Ausflüge von Amoy (Überfahrt mit Sampan von Kulangsu; man nehme Führer vom Hotel mit, nach der Landungsstelle bei der Asiatic Petroleum Co.) zum Weißen Hirsch-und Tigertempel in schöner Landschaft, in 1 St. auf gutem Weg mit Ausblick auf Stadt und Hafen.—Unterhalb des Tigertempels lag der Wackelstein, ein schwerer, früher beweglicher (jetzt umgeworfener) Felsen.—Beim Rennplatz, vom Seeräuberkönig Koxinga (der Mitte des 17. Jahrh. die Holländer aus Formosa verdrängte) angelegt, liegt der Lamputan-Tempel. Vor dem Tempel stehen von Schildkröten getragene Grabsteine berühmter Chinesen; hinter dem Tempel ein Park mit Grotten. Im Innern des Tempels stehen in der großen Vorhalle vier riesige Holzbildwerke, r. ein Lautenspieler, daneben ein Krieger in goldenem Panzer, gegenüber zwei andre Tempelwächter, von denen einer eine Schlange erdrückt, der andre eine Pagode in der Hand hält. Im Heiligtum steigt man eine Treppe hinauf in eine Halle, wo ein milder Buddha einer goldenen Lotosblume entsteigt, ihm zur Seite betende Gestalten. An den Wänden stehen hinter Glas Götzenbilder. Auf der Bergkuppe oberhalb des Tempels *Aussicht.
Lohnend ist auch ein Ausflug etwa 20 Seem. flußaufwärts zu der 330 m langen, aus gigantischen Steinblöcken erbauten Brücke, deren Bau ein technisches Wunder darstellt.
Ferner zu empfehlen eine Fahrt auf der zum Teil schon im Betriebe befindlichen Bahnlinie von Amoy nach der großen Binnenstadt Tschangtschoufu.
Die Küstenfahrt von Amoy nordwärts führt an der Westseite der Formosastraße (S. [245]) zwischen vielen Inseln und durch die Haitanstraße (innerhalb der großen Insel Haitan) zur Mündung des Minflusses. Die Einsteuerung in den Fluß ist sehr schwierig und geht über zwei Barren zur Pagodenreede (Pagoda Anchorage), wo eine siebenstöckige Pagode auf der Insel Losing steht; am Westende der Insel chinesische Marinewerft mit Trockendock. Die Ufer sind sehr malerisch und von hohen steilen Felskuppen begleitet; hohe Berge bilden das Nordufer. Nachdem der Dampfer geankert, fahren die Reisenden mit einer Dampfbarkasse in 2 St. flußaufwärts nach
(510 Seem.) Futschou (Brockett's Hotel; W. Brand's Boarding House, für längern Aufenthalt zu empfehlen, in der Fremdenniederlassung auf der Insel Nantai, wo das Dampfboot anlegt; Foochow Club; Hongkong & Shanghai Bank, Chartered Bank of India [beide Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft, letztere auch der Deutschen Bank in Berlin]; Deutsches Konsulat [Konsul G. Siemssen]), engl. Foochow (in der Volkssprache Hoktschiu), Hauptstadt der chines. Provinz Fokiën, am l. Ufer des schiffbaren Minflusses, 32 km von dessen Mündung, von malerischen Hügeln umgeben, in fruchtbarer Ebene, eingeschlossen von 9 m hohen, 4-7 m dicken Mauern, auf unebenem Boden unregelmäßig, aber typisch »chinesisch« erbaut, hat 630000 Einw., wovon 10000 Mandschu, die ein ummauertes Viertel bewohnen, und 200 Europäer (18 Deutsche) in der Vorstadt Nantai in schönen Villen mit Gärten auf dem r. Ufer. Die Vorstädte ziehen sich bis an den Fluß, der eng besetzt ist mit schwimmenden Wohnungen; über ihn führt eine 301 m lange Brücke (die »Brücke der 10000 Lebensalter«), die längste in China, die auf 40 Pfeilern mit bis 14 m langen Steinplatten ruht. Futschou ist Sitz des Vizekönigs von Mintsche (Fokiën und Tschekiang), des Gouverneurs von Fokiën und des Oberbefehlshabers der Mandschutruppen; es hat große Bauwerften für Dschunken, Fabriken für Seiden-und Baumwollengewebe und Papier, auch ein deutsches Dampfsägewerk, und ist seit langem nächst Hankau der erste Teemarkt Chinas für die Ausfuhr. Für Einkäufe zu beachten: Seifenstein-Kunstgewerbe, gute und sehr originelle Lacksachen, künstliche Blumen, Schnitzereien aus Teeholzwurzeln, Silbersachen. Ferner werden Papier und Holz aus-, Opium, Baumwolle, Wollwaren, Garne, Metalle, Kerosen eingeführt. Zwei Dampferlinien laufen zweimal wöchentl. nach Hongkong.— Futschou wurde 1842 dem Fremdenhandel geöffnet; 1884 wurde hier eine Abteilung der chinesischen Flotte durch französische Kriegsschiffe vernichtet. In der Teezeit (Juni bis November) legen die von Ostasien zurückkehrenden Reichspostdampfer in Futschou an.— Rundgang nur in Sänfte ausführbar (vgl. Kanton, S. [225]), auch des Schmutzes wegen. Über die Brücke (auf ihr kann man den Fischereibetrieb mit Kormoranen beobachten) gelangt man durch die Südvorstadt, vorbei an den Niederlassungen der amerikanischen, Methodisten- und Dommikanermissionen, durch das Südtor in die Stadt. Dicht innerhalb des Tores liegt r. der Tempel des Kungfutsze (Tempel der Literatur), dahinter in der SO.-Ecke der Stadt das Mandschuviertel. —An der mittlern Hauptstraße, die vom Südtor zum Nordtor führt, liegen der Yamen des Vizekönigs und andre Paläste.— Nahe dem Westtore liegt der Tempel des Kaisers, im nördl. Stadtviertel ist eine Prüfungshalle für Beamte und in deren Nähe ein Tempel der Schutzgötter der Stadtmauern. Von der nördl. Stadtmauer, nahe der siebenstöckigen roten Pagode, hat man guten Überblick über die Stadt. Interessanter *Rundgang auf der Stadtmauer um die Stadt (6-8 St.).—Der Garten des deutschen Konsulats am Siemssen-Bund mit schönen Orchideen ist Reisenden gern geöffnet. Futschou nebst Umgegend bietet vielerlei Lohnendes für eine Woche Aufenthalt. Das Klima ist gesund; Taifune sind selten.
Ausflüge: 1) Nach dem Kuschan und nach Kuliang, Sommerfrische der Europäer im schönsten Hochwald mit 20° C im Sommer; erfordert 1 Tag. Man fährt mit Sampan oder Hausboot flußabwärts, landet am l. Ufer und steigt auf bequemem Weg (etwa 3000 Stufen) bergan zum buddhistischen Mönchskloster (in halber Berghöhe, in 1 St. zu erreichen), das über 200 Mönche aus allen Gegenden Chinas beherbergt. Im Kloster herrscht überraschende Sauberkeit; man sieht praktisch-moderne große Speisesäle und Küchenanlagen mit Wasserleitung, Kesseln u. Backöfen. Im Haupttempel thront Fo (Buddha) auf großem Altar, umgeben von vielen Untergöttern. Tierstallungen und Fischteich liegen neben dem Kloster. (Man gebe dem führenden Mönch ein Geldgeschenk.)—Vom Kloster Aufstieg auf schmalem Fußweg auf die Höhe des Kuschan, wo die Wohnhäuser der europäischen Sommerfrischler liegen. Auf dem Bergkamm prächtige *Aussichten. Der 885 m hohe Gipfel des Kuschan hat im Februar zuweilen eine Schneekappe.— 2) Zum Leitschikloster (Kloster der Lehre vom alten Stein des Westens), nahe beim Nordende der Insel Nantai, im 9. Jahrh. vom heiligen Tukma gegründet; es liegt nahe dem Minfluß in uraltem Park, umgeben von Bergen. Das Heiligtum hat sehr viele Statuen. —3) Dreitägiger Ausflug den Nebenfluß Jungfu aufwärts, der bei der Mitte der Südseite der Insel Nantai in den Min mündet; malerisch bewaldete Ufer mit Wasserfall, Bambuswald und heißen Quellen; man besuche das *Yungfu-(Yuenfu-)Kloster, den Bambu Creek, die Schwefelquellen (Pokau) und steige bergauf bis *Banker's Glen.—4) Lohnende Ausflüge können mit Hausbooten oder Dampfbarkassen gemacht werden, aufwärts bis Schuikou (Shuikow), Stadt 40 Seem. oberhalb Futschou am Zusammenfluß des Minkiang und Hsiangki.
Auf der Küstenfahrt werden nördl. von Futschou zuweilen die unbedeutenden Vertragshäfen Santuao (8000 Einw.) in der Samsabucht, 10 km östl. von der größern Stadt Ningteh, und Wentschou (Wenchowfu; 80000 Einw.) angelaufen; Wentschou am Wukiang, einem Fluß, der durch den Sanpwan-Paß zwischen Inseln angesteuert wird; die Stadt zeichnet sich durch Sauberkeit aus, ist aber geschäftlich still.—Dann steuern die Küstendampfer durch den Nimrodsund in den landschaftlich schönen Tschusanarchipel am SO.-Ende der großen Hangtschoubucht hinein, laufen zuweilen den Ankerplatz von Tinghai auf der Hauptinsel an und dampfen von da in die Mündung des Yungflusses, wo sie je nach dem Wasserstand vor der befestigten Hafenstadt Tschinhai (mit 26000 Einw.) ankern oder weiterlaufen bis zum Hafen von
Ningpo, Stadt mit 400000 Einw. in der Provinz Tschekiang, auf 29° 53' nördl. Br., ist Sitz eines Taotai (etwa Regierungspräsident). Die Bewohner sind fleißig, klug und friedlich, die Straßen reinlich. Zahlreiche Tempel, buddhistische Mönchs-und Nonnenklöster, Erziehungsanstalten und Versammlungshäuser. Die Chinesenstadt liegt auf der Halbinsel zwischen den Flüssen Yujao und Funghwa, die zusammen den Yung bilden. Über beide Flüsse führen Schiffbrücken. Die Fremdenniederlassung (Gasthof; Campoklub; britisches Konsulat; Dampfer nach Tschinhai, Schanghai zweimal tägl. etc.) liegt nö. von der Chinesenstadt auf der Halbinsel zwischen dem Yungfluß und dem Yujao. Ningpo war 1522-42 portugiesische Niederlassung und wurde 1842 dem Fremdhandel als erster Hafen eröffnet. Klima wie Schanghai, doch gesünder. Einfuhr: Woll-und Baumwollwaren, Opium, getrocknete Früchte; Ausfuhr: Tee, Baumwolle, Seidenwaren, Matten, Hüte, Fächer, getrocknete Fische (Tintenfische). Lebhafter Dampferverkehr.—Rundgang. Die 860-873 erbaute Stadtmauer ist 8 m hoch, 5 m breit und hat 8 Tore. Das älteste Bauwerk ist der im 9. Jahrh. erbaute sechseckige, siebenstöckige Himmelsturm (Tienfengta), auf dessen Plattform eine Wendeltreppe mit 150 Stufen führt. Aus dem 12. Jahrh. stammt der Tempel der Himmelskönigin (Tiengheukong), ein Heiligtum der Seefahrer; er zeigt sehr schöne Skulpturen.
Von Ningpo gehen die Küstendampfer nördl. durch die Hangtschou-Bai und folgen dem Dampferweg zur Yangtsemündung nach Wusung und (930 Seem.) Schanghai (S. [246]).