Sutschou, eine große Stadt in der chines. Provinz Kiangsu, am Kaiserkanal, auf Inseln erbaut und von Kanälen durchschnitten, berühmt wegen der Schönheit und Intelligenz seiner Bewohner. Es ist der Sitz des chinesischen Buchhandels, namentlich in Bezug auf die massenhafte Verbreitung mittelguter Ausgaben klassischer und sonst vielgelesener Schriften. Auch standen von alters her gewisse Industrien dort in großer Blüte, wie die Anfertigung roter Lacksachen. Die Taipingrebellion hat jedoch den Wohlstand der Stadt bedeutend verringert, und das neue S. läßt sich mit dem alten nicht vergleichen. Auch eine katholische und eine evangelische Mission befinden sich daselbst.
Sutsos, Alexandros und Panagiotis, zwei hervorragende neugriech. Dichter, Neffen von Alexandros S., Fürsten der Walachei, geb. 1803 und 1806 zu Konstantinopel, wurden auf dem Gymnasium in Chios gebildet, setzten ihre Studien in Frankreich und Italien fort und lebten seit 1820 in Paris im Umgang mit Korais und andern hervorragenden Männern. Erfüllt von lebhafter Liebe zu ihrem Vaterland, aber unklar in ihren politischen Anschauungen, traten beide, besonders Alexandros, als erbitterte Gegner des Präsidenten Kapo d'Istrias und später des Königs Otto auf. Alexandros gab die Stellung eines Professors an der Universität Athen und eines Historiographen des Königreichs, die ihm nacheinander übertragen worden, auf, um sich als Misanthrop ganz von der Öffentlichkeit zurückzuziehen und als Verbannter im eignen Vaterland 1863 im Krankenhaus zu Smyrna zu sterben. Panagiotis folgte ihm 1868 zu Athen im Tod nach. Des letztern ältestes und bestes Gedicht ist "Der Wanderer" ("Hodoiporos"), ein lyrisches Drama in fünf Akten, voll von Sentimentalität und unnatürlichen Situationen, aber von großen Schönheiten der Sprache und des Versbaues. Ein mythisch-historischer Roman, "Leandros" (Nauplia 1834), schildert das Unterliegen höherer, besonders politischer, Interessen in dem Kampf mit individueller Leidenschaft. Reich an lyrischen Schönheiten ist die Tragödie "Messias" (Athen 1839); weniger bedeutend sind drei andre Dramen: "Vlachavas", "Karaiskakis" und "Der Unbekannte" (das. 1842). Auf der Höhe seines Talents steht er in seinen Oden (Hydra 1826; wiederholt als "Odes d'un jeune Grec", Par. 1828). Außerdem erschienen: erotische Lieder und politische Gedichte als Anhang zum "Wanderer" ; ein weiterer Band Gedichte unter dem Titel: "Kithara" (Athen 1835, 1851); eine Fabelsammlung (das. 1865) sowie eine (unvollständige) Gesamtausgabe der Dichtungen (das. 1851, neue Ausg. 1883). Seine puristischen Grundsätze in Bezug auf sprachliche Darstellung hat er in der Schrift "Nea schole" (Athen 1853) und in der Zeitschrift "Helios" entwickelt. Weniger ideal angelegt, aber bedeutend geistvoller als Panagiotis, begann Alexandros seine poetische Laufbahn 1824 mit satirischen Gedichten gegen die damalige Zerfahrenheit der griechischen Zustände, schrieb 1829 in Paris seine "Histoire de la révolution grecque" (deutsch, Berl. 1830) und war nach seiner Rückkehr nach Griechenland un-
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Sutti - Suworow.
erschöpflich in den bittersten Angriffen gegen Kapo d'Istrias, die in dem "Panorama tes Hellados" (Nauplia 1833, 2 Bde.) gesammelt sind. Seine weitern politischen Gedichte (1845) geben namentlich seinem Haß gegen die Bayern Ausdruck. Auch seine andern Werke verleugnen den satirischen Grundzug nicht, so besonders die Komödie "Der Verschwender" ("Asotos", 1830), mit starkem Anschluß an Molière; der politische Roman "Der Verbannte" ("Exoristos", Athen 1835; deutsch, Berl. 1837) und vor allen die nach Byrons "Childe Harold" gearbeitete Dichtung "Der Umherschweifende" ("Periplanomenos", 4 Gesänge, Athen 1839-52). Vgl. über Alexandros S. Queux de Saint-Hilaire im "Annuaire pour l'encouragement des études grecques" (Par. 1874).
Sutti (Satti), in Indien Bezeichnung einer Witwe, die sich mit der Leiche ihres Gatten verbrennen läßt. Der Gebrauch ist den ältesten heiligen Schriften der Inder fremd, obwohl die Brahmanen, als die englische Regierung 1830 diesen Gebrauch verbot, denselben durch Fälschung einer Stelle des Rigweda zu verteidigen suchten. Die Witwenverbrennung kommt nur noch selten in Vasallenstaaten vor. Vgl. H. Wilson in "Miscellaneous essays etc." (Lond. 1862); I. Bushby, Über die Witwenverbrennung (das. 1855); M. Müller, Essays (Bd. 2, S. 30 ff.).
Sutton in Ashfield (spr. ssött'n in äschfild), Stadt in Nottinghamshire (England), 4 km südwestlich von Mansfield (s. d. 1), mit Strumpfwirkerei, Kohlengruben und (1881) 8523 Einw.
Sutura (lat.), Naht, Knochennaht.
Suum cuique (lat.), "jedem das Seine", Devise des preuß. Schwarzen Adlerordens.
Süvern, Johann Wilhelm, Philolog und einflußreicher preuß. Schulmann, geb. 1775 zu Lemgo, Schüler F. A. Wolfs und Fichtes, dann Mitglied des Gedikeschen Seminars für Gelehrtenschulen und Lehrer am Köllnischen Gymnasium zu Berlin, 1800-1803 Rektor des Gymnasiums zu Thorn, 1804-1807 in gleicher Eigenschaft zu Elbing, dann Professor der Philologie in Königsberg, wo er namentlich mit Herbart in Verkehr stand. 1809 trat S. als Referent in die Unterrichtssektion des preußischen Ministeriums ein und gehörte seit 1817 dem neugebildeten Kultusministerium als Geheimer Staatsrat und Mitdirektor an. Er starb 2. Okt. 1829 in Berlin. An der einheitlichen Organisation des preußischen Schulwesens, namentlich des höhern, nach dem Frieden von Tilsit und nach den Freiheitskriegen hat S. wesentlichen Anteil. Er ist der Verfasser des Reglements für die wissenschaftliche Lehramtsprüfung von 1810, der Reifeprüfungsordnung von 1812 sowie des Normallehrplans für die preußischen Gymnasien von 1816, den er bereits 1811 ausgearbeitet hatte. Unter seinem Vorsitz entstand durch Kommissionsberatungen das Unterrichtsgesetz von 1817, das jedoch wie der Normallehrplan Entwurf blieb. Auch lieferte er Ausgaben und Übersetzungen von Äschylos, Sophokles, Aristophanes und geschätzte Abhandlungen über die dramatische Kunst der Griechen, z. B. über Aristophanes.