Szemere (spr. ssé-), Bartholomäus, ungar. Staatsmann und Schriftsteller, geb. 27. Aug. 1812 zu Vatta im Borsoder Komitat, studierte in Preßburg, praktizierte darauf im Borsoder Komitat als Advokat, ward
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Szene - Szilagy.
1842 zum Oberstuhlrichter, 1846 zum Vizegespan in Borsod und von demselben Komitat als Deputierter in den Reichstag gewählt. Er erwies sich hier als eins der thätigsten Mitglieder der Partei des Fortschritts und bearbeitete als Reichstagsschriftführer eine Reihe der wichtigsten Gesetzentwürfe. Im März 1848 im Ministerium Batthyányi mit dem Portefeuille des Innern betraut, entschied er sich mit Kossuth für entschlossene Revolution, übernahm nach dem Rücktritt des Ministeriums mit jenem die provisorische Leitung der Landesangelegenheiten und trat auch in den Landesverteidigungsausschuß ein. Im Dezember 1848 als Reichskommissar nach Oberungarn delegiert, bildete er hier ein Guerillakorps zur Abwehr des eingefallenen Schlikschen Korps. Nach der Unabhängigkeitserklärung (14. April 1849) übernahm er das Präsidium des neuen Kabinetts und floh, nachdem Görgei die Waffen gestreckt, nach Konstantinopel, machte dann eine Reise nach Griechenland und ließ sich hierauf in Paris nieder. Hier veröffentlichte er die vornehmlich gegen Kossuth gerichteten Charakteristiken: "Ludwig Batthyanyi, A. Görgei und L. Kossuth" (Hamb. 1851). 1865 kehrte er, gebrochen an Leib und Seele, in die Heimat zurück und starb 18. Jan. 1869 in einer Privatirrenanstalt zu Ofen. Seine gesammelten Schriften sind 1869 in Pest erschienen.
Szene (griech.), der Platz im Schauspielhaus, wo das Stück gespielt wird, die Bühne; dann auch der Ort und das Land, wo die Handlung vorgeht; auch s. v. w. Auftritt (f. d.). Ein Stück in S. setzen, s. v. w. es zur theatralischen Aufführung vorbereiten, fertig machen. Szenerie, das auf der S. oder Bühne vermittelst der Dekorationen etc. dargestellte Bild; allgemeiner s. v. w. Landschaftsbild, Gegend.
Szenische Spiele (Ludi scenici), bei den Römern Spiele, welche auf einer Schaubühne (scena), der Sage nach seit der Pest von 361 v. Chr., aufgeführt wurden und anfangs nur in Tanz mit Flötenbegleitung, ohne Beimischung von Gesang und Mimik, die erst später hinzukam, bestanden; vgl. Komödie.
Szent (ungar., spr. ssent), s. v. w. Sankt.
Szeut-Endre (spr. ssent-. Sankt-Andrä), Stadt im ungar. Komitat Pest, am rechten Donauufer, 15 km nördlich von Ofen, Sitz des Ofener griechisch-orientalischen Bischofs, mit vielen Kirchen, (1881) 4229 deutschen, serbischen und ungar. Einwohnern, Weinbau und Bezirksgericht. S. heißt auch eine schmale Donauinsel, welche sich von Waitzen bis gegen Budapest erstreckt und mehrere Dörfer enthält.
Szentes (spr. ssénntesch), Stadt im ungar. Komitat Csongrád, liegt an der Kurcza unfern der Theiß und hat mehrere Kirchen, (1881) 28,712 Einw., starken Weinbau und ein Bezirksgericht.
Szent-Miklós (spr. ssent-miklösch), Name mehrerer Orte in Ungarn: 1) Gyergyó-S. (s. d.), Markt im Komitat Csik. - 2) Kún-S. (s. d.), Markt im Komitat Pest. - 3) Liptó-S. (s. d.), Markt im Komitat Liptau. - 4) Nagy-S. (s. d.), Markt im Komitat Torontál. - 5) Török-S., Markt im Komitat Iasz-Nagy-Kun-Szolnok, an der Ungarischen Staatsbahn, mit (1881) 16,046 ungar. Einwohnern.