Vgl. beifolgenden [Plan].
Ankunft: Brester Bahnhof im NW. der Stadt; Omnibus der Gasthöfe zur Stelle. Nur der Nordexpreß (S. [302]) wird Mi. abds. auf Verbindungsbahn zum Kursker Bahnhof überführt, wo der sibirische Zug bereitsteht, ebenso umgekehrt. Bei Ankunft mit Schnellzug muß man vom Brester nach dem Kursker Bahnhof fahren. Der sibirische Zug fährt vom Kursk-Nishnij-Nowgoroder Bahnhof ab, etwa 5 km östl. vom Brester Bahnhof.
Gasthöfe: Hôtel Métropole (Pl. a), Theaterplatz.—Hôtel National (Pl. b), Ecke Twerskaja u. Mochowaja (nahe dem Kreml, für Damen am geeignetsten); 170 B. von 3 (mit Bad 6) R. an, F. 0,75, Gab.-F. 1,50, Mitt. 2,25, Omn. 1 R.: ZH.—Hôtel Berlin (Schweizer Wirt), Roschdestwenka, deutsches Familienhaus; 150 Z. 2-4,50, F. 0,60, Gab.-F. 0,75, Mitt. 1,75, Omn. 0,75 R.; ZH.— Hôt. Billo (Pl. c), Bolschaja Lubjanka 9; II. Ranges, aber gut, deutsche Bedienung, Faßbier, deutscher Verkehr u. a. —Restaurants: Eremitage, Trubnajaplatz. Ferner im Hôtel Billo, Hotel Berlin, Hôtel National und Praga (Arbol). —Café: Filippow, Ecke Twerskaja und Glinitschtschewskij Per.
Hauptpost: Mjaßnitzkaja; Telegraph daneben.—Wagen: Droschken. (Iswoschtschik), zweisitzig, vom Bahnhof zur Stadt 60-80 Kop.; außerdem Lichatschi, Kaleschen, Troiken und Landauer. —Straßenbahnen nach allen Richtungen, jede Teilstrecke 5 Kop.
Banken:J. W. Junker & Co., Kusnezkij Most, für Reisende besonders empfohlen.—Nordische Bank, Iljieka, Korresp. der Berliner Disconto-Gesellschaft. —St. Petersburger Internationale Handelsbank, Korresp. der Allgemeinen Deutschen Creditanstalt in Leipzig.
Theater: Die kaiserlichen Theater; das Große, Kleine und Neue, alle drei am Theaterplatz; Theater Korsch; verschiedene Varietétheater. Zirkus Salamonski, Zwetnoi-Boulevard.
Konsulat: Deutsches Reich, Konsul Dr. Kohlhaas, Archangelski Pereulok, Haus Konstantinow; 11-3 Uhr: Vizekonsul Dr. Hauschild.—Österreich-Ungarn, Generalkonsul Ritter v. Puscariu, Moltschowska, Serebranny Perenlok. —Schweiz, Konsul Luchsinger, Stary Gostinny Dwor.—Polizei: Twerskoi-Boulevard.—Ärzte: DDr. Rein; Taube; Goldendach; Chirurg: Dr. v. Schiemann; Augenarzt: Dr. Engelmann; Zahnarzt: Adelheim.—Apotheke: Ferrein, Nikolskaja.—Krankenhaus: Evangel. Hospital (deutsch).
Buchhandlung: Lang, Kusnezkij Most.—Photographien: Avanzo; Daziaro, beide Kusnezkij Most.—Pelzhändler: Ssorokoumowskij & Söhne, Iljinka; Bjelkin, Kusnezkij Most (wer im Winter durch Sibirien reist, muß mit Pelzen versehen sein!).—Russische Holzarbeiten: Sojus, Neglinnaja, Ecke Kusnezkij Most, Deutsch gesprochen.
Zeiteinteilung. 1. u. 2. Tag: Kreml, Jungfernkloster, Sperlingsberge, Neßkutschnypark; 3. Tag: Besuch der Stadt, Rumjanzewmuseum, Erlöserkirche und Tretjakowgalerie.
Geschichtliches. Moskau wird schon 1147 erwähnt; 1328 wurde es Hauptstadt des Großfürsten Iwan Danilowitsch Kalita, der die Stadt befestigte. 1382 verbrannte der Tatarenchan Tochtamysch die Stadt, die erst unter Iwan III. (1462-1503) zur aufblühenden Hauptstadt des Moskowiterreichs wurde, aber unter Iwan IV., dem Schrecklichen (1533-84), viel durch Feuer und tatarische Überfälle (letzter 1591) zu leiden hatte. Moskau blieb Hauptstadt auch unter den Romanows, bis Peter I., der Große, 1703 St. Petersburg gründete und sein Hoflager 1711 dahin verlegte. Am 14. und 15. Sept. 1812 besetzte Napoleon I. Moskau; schon am 14. steckten die Russen die Stadt in Brand, die bis zum 21. zu drei Viertel niederbrannte; am 19. Okt. mußte Napoleon aus Mangel an Lebensmitteln den Rückzug antreten.
Moskau (142 m), alte russische Hauptstadt und zweite kaiserliche Residenz, die bedeutendste Handelsstadt Rußlands und Hauptsitz der russischen Industrie, mit 1459800 Einw. (darunter über 15000 Deutsche), liegt an der Moskwa und ist Sitz eines Generalgouverneurs, zweier Korpskommandos, einer Universität und vieler andrer hoher Schulen etc. Die Mitte der Stadt bildet der Kreml (S. [307]); von ihm laufen strahlenförmig die meist krummen Straßen (mit meist nur zweistöckigen Häusern) aus, die durch drei Ringstraßen verbunden werden. Nö. vom Kreml liegt das Stadtviertel Kitajgorod (d. h. Chinesenstadt), Sitz des Großhandels; Kreml und Kitajgorod bilden die innere Stadt (»Gorod« = Stadt) und sind noch mit der 1534 erbauten weißen Mauer umgeben, nach der der neue, die innere Stadt umschließende Stadtteil Bjelojgorod (d. h. Weiße Stadt) benannt ist, der vornehmste Stadtteil mit vielen öffentlichen Gebäuden und Palästen. Um die »Weiße Stadt« schließt sich der Stadtteil Semljanojgorod (d. h. Erdstadt), nach dem alten Erdwall benannt, auf dem jetzt die Sadowaja (d. h. Gartenstraße) angelegt ist, die diesen Stadtteil nach außen begrenzt. Außerhalb davon liegen die Vorstädte, in denen Fabriken, Kasernen, Bahnhöfe und die Wohnungen der ärmern Bevölkerung liegen. Moskau hat 434 Kirchen, 82 Kapellen, 14 Mönchs-, 7 Nonnenklöster und 23 Friedhöfe. Das russische Volksleben ist in Moskau viel ursprünglicher und»russischer«als in St. Petersburg, das Straßenleben ist lebhaft, der Besuch der Märkte sehr zu empfehlen.
Rundfahrt. Hauptziel ist der *Kreml. Man fahre vom Theaterplatz (wo das Hôtel Métropole liegt) durch die Iberische Pforte, zwei spitztürmige Torwege, zwischen denen die sehr heilige Kapelle der Iberischen Mutter Gottes mit berühmtem wundertätigen Heiligenbild steht (Vorsicht vor Taschendieben!). Innerhalb der Pforte liegt r. das Historische Museum (11-3 Uhr, außer Sa. und an Festtagen). Sö. der Kraßnaja- oder Rote Platz mit dem Denkmal Minins und Knjas Poscharskijs und der Schädelstätte (Lobnoje Mjesto), Hinrichtungs- und Empfangsplatz etc.; sö. die Basiliuskathedrale (1679 vollendet); an der Ostseite des Platzes die Handelsreihen mit etwa 1000 Geschäftsräumen. (In der Seitenstraße l., Warwarka, liegt das Haus des Bojaren Romanow, worin der erste Romanow, Zar Michail, geboren wurde.)—Von der Basiliuskathedrale südl. über den Waßiljewskajaplatz längs der Kremlmauer zur Moskwaretzkijbrücke und über diese r. auf den Sophienkai (Ssofijskaja Nabereshnaja), von beiden bester *Überblick über den Kreml. Weiter über die große Kamennijbrücke, dann r. durch den schönen Alexandergarten längs der Westseite des Kreml, an dem die riesige Stadtmanege liegt, die als Exerzierhaus, Ausstellungs-und Festraum dient; dahinter die Kaiserliche Universität (1755 begründet), mit gegen 10000 Studenten, Sternwarte, Bibliothek, Botanischem Garten und Zoologischem Museum. Dann r. um die Nordspitze des Kreml herum, am Historischen Museum vorbei, nochmals über den Roten Platz zum Haupteingang des
*Kreml, die Stadtburg und ältester Teil von Moskau, 43 m über dem l. Steilufer der Moskwa, umgeben von einer 1487 erbauten, 2 km langen, 20 m hohen Zinnenmauer mit 5 Toren und 18 Türmen. Es ist ein besonderer Stadtteil, »das Nationalheiligtum der Russen, dessen Gesamteindruck an Originalität die kühnsten Erwartungen übertrifft; Kirchen, Paläste und Klöster reihen sich in bunten Farben aneinander, keine Kuppel gleicht der andern; von seltener Pracht, einem kolossalen Gold-und Bilderreichtum ist das Innere der Kirchen«. (Elisabeth v. Öttingen.)
Man betritt den Kreml durch die »heilige Pforte« (Sspáßkija Woróta), auch Erlösertor genannt, über dessen Eingang als Heiligtum des Kremls ein Erlöserbild angebracht ist (