Tezel, Johann, berüchtigter Ablaßkrämer, geboren um 1455 zu Leipzig, trat 1489 in den Dominikanerorden und trieb sodann 15 Jahre lang den Ablaßhandel auf die unverschämteste Weise. Zu Innsbruck wegen Ehebruch zum Tod mittels Ersäufens verurteilt, ward er auf Verwenden des Erzbischofs Albrecht von Mainz wieder auf freien Fuß gesetzt. Er holte sich in Rom Ablaß und ward sogar zum apostolischen Kommissar ernannt. Jetzt nahm er als Unterkommissar des Erzbischofs Albrecht von Mainz seinen Ablaßhandel besonders in Sachsen wieder auf und hielt eine reiche Ernte, bis Luther 31. Okt. 1517 in seinen Thesen gegen dies Unwesen auftrat. T. wurde hierauf 1518 zu Frankfurt a. O. Doktor der Theologie und starb im August 1519 in Leipzig an der Pest. Sein Leben beschrieben Hofmann (Leipz. 1844), Körner (Frankenb. 1880); katholischerseits: Gröne ("T. und Luther", 2. Aufl., Soest 1860) und Hermann (2. Aufl., Frankf. 1883). Vgl. Kayser, Geschichtsquellen über T. (Annab. 1877).

Th, th, in sprachwissenschaftlicher Hinsicht, s. "T".

Th, in der Chemie Zeichen für Thorium.

Thaarup, Thomas, dän. Dichter, geb. 21. Aug. 1749 zu Kopenhagen, war von 1794 an eine Zeitlang Mitglied der Theaterdirektion und starb als Privatgelehrter 11. Juli 1821 auf dem Gut Smidstrup unfern Hirschholm. T. ist namentlich als Verfasser der kleinen dramatischen Idylle: "Høstgildet" ("Das Erntefest") und "Peders Bryllup" ("Peters Hochzeit") bekannt, die durch ihren einfachen heimischen Ton und ihre anmutigen, stimmungsvollen Gesänge ungemein ansprachen; besonders diese letztern erfreuten sich der weitesten Verbreitung und sind zum Teil Volkslieder geworden. Seine Schriften gab Rahbek ("Efterladte poetiske Skrifter", Kopenh. 1822), eine Auswahl seiner Gedichte mit Biographie Nygaard (das. 1878) heraus.

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Thabur - Thaleia.

Thabur (türk.), s. Tabor.

Thackeray (spr. thäckere), 1) William Makepeace, berühmter engl. Romandichter, geb. 12. Aug. 1811 zu Kalkutta als Sohn eines Beamten der Ostindischen Kompanie, ward im Charter House zu London erzogen, studierte in Cambridge, bereiste den Kontinent, wo er sich unter anderm in Weimar aufhielt (1830-31), und widmete sich nach pekuniären Verlusten der Schriftstellerei. Unter dem Namen Michael Angelo Titmarsh und George Fitzboodle, Esq., lieferte er zunächst Beiträge zu "Fraser's Magazine", unter denen besonders die Erzählungen: "Barry Lyndon" und "The adventures of an Irish fortune-hunter" Beachtung verdienen. Als Titmarsh veröffentlichte er ferner die von ihm selbst illustrierten Werke: "The Paris sketch-book" (1840), "The chronicle of the Drum "(1841), "The Irish sketch-book" (1843) sowie die Reisebeschreibung "Notes of a journey from Cornhill to Grand Cairo" (1846). Doch erst "Vanity Fair" (1847), seine originellste Schöpfung, machte ihn berühmt: hier zeigt er sich als vollendeten Satiriker und bedeutenden Novellisten. Es folgten: "Our street" (1848); "Dr. Birch and his young friends" (1849); "Pendennis" (1849-1850), im Plan "Vanity Fair" nicht ebenbürtig, doch gleich ausgezeichnet durch Humor und Charakterzeichnung, und "The Kickleburys on the Rhine" (1851). Um diese Zeit begann er, erst in England, dann in Schottland und Amerika, öffentliche Vorlesungen zu halten, zunächst über "The English humourists of the eighteenth century", sodann über "The four Georges". Seinem Studium der Humoristen entsproß der Roman "Esmond" (1852), eine der besten Schilderungen der Zeit der Königin Anna; besonders wertvoll sind: "The Newcomes" (1855), worin der Ernst und die Herzlichkeit Thackerays ganz besonders hervortreten, und "The Virginians" (1857), ein Seitenstück zu "Esmond". 1860 übernahm er die Herausgabe des "Cornhill Magazine", zu dem er die Erzählungen: "The adventures of Philip", "Lovell the widower" und eine kleine monatliche Skizze, die "Round-about papers", lieferte. T. starb 24. Dez. 1863. Gesammelt erschienen seine Werke zuletzt 1887 in 24 Bänden, in illustrierter Prachtausgabe London 1879 ff., sein Briefwechsel 1887. Vgl. Hannay, Memoir of T. (Edinb. 1864); Trollope, T. (Lond. 1879; deutsch von Katscher, Leipz. 1880); Conrad, W. M. Thackeray (Berl. 1887).

2) Anna Isabella, Tochter des vorigen, ebenfalls Schriftstellerin, s. Ritchie.

Thaddädl, stehende komische Figur in alten Wiener Volksdramen, Seitenstück zum Kasperle u. dgl. Hauptvertreter derselben war der Komiker Anton Hasenhut (gest. 1841).