Am Fuße des Hügels entspringt unterhalb eines Tempelchens die Nephritquelle, die die künstlichen Teiche der kaiserlichen Gärten, den nach Peking führenden Kanal und die Stadtgräben und Teiche der Hauptstadt bewässert, deren weiterer Abfluß dann der in den Peiho [Bai-hōŏ, »Weißer Fluß«] mündende T'ung-chou-[Túng-djŏū-] Kanal ist. Über der Quelle die von Kaiser K'ang Hsi verfaßte Inschrift»Erste Quelle der Welt«und ein Lobgedicht des Herrschers über die Köstlichkeit des Quellwassers. —Südl. vom Quellteiche die noch erkennbaren Grundmauern des Sommerpalastes der Kaiser der Chin [Dyin-] Dynastie (1115-1234).
Westl. vom Yü-ch'üan-shan-Hügel erblickt man in den Schluchten der Westberge (Hsi-shan [Chi-schan]) zahlreiche malerisch gelegene Klöster und die bis zu den Berggipfeln laufenden Mauern des kaiserlichen Jagdparkes Ch'ing-i-yüan [Tching-yi-yüan, »Park des lautern Behagens«], gleichfalls 1861 und 1900 arg mitgenommen, aber mit seinen Ruinen und Gartenanlagen immer noch sehr sehenswert. Der anschließende Berg heißt Hsiang-shan [Chiáng-schan, »Duftberg«]; die Sage berichtet, daß auf diesem Berge Shun, der letzte Sproß der Liao-Dynastie, die 1125 von den Chin vernichtet wurde, begraben ist.
—Unweit nördl. liegt das Kloster *Pi-yün-ssĕ [Bi-yün-ssĕ, »Kloster der nephritgrünen Wolken«], reich an herrlichen Marmorbauten; es wurde zur Zeit der mongolischen Yüan-Dynastie (1280-1364) gegründet, doch stammen die schönen Bauten meist aus dem 18. Jahrh., wo das Kloster ein Lieblingsaufenthalt der großen Mandschukaiser war. Einen sonderbaren Eindruck macht die Halle der 500 Lo-han [Lōŏ-han], das sind buddhistische Heilige; 500 überlebensgroße, aus Lehm geformte und vergoldete Figuren sitzen an den Wänden und in der Mitte einer ausgedehnten Halle. In einer Seitenhalle sind Hölle und Paradies in Tonfiguren dargestellt, die 18 Martern und 9 Belohnungen im Jenseits. Am Fuß der Berge von Pi-yün-ssĕ und Hsiang-shan ein Besichtigungsplatz der alten Mandschutruppen mit Pavillon des Kaisers, Beobachtungsterrasse der Kommandanten am Ende der Bogenschießbahn und einer Stadtmauersilhouette für Eskaladierübungen.—NW. von Pi-yün-ssĕ, von Bäumen halb verdeckt, liegt das schöne Kloster Yü-hüang-t'ing.
Weiter nö. liegt in einem Seitental das Kloster Wo-fo-ssĕ [Wōŏ-fōŏ-ssĕ], das »Kloster des liegenden Buddha« mit der Kolossalfigur des Buddha moribundus, die den geschichtlichen Gautama Buddha Sakhyamûni in dem Augenblick seines Eingehens in das Nirwana darstellt.—Nö. das Kloster Yi-kuan-ssĕ [Yi-gūăn-ssĕ], in dessen Nähe das Grab des nicht anerkannten Ming-Kaisers Ching Ti [Dyíng-di], der sich 1450-57 der Herrschaft bemächtigt hatte, nachdem sein Bruder, der Kaiser T'ien Shun [Tiĕn-schún] in der Schlacht bei T'u-mu-pu als Gefangener in die Hände der Mongolen gefallen war.—Nw. von Yi-kuan-ssĕ in einer Schlucht das sehenswerte Kloster Pao-tsang-ssĕ [Bào-dsang-ssĕ], 1439 von einem Lama aus Tibet gegründet, Sommerquartier der Eunuchen des Palastes. —Auf den anliegenden Bergabhängen fallen einige sonderbare Bauwerke in tibetischem Stil auf; sie sind von Kaiser Ch'ün Lung errichtet, bevor er die Eroberung Tibets begann, damit sich seine Gardetruppen im Erstürmen hochgelegener tibetischer Häuser üben sollen. Die Chinesen nennen diese Bauten Hsi-tsang-tien [Chi-dsung-diĕn, »Tibetische Hallen«].
Südl. von allen bisher genannten Klöstern liegt am Abhange der Westberge die Klosteranlage Pa-ta-ch'u [Bà-da-tschú] mit den Sommerquartieren der englischen Gesandtschaft.
Hat man mehrere Tage zur Verfügung, so empfiehlt sich auch folgende Tour:
1. Tag: Von Peking an den kaiserlichen Sommergärten vorbei über Wang-êrh-shan [Wàng-örl-schan] (schwieriger Paß! sonst Umweg um den Berg herum) nach Hei-lung-t'an [Hè-lung-t'án,»Teich des Schwarzen Drachen«] mit Tempel und hübschem Quellteich. Hier Frühstück. Dann weiter über das Kloster Wên-ch'üan-ssĕ [Wȫön-tchüĕn-ssĕ, »Tempel der warmen Quellen«] mit heißen Schwefelquellen und primitiven Badeeinrichtungen, nach dem schönen Kloster Ta-chüeh-ssĕ [Dá-dyüĕ-ssĕ, »Tempel der großen Erleuchtung«], früher Sommerquartier der deutschen Gesandtschaft.
2. Tag: Zu Fuß mit Führer auf ziemlich beschwerlichem Bergpfad (zweimaliger Auf-und Abstieg) in etwa 4-6 St. nach dem berühmten Wallfahrtsort Miao-fêng-shan [Miāŏ-fong-schăn], wo man am besten übernachtet; rüstige Fußgänger können auch nach Ta-chüeh-ssĕ zurückkehren.
3. oder 4. Tag: Zurück nach Peking.
Empfehlenswert ist auch die folgende oft erprobte Tour:
1. Tag: Entweder zu Pferde von Peking über T'áng-shan (Besichtigung der Quellen, des kaiserlichen Gartens und Frühstück) nach Ch'an-p'ing-chou [Tschàng-ping-djŏū], wo leidliches chinesisches Gasthaus, oder mit der Mongolischen Bahn nach Nankou und von dort zu Fuß oder mit Esel nach Ch'ang-p'ing-chou.—2. Tag: Besichtigung der Ming-Gräber (S. [296]). Frühstück am besten mitnehmen und Picknick bei den Gräbern. Dann am Fuße der Berge entlang nach Nankou (S. [295]).—3. Tag: Durch den sogen. Nankou-Paß bis zur Großen Mauer (S. [296]). Aufstieg auf der l. Seite, da r. die Mauer teilweise zerstört ist. Frühstück in einem der Türme, dann zurück nach (ca. 20 km) Nankou.
—4. Tag: Mit der Bahn zurück nach Peking oder zu Pferde am Fuße der Westberge entlang nach dem Kloster Ta-chüeh-ssĕ (s. oben).— 5. Tag: An den kaiserlichen Sommergärten vorbei zurück nach Peking (vgl. oben).
Ausflug nach der Großen Chinesischen Mauer und den Minggräbern.
Vgl. den Karton auf Karte S. [275].
Man rechne 2-3 Tage. 1. Tag: Eisenbahn (Mongolische Bahn, 1909 bis Kaigan, 1911 bis Suiyüen, 510 km von Peking, eröffnet. In Kalgan Railway Hotel wie in Nankou; Fahrzeit 11 St., Fahrpreise Peking-Kalgan: I. Klasse $ 8,10, II. Kl. $ 5,40; Bahnhof vor dem NW.-Tor Hsi-dschi-mönn, wohin mit Auto, Wagen oder Rikscha) tägl. früh etwa 8,40 Uhr (Fahrplan ändert oft!) in 3 St. bis Ching-lung-chiao (Tching-lung-tchiāo) am Fuße der Großen Mauer (der Aussicht wegen stelle man sich auf die vordere Plattform, die Lokomotive schiebt, mehrere Tunnels). Von hier geht man etwa 1/2 St. bis zum Tor der Mauer. Rückfahrt mit der Bahn 6,43 Uhr Nm. ab Ching-lung-chiao (oder auf von Nankou aus vorausgeschickton Eseln) nach (44 km von Peking) Nankou, wo man im Railway Hotel (gelobt, Pens. $ 6) übernachtet. —2. Tag: Früh 1/2-5 Uhr auf Eseln zu den Minggräbern, zum Tiffin ins Hotel zurück und 12,30 Uhr Mitt. Eisenbahn zurück nach Peking.—Ausrüstung wie S. [295] beschrieben.
Der Ausflug führt in das nordwestl. von Peking sich hinziehende Gebirge, den Nankouschan, das infolge der rostförmigen, durch Bruchbildung entstandenen Anordnung seiner Höhen dem Verkehr und im besondern der großen Karawanenstraße, die von Peking über Kalgan durch die Gobi nach Urga, der Hauptstadt der Mongolei, und weiter über Kjachta nach Sibirien (und Europa) führt, große Schwierigkeiten bereitet. Auch der Bau der Bahn von Peking über den Nankoupaß nach Kalgan hat technisch große Schwierigkeiten verursacht. Anderseits besitzt Peking im Nankouschan eine starke natürliche, durch die Große Mauer noch künstlich verstärkte Sicherung. Der Warenaustausch zwischen China und der Mongolei, der früher ausschließlich und auch heute noch größtenteils durch Kamelkarawanen, erfolgt, ist sehr bedeutend; die Mongolei liefert an China vor allem die Produkte ihrer Viehzucht, China der Mongolei in erster Linie Tee.—Bis Nankou ist die Gegend eine einförmige Ebene, dann beginnt ein landschaftlich schönes Tal. Die Berge sind baumlos.