Die Flußfahrt aufwärts führt an der Fasaneninsel vorbei, wo im Herbst gute Jagd ist, und weiterhin an der Stadt Taiping, am r. Ufer, schon von weitem an einer siebenstöckigen Pagode zu erkennen; die Stadt war der Herd des großen, nach ihr benannten Aufstandes (1852-64) der christenfreundlichen Chinesen gegen die Tsing-Dynastie, ihre Mauern sind 810 erbaut.—Dann folgt
(413 km) Wuhu, Stadt mit 129000 Einw., 1 km landeinwärts, mit Mauern umgeben, am r. Ufer des Yangtse, Vertragshafen seit 1877, als Handelsplatz wichtig, weil es durch Wasserwege mit großen Handelsstädten, besonders mit dem Teestapelplatz Taipinhsien, ferner mit den wichtigen Seidenhandelsplätzen Nanling und Kinghsien sowie mit Ningkuofu verbunden ist. Einfuhr: Opium und Baumwollwaren; Ausfuhr: Seidengewebe, Tee und Steinkohlen, vor allem aber Reis, der in riesigen Mengen verfrachtet wird. Die europäische Niederlassung liegt auf Hügeln unterhalb der Chinesenstadt, bisher nur von der amerikanischen Methodistenmission besiedelt. Agentur der deutschen Firma Arnhold, Karberg & Co. ist in Wuhu. Wuhu hat elektrische Beleuchtung. Eisenbahn von Wuhu nach Kuangtetschou ist im Bau und soll bis Hangtschou (S. [252]) weitergeführt werden.
Oberhalb Wuhu wird das Flußbett enger, das l. Ufer zeigt hohe Berge. Etwa 3 km unterhalb (512 km) Tatung (Dampferstat.), Stadt am r. Ufer, steht die auffällige Pagode Kiangschanki auf 30 m hohem, überhängendem Steilufer.—Weiter oberhalb am l. Ufer (588 km) Nganking (Ankingfu), Hauptstadt der Provinz Anhui, von großen Mauern umgeben, mit 40000 Einw. und einer der schönsten siebenstöckigen Pagoden Chinas; obgleich nicht Vertragshafen, dürfen die Dampfer doch anlegen sowie Reisende und Güter aus-und einschiffen. —16 km nnö. von Nganking, beim Dorfe Huoschangkiao, liegt eine berühmte Pagode am Eingang einer Tropfsteinhöhle. Die Gebirge der Umgegend sind reich an landschaftlicher Schönheit, besonders im Frühjahr, wenn die Azaleen, Rhododendren und Glycinen blühen; im Herbst und Winter Jagdausflüge auf Fasanen, Enten, Gänse, Hasen, Ziegen, Füchse und Panther.—Weiter flußaufwärts zeigt die mit Mauern umgebene Stadt Tungliu am r. Ufer zwei siebenstöckige Pagoden, davon eine auf einem Hügel.—Die malerischste Stelle des untern Yangtse ist bei *Siaukuschan (»kleiner Waisenknabe«), einer 90 m hohen Granitinsel mit großen Tempelanlagen, Laubwald und einer Pagode auf dem Gipfel; gegenüber, am r. Ufer, liegt der 200 m hohe Kingtseschan (»Spiegelberg«), von dem ein 30 m hoher Granitfels in das Strombett vorspringt. Etwa 3 km oberhalb Siaukuschan am r. Ufer auf schroffem Felshang die befestigte Stadt Pengtse, der Stammort der Familie Lihungtschangs.—An der Mündung des Poyangsees, dessen Zuflüsse in die reiche Provinz Kiangsi führen, liegt die befestigte Stadt (714 km) Hukau mit 10000 Einw.; sw. von ihr sieht man 1400 m hohe Berge. Reis, Weizen, Seide, Baumwolle, Indigo, Tee und Zucker werden in Menge mit Dschunken aus dem Poyangsee zum Yangtse, meist nach Kiukiang, verschifft. —24 km oberhalb Hukau am r. Yangtseufer liegt
(738 km) Kiukiang, Stadt mit 36000 Einw., Vertragshafen seit 1862, vor dem Taipingaufstand sehr reich. Die Fremdenniederlassung mit etwa 100 Europäern (britisches Konsulat, Missionen) liegt oberhalb der Chinesenstadt, deren Mauer am Yangtseufer 0,5 km lang ist. Russische Ziegelteefabrik. In der Chinesenstadt gute Silberschmiede, die hübsche Sachen in chinesischem und europäischem Geschmack anfertigen (Adresse auf dem Flußdampfer zu erfahren). Hauptausfuhr: Porzellan der kaiserlichen Manufaktur in Tschingtetschen, Kiungtschau-Teesorten. In der Nähe liegt Kuling, eine von Missionaren gegründete europäische Sommerfrische (über 900 m hoch) mit etwa 130 Häusern und Telegraph, mit Sänften zu erreichen. Regelmäßige Verbindung mit Dampfbarkassen durch den Poyangsee und den Kankiang nach Nantschang (P und T, Missionen), der Hauptstadt der Provinz Kiangsi. Eisenbahn Kiukiang-Nantschang im Bau. Von hier wichtige Straße des Eingebornenhandels auf dem für Boote schiffbaren Kankiang aufwärts bis fast zur Quelle, über einen niedrigen Paß (Meiling; 300 m) herüber zu einem schiffbaren Nebenfluß des Peikiang und diesen abwärts nach Kanton (S. [225]).—Oberhalb Kiukiang liegt am l. Ufer die Stadt (779 km) Wusüeh, Dampferstat.; etwa 13 km weiter erreicht man das Eiserne Tor des Yangtse, Pwanpienschan, wo bewaldete Berge das Strombett einengen; die Enge ist beiderseits stark befestigt.—Sehr schön ist auch die Strecke zwischen den Städten Kitschou und Schiwuiyao (Ausfuhrhafen der Eisenerze der von Deutschen angelegten Staatsbergwerke von Tiehschanpu und der Kohlengruben in Huangsanschi). —Bei der Stadt Wutschang am r. Ufer liegen die Sischanhügel, während gegenüber bis zu der mit Mauern umgebenen, an Hügeln gelegenen Stadt Huangtschoufu, Dampferstat., das Ufer flach ist. Die letzte Strecke bietet nichts Besonderes, bis viele Schornsteine und Masten die Annäherung an die drei großen Städte Hankau, Hanyang und Wutschang an der Mündung des Hanflusses in den Yangtse ankünden.—(960 km) Hankau.
Hankau.
Ankunft auf dem Yangtse. Man sieht zuerst am l. Ufer den Flußbahnhof, dann die Fremdenniederlassungen. Die Flußdampfer legen an Landungsbrücken an dem breiten, mit Bäumen bepflanzten Bund (Kai) an.
Ankunft mit der Bahn von Peking auf dem Bahnhof in der französischen Niederlassung.
Gasthöfe: Boemers Hotel (deutscher Wirt), neu, am Bund, 22 Z., Pens. $ 6-8, gute Verpflegung.—Terminus-Hotel, am Bahnhof, teuer.
Post: Deutsches Postamt, mit Telephonnetz; Telegraph.—Rikschas, Wagen, Ponys und Sänften sind zu haben.
Eisenbahn: Hankau-Peking ist im Betrieb (s. S. [280]); die Bahnfahrt Hankau-Berlin über Peking dauert 15 Tage; die Linien Hankau-Kanton und Hankau-Tschöngtu sind im Bau und auf Teilstrecken schon im Betrieb.
Dampfer: Tägl. nach Schanghai, vgl. S. [247]; etwa 3mal wöchentlich nach Itschang (S. [262]) mit englischen, chinesischen und japanischen Dampfern; durch den Tungtingsee nach Tschangte, Tschangscha und Hsiangtan mehrmals wöchentlich japanische und chinesische Dampfer.
Banken: Deutsch-Asiatische Bank (Korresp. der Allgemeinen Deutschen Creditanstalt in Leipzig und der Deutschen Bank; Hongkong-Shanghai-Bank; Banque de l'Indochine; Chartered Bank of India, Australia & China; alle vier Korresp. der Berliner Disconto-Gesellschaft; Russisch-Chinesische Bank.
Konsulat: Deutsches Reich, Konsul Müller, am Bund.—Deutscher Arzt: Dr. Röse.—Apotheke: Watson.— Geschäftsadressen: Deutsche Großkaufleute am Orte: Arnhold, Karberg & Co., Melchers & Co., Siemssen & Co., Carlowitz & Co., Schlichting, Schwarz Goumer & Co., Bornemann & Co., Schwartzkopff & Co., Adolf Krämer, Max Mittag, Siemens-Schuckert-Werke. Deutsche Handwerker.— Deutsche, englische, russische, französische und japanische Niederlassungen.
Hankau (engl. Hankow, chines. Hàn-Kŏū;, d. h. Mündung des Han), Vertragshafen seit 1861, bildet zusammen mit Hanyang und Wutschang einen der wichtigsten Wohnplätze der Erde, dessen Gesamteinwohnerzahl auf etwa 1,5 Mill. geschätzt wird; davon entfallen auf Hankau 820000, auf Wutschang 400000, auf Hanyang 200000. Die drei Orte gruppieren sich derart um die Mündung des Hankiang in den Yangtsekiang, daß Hanyang im spitzen Winkel oberhalb der Einflußstelle, Hankau im stumpfen Winkel unterhalb der Einmündung, Wutschang aber gegenüber auf dem r. Yangtseufer liegt; Hanyang und Wutschang liegen etwas erhöht auf hügeligem Gelände, Hankau tief und flach. Nur Hanyang und Wutschang sind mauerumgürtete Städte; Hankau hat trotz seiner großen Volkszahl und Handelsbedeutung nur den Rang eines offenen Marktfleckens. Jeder der drei Orte hat seine besondere Bedeutung: Hankau ist in erster Linie Großhandelsplatz, Wutschang Lokalhandelsplatz, Hanyang als Hauptstadt der Provinz Hupe Verwaltungsplatz. Die Entwickelung einer Millionenansiedelung an dieser Stelle war dadurch bedingt, daß die Mündung des Han in den Yangtse den räumlichen Mittelpunkt und das natürliche Verkehrszentrum Mittelchinas bildet, das bisher der Knotenpunkt der großen Handelsstraßen war und künftig der großen Eisenbahnlinien sein wird; außerdem ist es der küstenfernste Punkt Chinas, der von größern Seeschiffen erreicht werden kann und daher in direktem Verkehr mit den Überseeländern steht, die mit China Handel treiben; liegen doch alljährlich während der Teeernte im Mai Dutzende großer Seedampfer und bis zu 3000 Dschunken vor Hankau. Durch den obern Yangtsekiang, der noch 800 km aufwärts für Flußdampfer, 2000 km für Boote fahrbar ist, und durch den Hankiang zieht es die Produkte von Szetschuan und Hupe, durch den Yüenkiang und Hsiangkiang die von Kweitschou und Hunan an sich und wird für die Reichtümer dieser Provinzen zum natürlichen Stapelplatz und Umschlagsort.
Die Ausfuhr umfaßt Tee, Seide, Eisenschienen, Bohnen und Bohnenkuchen, Erze, Sesamsaat, Häute, Tabak, Holzöl, Baumwolle, Talg, Wachs, Gallnüsse u. a. Die Einfuhr: Opium, Baumwoll-und Wollwaren, Kohlen, Seife, Glas, Eisenwaren, Lampen, Petroleum, Kriegsmunition u. a. Der Teehandel ist hauptsächlich in russischen Händen; im Gesamthandel Hankaus ist der deutsche Anteil bedeutender als der englische (244 Deutsche leben in Hankau). Auch als Industriestadt entwickelt sich Hankau, es besitzt Baumwollspinnereien, ein sehr leistungsfähiges modernes Eisen-und Stahlwerk, das etwa 20000 Arbeiter beschäftigt, Gewehr-, Geschütz-und Patronenfabrik in Hanyang, Streichholzfabrik, fünf russische Ziegelteefabriken, sechs Albuminfabriken (vier deutsche), zwei Münzen in Wutschang, Nagel-und Nadelfabrik, Papierfabriken, Lederfabrik, Grasleinenfabrik, Seidenweberei, Elektrizitätswerk, Getreidemühlen, Tuchfabrik, Zementfabrik, Exportschlachterei, Bauwerft für Flußdampfer (Yangtse Engeneering Work) etc. Die deutsche Niederlassung hat vorzügliche Kaianlagen.—In der Chinesenstadt ist sehenswert das Klubhaus der Schansi-Gilde, der die reichen aus der Provinz Schansi stammenden Bankiers angehören, mit dem Tempel des Kriegsgottes Kuan Ti (als »Kuan Yü« berühmter Feldherr des 2. Jahrh. v. Chr., im 12. Jahrh. selig gesprochen und 1594 vom Kaiser Wan Li als »Kuan Ti« unter die Götter versetzt; er ist Schutzpatron der Schansi-Leute), fünf großen Theaterbühnen und stattlichen Klubräumen. (Erlaubnis zur Besichtigung leicht, event. durch das Konsulat zu erhalten.)
Man vermeide es, bei Umzügen und Volksfesten in die engen Straßen der Chinesenstadt zu gehen!