwandter von ihm, Svante Nilsson S., folgte ihm als Reichsvorsteher. Derselbe setzte den Krieg gegen die Dänen fort, eroberte Kalmar, welches dieselben besetzt hielten, und schlug Johann zu wiederholten Malen, starb aber schon 2. Jan. 1512 in Westeras, worauf sein Sohn Sten S. der jüngere 23. Juli 1512 zum Reichsverweser erwählt wurde. Er unterlag in der Schlacht bei Bogesund, in welcher er verwundet wurde, den Dänen und starb auf dem Weg nach Stockholm 3. Febr. 1520. Seine Leiche wurde nach dem Stockholmer Blutbad auf einem Scheiterhaufen verbrannt.
Sturluson, s. Snorri Sturluson.
Sturm, heftiger Wind (s. d.). Im Feldkrieg heißt S. der entscheidende Angriff auf eine vom Feind besetzte Stellung, Ortschaft, Schanze etc., wobei es zum Handgemenge (s. d.) kommt, wenn der Feind standhält. Der S. auf Festungswerke ist in der Regel nur nach vorhergegangenem förmlichen Angriff möglich (s. Festungskrieg, S. 190).
Sturm, 1) Jakob S. von Sturmeck, elsäss. Staatsmann, geb. 10. Aug. 1489 zu Straßburg, stammte aus einer edlen Familie des Niederrheins, widmete sich zuerst dem Studium der Theologie auf der Universität zu Freiburg, dann der Rechtswissenschaft in Lüttich und Paris. 1525 wurde er zum erstenmal Stadtmeister in seiner Vaterstadt. Schon früh schloß er sich der Reformation an und nahm 1529 an dem Religionsgespräch zu Marburg teil, sonderte sich dann aber von den Lutheranern , weil er ihnen die Schuld an der Spaltung der Evangelischen zuschrieb, und überreichte 1530 im Namen Straßburgs und andrer Städte auf dem Reichstag zu Augsburg die Confessio tetrapolitana. Um die Aufnahme seiner Vaterstadt in den Schmalkaldischen Bund zu erreichen, machte er 1532 Luther einige Zugeständnisse. Fortan leitete er Straßburgs Angelegenheiten mit großer Umsicht und vertrat ihre Interessen auf mehreren Gesandtschaften mit Geschick. Auch gelang es ihm, 1547 nach der Schlacht bei Mühlberg die von Karl V. auferlegte Kontribution zu ermäßigen. S. hat die Bibliothek und ein Gymnasium in Straßburg begründet, das bald erfreulich gedieh (s. S. 2). Er starb 30. Okt. 1553 in Straßburg. Vgl. Baum, Jakob S. (3. Aufl., Straßb. 1872); Baumgarten, Jakob S. (das. 1876).
2) Johannes von, verdienter Schulmann, geb. 1. Okt. 1507 zu Schleiden in der Eifel, besuchte das Gymnasium der Hieronymianer zu Lüttich, vollendete seine Studien auf der Universität Löwen, ward 1530 akademischer Lehrer der klassischen Sprachen in Paris und 1537 Rektor des neugegründeten Gymnasiums zu Straßburg, welches unter seiner Leitung europäischen Ruf erlangte. Als eifriger Calvinist mit den Lutheranern in Streit über die Annahme der Konkordienformel verwickelt, verlor S. 1582 seine Stelle und starb 3. März 1589 in Straßburg. Kaiser Karl V. verlieh ihm den Reichsadel. Sturms Studienordnung, im wesentlichen auf Melanchthons Grundsätzen erbaut, war das Vorbild für zahlreiche Schulpläne des 16. und 17. Jahrh. und hatte namentlich auch wesentlichen Einfluß auf die Ratio studiorum der Jesuiten. Vgl. Schmidt, La vie et les travaux de Jean S. (Straßb. 1855); Laas, Die Pädagogik des J. S. (Berl. 1872); Kückelhahn, J. S., Straßburgs erster Schulrektor (Leipz. 1872); Paulsen, Geschichte des gelehrten Unterrichts (das. 1885).
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Sturmbock - Sturmvogel.
3) Jakob, Kupferstecher und Naturforscher, geb. 21. März 1771 zu Nürnberg, gest. 28. Nov. 1848 daselbst, verdient durch seine ikonographischen Werke über die deutsche Flora und Fauna, nach Sturms Tod fortgesetzt von seinem Sohn Johann Wilhelm S. (geb. 19. Juli 1808, gest. 7. Jan. 1865 in Nürnberg), nämlich: "Deutschlands Flora in Abbildungen nach der Natur" (Nürnb. 1798-1855, 163 Hefte mit 2472 Tafeln; 1. Abt.: Phanerogamen, 96 Hefte, bearbeitet von Hoppe, Schreber, Sternberg, Reichenbach und Koch; 2. Abt.: Kryptogamen mit Ausschluß der Pilze, 31 Hefte, von Launer und Conde; 3. Abt.: Die Pilze, 36 Hefte, von Ditmar, Rostkovius, Conde, Preuß, Schnizlein und F. v. Strauß); "Deutschlands Fauna in Abbildungen nach der Natur" (das. 1805-57; Vögel, Amphibien, Mollusken, Käfer).
4) Julius, Lyriker, geb. 21. Juli 1816 zu Köstritz im Reußischen, studierte zu Jena Theologie und wirkte seit 1857 als Pfarrer in Köstritz, bis er 1885 mit dem Titel eines Geheimen Kirchenrats in den Ruhestand trat. Von seinen Dichtungen sind hervorzuheben: "Gedichte" (Leipz. 1850, 5. Aufl. 1882); "Fromme Lieder" (das. 1852, 11. Aufl. 1889); "Zwei Rosen oder das Hohelied der Liebe" (das. 1854); "Neue Gedichte" (das. 1856, 2. Aufl. 1880); "Neue fromme Lieder und Gedichte" (das. 1858, 3. Aufl. 1880); "Für das Haus", Liedergabe (das. 1862); "Israelitische Lieder" (3. Aufl., Halle 1881) und "Von der Pilgerfahrt" (das. 1868); ferner die neue Sammlung "Lieder und Bilder" (Leipz. 1870, 2 Tle.); "1870. Kampf- und Siegesgedichte" (Halle 1870); "Spiegel der Zeit in Fabeln" (Leipz. 1872); "Gott grüße dich" (das. 1876, 3. Aufl. 1887); "Das Buch für meine Kinder" (das. 1877, 2. Aufl. 1880); "Immergrün", neue Lieder (das. 1879, 2. Aufl. 1888); "Märchen" (das. 1881, 2. Aufl. 1887); "Aufwärts!", neue religiöse Gedichte (das. 1881); "Neues Fabelbuch" (5. Aufl., das. 1881); "Dem Herrn mein Lied", religiöse Gedichte (Brem. 1884); "Natur, Liebe, Vaterland", neue Gedichte (Leipz. 1884); "Bunte Blätter" (Wittenb. 1885); "Palme und Krone", Lieder zur Erbauung (Brem. 1887). Tief religiöser Sinn, Innigkeit der Empfindung und echt deutsche Gesinnung zeichnen die Dichtungen Sturms durchweg aus. Er gab auch die Anthologie "Hausandacht in frommen Liedern unsrer Tage" (Leipz. 1870, 5. Aufl. 1883) und unter dem Pseudonym Julius Stern die Märchensammlung "Das rote Buch" (das. 1855) heraus.