Sudan (Nigritien, Nigerland), vom arabischen áswad, "schwarz", plur.: sud, der Teil des Binnenlandes von Nordafrika, welcher im N. von der Sahara begrenzt wird, im Süden bis an den Äquator, im W. bis an den Fuß der innern Bergländer von Senegambien und Guinea, im O. bis an die zwischen Dar Fur und Kordofan liegende Wüste sowie bis an den Fuß der abessinischen Gebirge reicht und etwa 16 Breiten- und 36-40 Längengrade umfaßt (s. Karte "Ägypten etc."). S. begreift hiernach außer dem langen und breiten Thal des mittlern Nigerlaufs auch die östlich von letzterm unter gleichen Breitengraden gelegenen sowie die im Süden bis an den Äquator sich erstreckenden Länder (Bambarra, Dschinni, Haussa, Bornu, Mandara, Baghirmi, Wadai, Dar Fur etc.). Die ägyptische Geschäftssprache bezeichnet mit Sudanland (Beled es= S.) insbesondere die Länder Dar Fur, Kordofan und Senaar. Vgl. Afrika und die einzelnen Länderartikel. S. ward 1874 von den Ägyptern erobert und ägyptische Provinz. 1881 aber erhob sich der Mahdi (s. d.) im S. und riß während des Aufstandes Arabi Paschas in Ägypten die Herrschaft an sich. Ein Versuch der Ägypter unter Hicks Pascha, S. wiederzu erobern, endete mit der Vernichtung des ägyptischen Heers bei Kaschgil (3. Nov. 1883). Die Engländer schickten darauf im Januar 1884 Gordon, der ägyptischer Gouverneur Sudans gewesen war, nach S., um die Bevölkerung auf friedliche Weise wiederzugewinnen, sandten aber gleichzeitig ägyptische Truppen unter Baker Pascha nach Suakin am Roten Meer, um von hier aus in S. einzudringen. Der erste Versuch der Ägypter hatte ihre Niederlage am Teb (4. Febr. 1884) gegen Osman Digma zur Folge. Nachgesandte englische Truppen unter General Graham siegten zwar über die Aufständischen bei Teb (29. Febr.) und bei Tamanieb (13. März) über Osman Digma, doch wurde der weitere Vormarsch ins Innere aufgegeben. Gordon richtete in Chartum durch gütliche Verhandlungen nichts aus und wurde sogar von den Aufständischen eingeschlossen. Die Engländer rückten unter General Wolseley nilaufwärts vor, um ihn zu entsetzen, doch kamen sie zu spät: 26.Jan. 1885 wurde Chartum von den Anhängern des Mahdi erstürmt und Gordon getötet. Die ägyptische Regierung verzichtete nun auf die Wiedereroberung Sudans. Vgl. Nachtigal,Sahara und S. (Berl. u.Leipz. 1879-89, 3 Bde.); James, The wild tribes of the Soudan (2. Aufl., Lond. 1884); Wilson u. Felkin, Uganda und der ägyptische S. (deutsch, Stuttg. 1883); Paulitschke, Die Sudanländer (Freiburg 1884); Buchta, Der S. unter ägyptischer Herrschaft (Leipz. 1888).
Sudation (lat.), das Schwitzen; Sudatorium, Schwitzbad, Schwitzkasten.
Südaustralien, britisch-austral. Kolonie, begreift den ganzen mittlern Teil des Australkontinents (s. Karte "Australien") zwischen dem Indischen Ozean im Süden und dem Timormeer im N., dem 129.° östl. L. v. Gr. im W. (gegen Westaustralien) und Queensland, Neusüdwales und Victoria im O. und besteht aus dem 983,655 qkm (17,864 QM.) großen eigentlichen S., das vom Südlichen Ozean bis zum 26.° südl. Br. reicht, und dem 1,356,120 qkm (24,628 QM.) großen Nordterritorium nördlich davon. Über das letztere s. den betreffenden Artikel. Das eigentliche S. hat zwei tief ins Land eindringende Meereseinschnitte: den Spencergolf und den Golf St. Vincent, gebildet durch die Halbinseln Eyria, York und Kap Jervis; östlich von letzterm dringt auch die Encounterbai, in welche der Murray mündet, tiefer ein. Vor dem Vincentgolf liegt die große Känguruhinsel, die einzige bedeutendere der Küste. Vom Kap Jervis im Süden erstreckt sich nordwärts die MountLoftykette und daran anschließend die Flinderskette (aus Sandstein, Schiefer und Kalkstein bestehend) mit den höchsten Erhebungen (nicht über 1000 m) des Landes. Nur auf diesen Bergen und in deren nächster Nachbarschaft sowie in dem schönen Mount Gambierdistrikt mit ausgestorbenen Vulkanen, Basalt- und Tropfsteinhöhlen im SO. fällt hinreichender Regen, um das Land genügend für den Ackerbau zu befeuchten. Von Süden nach N. schwindet derselbe mehr und mehr, auch gegen W. und O. zu herrscht große Dürre, die Gawlerberge auf der Eyriahalbinsel sind völlig dürr und kahl. Beständig fließende Flüsse gibt es daher außer dem Murray, der die Kolonie im SO. durchfließt und vor seiner Mündung die Süßwasserseen Alexandrina und Albert bildet, gar nicht, die zahlreichen Seen (Torrens, Eyre, Frome, Gairdner u. a.) sind nur schreckliche Salzsümpfe und ihre Nachbarschaft meist traurige Wüste. Doch gibt es um den Eyresee zahlreiche zu Tage tretende Quellen in freilich unfruchtbarer Gegend, auch hat man in neuester Zeit durch Bohrungen große Waffervorräte erschlossen. Das Klima ist durchaus gesund, in Adelaide steigt die Temperatur im Januar bis
27*
420
Südbrabant - Südcarolina.
45° C. und sinkt im August bis 2° C.; Gewitter, Hagelschlag und heftige Regengüsse sind namentlich im Sommer häufig, dann machen sich auch die aus dem Innern wehenden glühenden Winde sehr zum Schaden der Vegetation bemerkbar. Die einheimische Pflanzen- und Tierwelt unterscheidet sich in nichts von denen des übrigen Australien. Die europäischen Ansiedler haben die Orange, Olive, den Pfirsich- und Feigenbaum, den Weinstock sowie Weizen, Gerste, Hafer, Kartoffeln u. a. eingeführt; namentlich zeichnet sich die Kolonie durch ihren vorzüglichen Weizen aus, der nebst Mehl Absatz in England findet, auch der Wein gewinnt jetzt dort Freunde. Von den 1,9 Mill. Hektar kultivierten Landes waren 1885 mit Wetzen bestellt 776,981 Hektar, mit Wein bepflanzt 1836 Hektar. Infolge ihrer Trockenheit eignet sich die Kolonie vornehmlich für Schafzucht; man zählte 1884: 6,696,406 Schafe, 389,726 Rinder, 168,420 Pferde und 163,807 Schweine. An Mineralien ist das Land reich. Die frühern außerordentlichen Erträge von Kupfer (Kapunda, Wallaroo, Moonta, Blinman) haben zwar sehr nachgelassen, und die Bearbeitung der Silber-, Blei- und Eisengruben hat man ganz aufgegeben; dafür findet man Wismut und Gold, letzteres in neuester Zeit in der ganzen mittlern Gebirgskette vom Süden bis zum hohen Norden. Kohle aber hat man trotz eifriger Forschungen bis jetzt nirgends entdeckt, dieselbe muß aus Newcastle und Neusüdwales eingeführt werden. Die Bevölkerung (1887: 317,446, wovon 65,199 männlich, 52,247 weiblich) ist fast ganz britisch; die Zahl der Deutschen, welche in der Hauptstadt stark vertreten sind und eine Reihe ganz deutscher Ortschaften gegründet haben, wie Hahndorf, Lobethal, Tanunda u. a., mag 30,000 betragen. Die der sehr zusammengeschmolzenen Eingeborgen (s. Tafel "Ozeanische Völker", Fig. 1 u. 2), welche man 1836 noch auf 12,000 schätzte, wurde 1881 auf 5628 ermittelt. Hinsichtlich der Religion folgen ihrer numerischen Stärke nach aufeinander: Anglikaner, Katholiken, Wesleyaner, Lutheraner, Presbyterianer etc. Die Industrie entwickelt sich kräftig; nennenswert sind die Mahlmühlen (meist mit Dampfbetrieb), Anstalten für den Bau landwirtschaftlicher Maschinen und Geräte, Gerbereien, Brauereien. Der auswärtige Handel geht zum allergrößten Teil über den Hafen der Hauptstadt, Port Adelaide, dann über Port Augusta. Ausgeführt werden namentlich Wolle (1884 für 2,6, 1887 nur für 2 Mill. Pfd. Sterl.), ferner Weizen, Mehl, Kupfer, Häute und Felle, Talg, Gerberrinde, im ganzen 1884 für 6,6, 1887 nur für 5,3 Mill. Pfd. Sterl. Die Einfuhr (1887 nur 5,1 Mill. Pfd. Sterl.) besteht in Geweben, Eisenwaren, Thee, Zucker etc. Der Tonnengehalt der in allen Häfen der Kolonie ein- und ausgelaufenen Schiffe betrug 1,677,833 Ton., die Kolonie besaß selber eine Handelsflotte von 230 Segelschiffen von 27,640 T. und 94 Dampfern von 10,890 T. Die Eisenbahnen hatten Ende 1887 eine Länge von 2272 km, die Telegraphenlinien von 8756 km. Eine große Telegraphenlinie läuft von Adelaide quer durch den Kontinent nach Port Darwin im N. zum Anschluß an ein untermeerisches Kabel, wodurch Australien in direkte Verbindung mit Europa gebracht wird; eine andre große Linie geht nach Westaustralien. Die Verfassung ist der englischen nachgebildet; dem Gouverneur steht ein verantwortliches Ministerium, Oberhaus und Unterhaus zur Seite. Die Einnahmen betrugen 1887: 2,014,102, die Ausgaben 2,145,135, die Schuld der Kolonie 19,168,500 Pfd. Sterl. Für das Schulwesen wurde in jüngster Zeit viel gethan, und der Schulbesuch ist ziemlich allgemein; die höhern Schulen sind meist Gründungen religiöser Gemeinden oder Privatanstalten. In Adelaide besteht eine Universität nach englischem Muster, öffentliche Bibliotheken sind an vielen Orten vorhanden; die Presse ist stark vertreten. Für die Verteidigung der Kolonie besteht ein Freiwilligenkorps, auch besitzt die Kolonie ein kleines Kriegsschiff. Vgl. Trollope, South Australia and West Australia (Lond. 1874); Harcus, South Australia (das. 1876); Stow, South Australia (Adelaide 1883); Jung, Der Weltteil Australien, Bd. 2 (Leipz. 1882).
Südbrabant, belg. Provinz, s. Brabant.
Sudbury (spr. ssöddberi), Stadt in der engl. Grafschaft Suffolk, am Stour, hat Seiden- und Samtweberei, Ziegelbrennerei, Malzdarren, eine Kornbörse und (1881) 6584 Einw.
Südcarolina (South Carolina, abgekürzt S. C.), einer der südlichen Staaten der nordamerikan. Union, am Atlantischen Meer zwischen Nordcarolina und Georgia gelegen, zerfällt der Bodengestaltnng nach in drei scharf geschiedene Teile: Unter-, Mittel- und Oberland. Das erstere, das sich von der See aus etwa 130 km weit landeinwärts erstreckt, ist niedrige Ebene und besteht größtenteils aus Pine Barrens, unterbrochen von Sümpfen und Savannen; es gehören zu ihm die sogen. Sea Islands, vom Festland durch Flußarme abgetrennte Inseln. Das Mittelland, in der Breite von 50-70 km, besteht hauptsächlich aus Sandhügeln; das Oberland dagegen, im W., ist ein ziemlich steil aufsteigendes romantisches Hochland, aus dem sich die Berge der Blue Ridge bis zur Höhe von 1220 m erheben. Noch 60 Proz. des Staats sind bewaldet, vorwiegend mit Föhren. Die Hauptflüsse sind: der Great Pedee (Yadkin), Santee, Ashley, Edisto und Savannah, der Grenzfluß gegen Georgia. Die mittlere Jahrestemperatur bewegt sich zwischen 15 und 20° C., und es fallen 1200-1500 mm Regen. S. hat ein Areal von 78,616 qkm (1609,4 QM.) mit (1880) 995,577 Einw., worunter 604,332 Farbige. Die Schulen wurden 1886 von 183,966 Kindern besucht; 21 Proz. der über 10 Jahre alten Weißen und 78 Proz. der Farbigen sind des Schreibens unkundig. An höhern Bildungsanstalten bestehen 9 Colleges mit 1075 Studenten. Die Landwirtschaft beschäftigt 76 Proz. der Bevölkerung, und 1,677,330 Hektar sind der Kultur gewonnen. Gebaut werden namentlich Mais, Reis (an der Küste) und Hafer, Bataten, Baumwolle (1880: 522,548 Ballen) und Zucker. An Vieh zählte man 1880: 61,000 Pferde, 67,000 Maultiere, 365,000 Rinder, 119,000 Schafe und 628,000 Schweine. Die Fischereien beschäftigten 1880: 1005 Personen mit 523 Booten. Gold wird im W. gewonnen, und auch Eisen, Kupfer und Blei kommen vor. Dagegen werden Porzellanerde, Bausteine und namentlich Phosphorite in bedeutenden Mengen gewonnen, und die Herstellung eines künstlichen Düngers aus denselben beschäftigte 1880: 9059 Arbeiter. Wichtig ist noch die Gewinnung von Teer und Terpentin (4619 Arbeiter). Sonst ist die Industrie unbedeutend, doch gab es 1880 bereits 14 Baumwollfabriken mit 2018 Arbeitern. Der Staat besitzt (1886) 227 Seeschiffe von 12,806 Ton. Gehalt und ein Eisenbahnnetz von 2772 km. Die alte Verfassung von 1775, eine der am wenigsten demokratischen, wurde 1868 durch eine neue ersetzt, durch welche den Farbigen die Rechte von Bürgern verliehen wurden. Die gesetzgebende Gewalt wird ausgeübt von einer General Assembly, welche aus einem Senat von 35 Mitgliedern und einem Repräsentantenhaus von 124 Mit-