Ausflug nach Jehol (Tschöngtöfu).

Vgl. die Karte bei S. [271].

Man rechne etwa 10 Tage, sorge in Peking für gute Reittiere und kräftige Zugtiere für die Gepäckkarren, nehme Feldbetten, reichlich Konserven und Getränke mit; als Geld Peking-Dollars und Kleingeld.—Die Unwegsamkeit des Gebirgslandes im N. und W. von Peking tritt auf diesem Ausfluge noch weit stärker in Erscheinung als auf dem Wege nach dem Nankoupaß.
1. Tag: früh 6 Uhr Aufbruch, durch das Nordosttor der Tatarenstadt Peking, Tungtschimönn, auf staubiger, schlechter Kunststraße in nnö. Richtung durch eintönige Gegend in 4 St. nach (14 km) Sunho (Frühstücksrast); 2 km hinter Sunho über den Fluß Wenyüho, dann r. an der ummauerten Kreisstadt (30 km) Schunyi vorbei zur Kleinstadt (37 km) Niulanschan, wo die Berge, die die Pekinger Ebene nach N. abschließen, näher an die Straße herantreten; Nachtquartier im chinesischen Gasthaus des Dorfes (48 km) Taloschan (Da-lo-schan).
2. Tag: 7 Uhr Aufbruch, auf schlechtem Weg, der sich den östl. Bergen nähert, zur Kreisstadt (60 km) Miyün, durch deren Osttor man weiter nach (72 km) Mengtschiaying (Mudsia-yü) gelangt (Mittagsrast bis 2 Uhr); Nm. erreicht man die Berge und passiert den ersten Rücken.


Der Weg bleibt nahe westl. vom Fluß Tscháuho. Nachtquartier im chinesischen Gasthaus der ummauerten Kleinstadt (93 km) Schihsiatschĕng (158 m ü. M.).
3. Tag: 6 Uhr Aufbruch, durch das Nordtor auf steinigem Weg; viel Geröll und sehr steile Hohlwege, so daß die Karren mit Mühe hinaufkommen; nach 3 St. Eintritt in das Gebirge Heischan, auf dessen Kamm man die Türme der Großen Chinesischen Mauer (S. [296]) erkennt. Der Weg führt bergan durch großartige Landschaft über einen Paß (232 m), dann bergab zum Tal des Flusses Tscháuho: 15 km von Schihsiatschĕng tritt der Weg an das r. Ufer, man setzt mit Fähre über den hier 3/4 km breiten Tscháuho und erreicht nach weitern 2 km die malerisch am steilen l. Ufer gelegene ummauerte Kleinstadt (111 km) *Kupeikou (Gubei-kóu); hier Frühstücksrast. Unmittelbar hinter der nördl. Vorstadt von Kupeikou tritt die Große Mauer im Engpaß dicht an beide Flußufer heran; man kann ihre großartigen Windungen über den Gebirgskamm weithin überschauen, trotzdem sie teilweise stark zerfallen ist. Durch die Mauer dicht am l. Flußufer führt die Straße in die Mongolei, deren Südostzipfel staatlich zur chinesischen Provinz Tschili rechnet. Durch ein steiniges, kahles Tal, von mächtigen Bergen eingeschlossen, belebt von Kamelkarawanen, Reihern und Raubvögeln, gelangt man vorbei am zerfallenen chinesischen Schloß Lienhsienfeng nach (143 km) Schanschykoa; hier Nachtquartier in einfacher Herberge.
4. Tag: 6 Uhr Aufbruch, auf felsiger Straße steil (bis 30 und 35° Steigung) bergan in engem Tal; neben der Straße führt der Telegraph nach Jehol. Bei einem schwierigen Paß in der wilden Landschaft muß die Karre abgeladen, das Gepäck getragen werden; dann wird ein freundlicheres Tal durchquert und wieder ein steiler Paß in felsiger Landschaft (898 m hoch) überschritten. Weiter bergab und bergauf, an tief eingeschnittenem Flußbett entlang und durch großartige Schluchten nach der Kreisstadt (178 km) Lwanping; hier Nachtquartier im chinesischen Gasthaus. Vor der Stadt ein europäisches Steindenkmal für Missionare (1900 ermordet). Nachts hört man die Glocken durchziehender Karawanen.
5. Tag: 61/2 Uhr Aufbruch durch das Osttor; gleich hinter der Stadt überschreitet man den Fluß Lwanho auf 80 m langer, primitiver Brücke. Dann führt die in den Felsen eingeschnittene Straße in großartiger Berglandschaft sehr steil bergauf über einen Paß und ebenso steil bergab (Karrenräder feststellen!) durch Wald in ein gut bebautes Tal. Gegen 10 Uhr sichtet man den kaiserlichen Park, der Jehol krönt, nach 1 St. erreicht man (206 km) Jehol (Dschehol, chin. Tschöngtöfu), sehr alte Präfekturstadt mit angeblich 250000 Einw., Sitz eines Tatarengenerals und eines Futai (beiden schicke man Visitenkarte); die frühere Sommerresidenz der Mandschukaiser, ein prächtiger Palast in großem Park mit herrlichen Bäumen auf einer Anhöhe über der Stadt, ist nicht zugänglich. Sehr sehenswert ist der gut erhaltene großartige Lamatempel, vom Kaiser K'ang Hsi (1662-1722) im Stil des Palasttempels von Potala in Lhassa (Tibet), der Residenz des Dalai Lama, erbaut; die Dächer der Tempelanlage sind teils vergoldet, teils mit kaiserlichen gelben Ziegeln gedeckt; die gut erhaltenen Wände sind mattrot. (Der Besuch dieses Tempels entschädigt reichlich für die Mühen der Reise; vgl. O. Franke, Beschreibung des Jehol-Gebiets [Leipzig 1902].)
Rückreise: Reittiere und Karren schickt man am besten nach Peking zurück, um selbst in offenem Boot (tägl. $ 5) mit Platz für ein Feldbett, 3 Ruderknechte und einen Diener (Boy) zurückzureisen. Das Boot mietet man in Jehol (oder 10 km sö. am Fluß Lwanho beim Ort Wang-ba-gr, an begangener Karawanenstraße). Die Bootsfahrt talwärts des Lwanho ist sehr interessant, führt anfangs durch enge Felsschluchten (ähnlich dem Yangtse oberhalb Itschang, vgl. S. [262]), passiert die Große Mauer beim Dorf Pantsiakou mit starken Windungen, gelangt dann in ein breiteres Tal, vorbei an der ummauerten Stadt Tsienan; unterhalb der großen Stadt Yungpingfu treten die Berge wieder dicht an den Fluß, der bei Lwantschou die Küstenebene erreicht.


Je nach Wasserstand und Stromgeschwindigkeit gelangt man in 3-6 Tagen zur Bahnstation Lwantschou (S. [329]) der Nordchinesischen Bahn, von wo man in etwa 4 St. nach Tientsin (S. [275]) fährt.

Von Peking nach Hankau.