Die Hauptlinie fährt von Tschöngtingfu über Schuntöfu, eine alte, mit Mauern umgebene Stadt, dann über (507 km) Tschangtöfu und Weihweifu, kreuzt bei (614 km) Hsinhsiang die Bahnlinie von Taokou nach Tsinghua, den Kohlengruben der Provinz Schansi, und erreicht nahe vor (694 km) Tschöngtschou (Chengchow) den Hoangho, der auf einer 2700 m langen Brücke überschritten wird. In Tschöngtschou kreuzt die Hauptbahn die Bahnlinie von Kaiföngfu nach Honanfu (Pienlo Railway genannt, der Anfang der großen chinesischen Mittellandbahn [Central Trunkline], die ostwärts nach Tschinkiang [S. [255]], westwärts über Tschöngtu [S. [263]] und Suifu [S. [263]] bis Yünnan geführt werden soll).

Tschöngtschou liegt an der Stelle, wo der Hoangho, der oberhalb zwischen hohen senkrechten Lößwänden fließt, von diesen verlassen wird, wo also die untere, durch die häufigen Laufverlegungen berüchtigte Strecke des Stromes beginnt. Hier war es denn auch, wo am 28. Sept. 1887 der angeschwollene Hoangho den rechtsseitigen Deich ganz unvermutet durchbrach und sich durch die Talebene des Schaho dem Hwaiho zuwälzte, halb Honan u. Ngauhwei unter Wasser setzend.
Abstecher nach Honan und Kaiföng. Von Tschöngtschou auf der Piënlo-Eisenbahn westwärts am Nordrande des bis 2665 m hohen Gebirges Sungschan entlang über (20 km) Yungtsō und (60 km) Kunghsien nach (120 km) Honanfu (165 m), am Loho, dem r. Nebenfluß des Hoangho, als alte Kaiserresidenz früher Loyang genannt; in ihrer Umgebung viele prächtige Gartenanlagen und Grabmäler alter chinesischer Kaiser.—Von Tschöngtschou ostwärts führt die Piënlo-Linie über (30 km) Tschungmou nach (60 km) Kaiföng (Piëntschöng), Hauptstadt der reichen, fruchtbaren Provinz Honan mit 160000 Einw., 15 km südl. vom Hoangho in gut bewässerter Ebene gelegen, mit Mauern von 14 km Umfang. Der 40 km lange Außendeich, der die Stadt umgibt, obgleich auch die Hoangho-Ufer eingedeicht sind, bezeugt eindringlich die stete große Gefahr, in der diese fruchtbare Gegend beständig schwebt. Im nördl. Teil der Stadt liegt ein ummauertes Mandschuviertel. Kaiföng hat zahlreiche Pagoden, sechs Moscheen und Reste einer einst blühenden (chinesisch-)jüdischen Gemeinde. Der Gouverneur von Honan und viele Provinzialbehörden residieren in Kaiföng; wichtig ist der Handel mit Getreide und Salz.

Über (901 km) Tschumatien und Hsinyangtschou (von hier Verbindungsbahn über Föngyang nach der Tientsin-Pukou-Bahn [S. [275]] im Bau) tritt die Bahn in das Gebirge Hwaiyangschan, in dessen Granit sie auf 50 km Länge eingeschnitten ist; in 200 m Meereshöhe durchbricht ein 350 m langer Tunnel das Gebirge und erreicht dann bald (1209 km) Hankau (vgl. S. [259]).


15. Von Berlin nach Moskau und auf der Sibirischen Bahn
über Charbin nach Wladiwostok, Dairen und Peking.

Vgl. die Karten bei S. [301], [215] und [271].

Reiseweg von Berlin über Thorn, Alexandrowo, Warschau, Moskau (oder über Wirballen, St. Petersburg, Jekaterinburg), Tscheljabinsk, Irkutsk, Mandschuria nach Charbin; von hier östl. weiter nach Wladiwostok (Dampfer nach Japan) und südl. über Mukden nach Dairen (S. [323]; Dampfer nach Tsingtau und Schanghai) oder Peking (S. [328]) oder Söul (S. [331]).
Fahrzeiten: Berlin-Moskau (1949 km) 37 oder 40 St.; Moskau-Mandschuria (6532 w) 8 Tage; Mandschuria-Wladiwostok (1605 w) 11/2 Tag, insgesamt (401 km und 8137 w) mit Aufenthalt rund 11 Tage. Expreßzüge bis Peking in 12 Tagen von Berlin; bei günstigem Dampferanschluß in Dairen kann man die Reise Berlin-Tsingtau in etwa 13 Tagen, nach Schanghai in 14 Tagen machen.


Fahrkarten: Von Berlin nach Moskau Nordexpreß nur I. 130,50 M., Berlin-St. Petersburg I. 115,05 M.; von Moskau nach Irkutsk I. Kl.-Fahrkarte mit allen Gebühren 167,70 Rubel, II. Kl. 110,50 Rubel. Von Moskau bis Charbin I. 279,25, II. 182,39 Rubel; bis Wladiwostok I. 328,50, II. 213,82 Rubel. Beim Lösen der Fahrkarte ist anzugeben, ob man »Raucher«, »Nichtraucher«, »Damenabteil« und »untern Schlafplatz« oder »obern« haben will.
Die Schlafwagengesellschaft gibt folgende direkte Fahrkarten aus: Berlin-Charbin (über Moskau I. 581,20, II. 367,40 M.), Berlin-Wladiwostok (über Moskau I. 673, II. 424,75 M.), Berlin-Nagasaki (über Moskau und Wladiwostok I. 785,35, II. 537,05 M.), Berlin-Schanghai (über Moskau und Dairen I. 847,95, II. 599,75 M.). Die direkten Fahrkarten über St. Petersburg kosten I. ca. 35, II. ca. 22 M. mehr. Direkte Fahrkarten Berlin-Peking und Berlin-Tsingtau werden demnächst eingeführt.
Nordexpreß und Schlafwagen. Di. geht ein Nordexpreß von Berlin, Bahnhof Friedrichstr., frühmorgens nach Warschau in 10 St., bis Moskau in 37 St. Speisewagen und Schlafwagen laufen zwischen Berlin und Alexandrowo sowie Alexandrowo-Warschau und Warschau-Moskau, ferner Moskau-Irkutsk. Do. u So. je ein Nordexpreß von Berlin über Königsberg, Wirballen nach (1641 km) St. Petersburg mit Speise-und Schlafwagen in 30 St. Näheres, auch wegen Vorausbestellung der Schlafplätze und Fahrkarten, bei den Agenturen der Internationalen Schlafwagengesellschaft in Berlin (Unter den Linden 57/58), Warschau (Wolowa-Straße 42), St. Petersburg (Newsky-Prospekt 22), Moskau (Semlianoj Val, Jakovlevsky, Periulok, Haus Roop log 4), Irkutsk (Ecke Troitzkoje-Straße und Spasso Luterianskoe), Charbin, Wladiwostok, Mukden, Peking (Grand Hôtel des Wagons-Lits), Dairen, Tschimulpo und Söul: Rondon & Co.
Die Sibirischen Luxuszüge (Transsibérien-Expreß) gehen Mi. und Mo. abds. ab Moskau, und zwar Mi. mit Luxuswagen der Schlafwagengesellschaft, Mo. mit guten Salonwagen der russischen Staatsbahn (Kronswagen genannt). Ankunft der Züge in Irkutsk Di. und Fr. Ein Kronszug geht Sa. Vm. ab St. Petersburg über Tscheljabinsk, an in Irkutsk Fr. Von Irkutsk laufen wöchentl. drei Luxuszüge nach Charbin und Wladiwostok; ab Irkutsk Fr. So. Di.; in Charbin Mo. Mi. Fr.; in Dairen Di. Do. Sa.; in Peking Mi. Fr. Sa.; in Wladiwostok Mo. Mi. Fr. Ausführliche Angaben und den neuesten Fahrplan dieser Luxuszüge enthält der »Guide français et russe du Transsibérien-Express«, zu haben bei den Agenturen der Internationalen Schlafwagengesellschaft, bei denen man auch Plätze vorausbestellt. Im Frühling und Sommer sind die Züge so besetzt, daß man gut tut, einige Wochen vorher Plätze bei der Internationalen Schlafwagengesellschaft vorauszubestellen! Das Deutsche Reichskursbuch (Nr. 608) enthält den Fahrplan für diese Züge bis Wladiwostok, Dairen und Peking. Abfahrten von Berlin Di. früh mit Nordexpreß, Fr. abds. mit Schnellzug über Moskau, Do. abds. mit Nordexpreß über St. Petersburg.
Wer gemächlicher, interessanter und billiger (von Berlin bis Wladiwostok für ca. 200 M.) reisen und unterwegs das russisch-sibirische Volksleben kennen lernen will, benutze auf der Sibirischen Bahn den dem Lokalverkehr dienenden, aber von Tscheljabinsk bis Irkutsk durchfahrenden Postzug (je 1 Zug tägl.). Er bietet gleichfalls Schlafgelegenheit, und durch Verständigung mit dem Schaffner kann man es ganz bequem haben. Auf allen größern Stationen werden gute Eßwaren feilgehalten. Die Benutzung dieses Postzugs ist jedoch nur Russisch Sprechenden zu empfehlen.
Wagenwechsel in Alexandrowo, Warschau (Nordexpreß nicht, Bahnhofwechsel vgl. S. [304]), Moskau (Bahnhofwechsel vgl. S. [305]), Irkutsk; für Dairen noch in Changchun (S. [324]), für Peking noch in Mukden.
Einrichtungen der Wagen. I. Kl. ist blau, II. gelb, III. grün. Die russischen Schlafwagen sind besser als die deutschen. Waschraum ist überall vorhanden, aber oft mangelhaft; im Speisewagen des Sibirischen Luxuszuges befindet sich auch eine Badekammer. Gummiwaschbecken, Wasserkanne, Handtuch und Seife, Wäsche, Kopfkissen, wollene Decke, zuverlässige Handlaterne halte man selbst bereit.