Swatau (Schateu), dem europäischen Handel seit 1869 geöffnete Handelsstadt in der chines. Provinz Kuangtung, an der Mündung des Han in die Fukienstraße, Sitz eines deutschen Konsuls, einer katholischen und evangelischen Mission, mit etwa 30,000 Einw.
Swatopluk (Zwentibold), Herzog von Mähren, kam zur Herrschaft über dieses Land, nachdem er seinen Oheim Rastislaw gefangen genommen und dem ostfränkischen König Ludwig dem Deutschen ausgeausiefert hatte, und sicherte sich 871 durch einen verräterischen Überfall des bayrischen Heers, welches vernichtet wurde, seine Unabhängigkeit. Er breitete nun sein Reich nach allen Seiten hin aus. Den Plan seines Oheims Rastislaw, mit Hilfe des Methodius ein von Deutschland unabhängiges slowenisches Kirchenwesen in Mähren zu begründen, gab er später preis, indem er nach Methodius' Tod sich wieder der bayrischen Kirche zuwandte. Er starb 894, und nach seinem Tod ging sein Reich zu Grunde.
Sweaborg, Festung im finn. Gouvernement Nyland, am Finnischen Meerbusen, 5 km südlich von Helsingförs, dessen Hafen sie deckt, seit 1749 von dem schwedischen Feldmarschall Grafen A. Ehrenswärd erbaut, liegt auf sieben Felseninseln, hat ein Zeughaus, bombenfeste Magazine, 2 Schiffsdocks, Werften, ein Monument des Grafen Ehrenswärd etc. und ohne die Garnison ca. 1000 Einw. - Am 7. April 1808 ging die Festung durch verräterische Kapitulation des schwedischen Kommandanten, Admirals Cronstedt, an die Russen über. Während des Krimkriegs wurde S. von der englisch-französischen Flotte 8.-11. Aug. 1855 bombardiert und niedergebrannt.
Sweater (engl., spr. sswetter, "Schwitzer"), in England Bezeichnung der Vermittler, welche Arbeiten von größern Unternehmern übernehmen und dieselben unmittelbar an Arbeiter gegen Lohn vergeben, um aus deren Schweiß (daher Sweating-System) einen Gewinn herauszuschlagen. Der Ausdruck wird besonders von Schneidern gebraucht, welche selbständig für große Magazine arbeiten.
Swedenborg (eigentlich Swedberg), Emanuel von, schwed. Gelehrter und Theosoph, geb. 29. Jan. 1688 zu Stockholm, Sohn Jesper Swedbergs, Bischofs von Westgotland, studierte zu Upsala Philologie und Philosophie, Mathematik und Naturwissenschaften, daneben auch Theologie, bereiste 1710-14 England, Holland, Frankreich und Deutschland und ward 1716 Assessor des Bergwerkskollegiums zu Stockholm, in welcher Stellung er sich durch mechanische Erfindungen hervorthat. Zur Belagerung von Frederikshall schaffte er 1718 sieben Schiffe mittels Rollen fünf Stunden weit über Berg und Thal. Dies sowie seine Schriften über Algebra, Wert der Münzen, Planetenlauf, Ebbe und Flut etc. hatten zur Folge, daß die Königin Ulrike ihn 1719 unter dem Namen S. adelte. In den folgenden Jahren bereiste er die schwedischen, sächsischen sowie später auch die böhmischen und österreichischen Bergwerke. Seine "Opera philosophica et mineralogica" (1734, 3 Bde. mit 155 Kupferstichen) gaben auf der Grundlage ausgedehnter Studien über Gegenstände der Naturwissenschaft und der angewandten Mathematik ein System der Natur, dessen Mittelpunkt die Idee eines notendigen mechanischen und organischen Zusammenhangs aller Dinge ist. Nach neuen Reisen (1736-1740) durch Deutschland, Holland, Frankreich, Italien und England wendete er sein Natursystem in den Schriften: "Oeconomia regni animalis" (Lond. 1740-41), "Regnum animale" (Bd. 1 u. 2, Haag 1744; Bd. 3, Lond. 1745) und "De cultu et amore
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Sweepstake - Swieten
Dei" (das. 1740, 2 Bde.) auch auf die belebte Schöpfung, namentlich den Menschen, an. Aber schon das letztgenannte Werk war nicht mehr streng wissenschaftlich gehalten, wie sich denn S. von jetzt an ausschließlich theosophischen Studien hingab, um sich für seinen, wie er behauptete, von Gott selbst ihm eingegebenen Beruf vorzubereiten, der in nichts Geringerm bestand als in der Gründung der Neuen Kirche, wie sie in der Offenbarung St. Johannis verheißen ist. S. glaubte diese Mission zu erfüllen, indem er das Wort Gottes in der (nach seinem Sinn) wahren Bedeutung auslegte, ein vollständiges System einer neuen Religionslehre aufstellte und die Natur des Geisterreichs und dessen Zusammenhang mit der Menschenwelt in seltsamen Visionen enthüllte, von denen mehrere die Aufmerksamkeit Kants erregten und denselben veranlaßten, S. in seinen "Träumen eines Geistersehers" (1766) für einen "Schwärmer" zu erklären (vgl. Rob. Zimmermann, Kant und der Spiritismus, Wien 1879). Die hauptsächlichsten Werke, welche diese Lehre behandelten, waren: "Arcana coelestia" (Lond. 1749-56, 8 Bde.; hrsg. von Tafel, Tübing. 1833-42, 13 Bde.; deutsch, das. 1842-70, 16 Bde.); "De coelo et inferno" (Lond. 1758; deutsch von Tafel, 3. Aufl., Tübing. 1873); "De nova Hierosolyma et ejus doctrina" (Lond. 1758; deutsch von Tafel, Tübing. 1860); "Apocalypsis explicata" (Lond. 1761; deutsch von Tafel, Tübing. 1824-31, 4 Bde.) und "Vera christiana religio" (Lond. 1771; hrsg. von Tafel, Stuttg. 1857; deutsch von demselben, Tübing. 1855-58, 3 Bde.). Um seinen religiösen Bestrebungen ungestört leben zu können, hatte er schon 1747 seine amtliche Stellung aufgegeben, bezog jedoch eine königliche Pension. Während einer Reise, welche er 1771 im Interesse seiner Lehre unternommen hatte, erkrankte er in London und starb daselbst 29. März 1772. Die Zahl seiner Anhänger (Swedenborgianer) nahm langsam zu; sie verbreiteten sich, wenn auch nur sporadisch, über Schweden, Polen, England und Deutschland; am meisten faßte die "neue Kirche" oder das "neue Jerusalem" (New Jerusalem church) in England festen Fuß, wo es jetzt 50 Gemeinden geben mag, sowie in der neuern Zeit auch in Nordamerika. Vgl. Richer, La nouvelle Jerusalem (Par. 1832-35, 8 Bde.); Tafel, Sammlung von Urkunden über Swedenborgs Leben und Charakter (Tübing. 1839-42, 3 Bdchn.) ; Derselbe, Abriß von Swedenborgs Leben (das. 1845); die Biographien von Schaarschmidt (Elberf. 1862), Matter (Par. 1863) und White (2. Aufl., Lond. 1874), die anonyme Schrift "E. Swedenborgs Leben und Lehre" (Frankf. 1880); Potts, S. Concordance (Lond. 1889, Bd. 1).