Von Massaua laufen die Dampfer mit sö. Kurs längs der Eritrea-Küste nach Assab, dem südlichsten Hafen und Handelsplatz der italienischen Kolonie, von dem ein Karawanenweg nach Magdala in Abessinien führt. Assab liegt auf 13° nördl. Br. in einer durch Inseln und Riffe geschützten Bucht und hat 5000 Einw.; die Einfahrt ist schwierig, besonders durch das Ostfahrwasser. Die italienischen Dampfer laufen Assab an.

Schiffe, welche die Hafenplätze der Küste von Jemen besuchen, müssen schon auf dem 20.° nördl. Br. aus dem Hauptfahrwasser des Roten Meeres ostwärts auf die Stadt el-Lid zusteuern und dann das Innere Fahrwasser innerhalb der Korallenriffe vor der arabischen Küste benutzen. El-Lid liegt auf 20° 7' nördl. Br.; Dampfer des Österreichischen Lloyd besuchen etwa vierteljährlich diesen und die folgenden Hafenplätze, von denen der nächste im S., Kunfuda, eine befestigte türkische Stadt mit etwa 10000 Einw., auf 19° 8' nördl. Br. liegt. Beträchtlichern Handel mit Kaffee und Getreide hat die kleinere Stadt Lohêja, mit 2000 Einw., auf 15° 42' nördl. Br.; der Ankerplatz liegt etwa 4 Seem. von der Stadt.—Als Quarantäneplatz für indische Pilgerschiffe ist der Kamaran-Hafen an der Ostseite der großen Insel Kamaran wichtig. Gegenüber liegt auf dem Festland die Stadt Saliff, aus deren Steinsalzwerken viel Salz verschifft wird. Durch den Kamaran-Paß führt die Küstenfahrt dann nach dem wichtigen Handelsplatz Hodêda (Hodeida) auf 14° 47' nördl. Br.; die aufblühende Stadt hat etwa 45000 Einw. und regen Schiffsverkehr; Ausfuhr: Kaffee, Felle, Korn. Kleiner Schutzhafen für Sambuks und Boote ist neu gebaut. Etwa wöchentlich Dampfer der Khedivial Mail nach Suez und Aden und italienische nach Massaua. Der Telegraph ist selten gebrauchsfähig, man sendet schneller Telegramme mit Dampfer nach Aden. Cholera tritt in Hodêda häufig auf.

Der Hauptdampferweg führt l. an der 245 m hohen, vulkanischen Insel Djebel Tair vorbei, dann südl. und l. von den Sebajir-Inseln. Djebel Sugur und die Hanisch-Inseln werden auf der Ausreise meist r. gelassen, wobei aber die gefährliche Avocet-Klippe auf 14° 22' nördl. Br. gemieden werden muß; sie hat nur 4,6 m Wassertiefe und ist rings von tiefem Wasser umgeben, auch nicht zu erkennen, so daß schon mehrere Dampfer auf ihr Schaden erlitten haben. Die meisten Dampfer steuern durch die Abu Ail-Durchfahrt östl. von Djebel Sugur und halten dann auf Mocha zu, wobei die Hanisch-Inseln r. bleiben.—Mocha (Mokka) ist von Bord aus an den Minarets und Moscheen zu erkennen; im Hintergrund der Stadt erheben sich hohe Berge, an deren Abhängen der berühmte Kaffee wächst; während nämlich der Küstenstrich selbst wüst und öde ist, empfangen die terrassenförmig abfallenden Gehänge des Hochlandes von Jemen oberhalb von 800 m Meereshöhe ziemlich ergiebige Niederschläge und sind daher reich bewässert und bebaut. Die Gipfel sind meist in Dunstschleier gehüllt. Früher war Mocha wichtigste Handelsstadt von Jemen, ist aber jetzt von Hodêda weit überholt; die Stadt sieht wie ein Trümmerhaufen aus. Die Reede hat viele Riffe.— Dampfer nach Aden steuern in Sicht von Mocha südl. längs der arabischen Küste durch die Kleine Straße Bab el-Mandeb (S. [30]) und dann östl. meist in Sicht der im Djebel Churruz bis 829 m hohen Küste nach Aden (S. [38]).

Perim, englische Insel in der Straße Bab el-Mandeb, ist kahl, felsig und vulkanischen Ursprungs; auf dem 65 m hohen Gipfel der Insel am SO.-Ende liegt eine Lloydsignalstelle, die passierende Schiffe telegraphisch nach London meldet; Telegraphenkabel führen von der Insel nach Aden, Suez, Obock, Assab, Massaua und Suakin. Der bequeme natürliche Hafen an der SW.-Seite der Insel ist an die Perim Coal Comp. verpachtet, die ein großes Lager an Kohlen zur Ausrüstung von Dampfern unterhält. Indische Mekkapilger-Schiffe müssen die Insel zur ärztlichen Untersuchung anlaufen. Perim ist strategisch als englischer Flottenstützpunkt wichtig, aber unbefestigt. Zur Brutzeit Schildkrötenfang am Hafen.

Dampfer nach Djibouti laufen westl. von Perim durch die Große Straße Bab el-Mandeb zwischen Râs Sijan, einem 135 m hohen rötlichen Küstenvorsprung, und den Sechs Brüdern (Djesiret es-Sawahib), sechs auffälligen Felseninseln, hindurch, steuern dann um Râs el-Bir herum in den Golf von Tadjura, an dessen NO.-Ecke der von Riffen eingeschlossene Hafen von Obock liegt, früher Haupthafen der französischen Somali-Küste, jetzt, weil ungesund, verlassen. Im Innern des Golfs von Tadjura liegen die unwichtigen Handelsplätze Tadjura, Ambabo, Sagallo und das schwer zugängliche Becken Ghubbet Charab. Am SO.-Ausgang des Golfs liegt die Hauptstadt der französischen Kolonie Somali.

Djibouti, Stadt mit ca. 16000 Einw., davon 1800 Europäer, Sitz eines Gouverneurs; zwei deutsche Firmen; Stadt mit steinernen Häusern, gut gebaut. Polizeitruppe von 500 Gallaleuten.

Gasthöfe: Continental (gelobt);— Des Arcades;—De France, Pens. 10-12 Fr.—Cafés am Place du Port und am Place de Menelik.—Dampfer: Messageries Maritimes, 14tägig nach Marseille, Ostasien, Australien, Madagaskar und Mauritius; Küstendampfer der Cie. de l'Afrique Orientale nach Aden, außerdem Dampfer des Österreichischen Lloyd, der Hamburg-Amerika Linie und der Cie. Harraise etwa monatlich einmal.—Post u. Tel. französisch; Telephon nach Harrar und andern abessinischen Orten bis Addis-Abeba. —Eisenbahn bis Diré-Daua (vgl. S. [37]), Fortsetzung bis Addis-Abeba im Bau.—Geld französisch: die Eingebornen nehmen auch indische Rupien und Silber-Annas in Zahlung.
Konsulate: Abessinischer Konsul Ato Joseph, bei dem man vorspreche vor einem Ausflug nach Abessinien zur Ausstellung eines Waffenscheins (gratis). —Bank: Filiale der Banque de l'Indochine.
Geschichtliches: Erste französische Niederlassung 1862 in Obock, gekauft vom Sultan Ibrahim Abu Bekr; Kohlenlager wurden erst 1883 dort eingerichtet; 1896 wurde Djibouti Hauptstadt der Kolonie »Côte Française des Somalis«.

An der Landungsbrücke für Leichter mit Schmalspurbahn liegen die Kohlenlager und Gebäude der Messageries Maritimes. An der kleinern südlichen Landungsbrücke, die dem Bootsverkehr zum Dampfer dient, das Regierungsgebäude. Krankenhaus für Europäer. Trotz der Hitze sind die Gesundheitsverhältnisse für Europäer gut, nur Sonnenstich kommt häufig vor. Größte Hitze im Juli, August und September. Man trage stets Tropenhelm!—Trinkwasser aus Wasserleitung ist nicht einwandfrei, Darmkatarrhe treten häufig auf. Lebhafter Handel mit Elfenbein, Kaffee, Gold und Häuten; Waffenausfuhr nach der arabischen Küste. Handelshäuser am Place du Port und Place de Menelik.

Eisenbahn Djibouti-Diré-Daua, 310 km in 16 St., zweimal wöchentl. Personenverkehr für I. 180, II. 62, III. (nur Eingeborne) 15,50 Fr., Rückfahrkarten mit 8 Tagen Gültigkeit I. 220, II. 75 Fr. Spurweite der Bahn 1 m. Die Bahn durchläuft die wasserarme, hügelige Küstenebene und fährt dann in Trockentälern in das innere Gebirgsland hinein. Nachdem bei (89 km) Ali Sabiet in 734 m Höhe der französische Grenzposten passiert ist, kommt man durch besonders schöne Gebirgslandschaften hindurch. In 831 m Höhe bei (106 km) Daouanlé ein Bahnhofsgasthaus. Das Gebirgsland endet bei (132 km) Adelé, die Bahn tritt auf eine unabsehbare, mit einzelnen Büschen und Bäumen besetzte Hochebene, erreicht (190 km) Col du Harr (887 m) und, zuletzt wieder durch Bergland, den vorläufigen Endpunkt in (310 km) Diré-Daua (1100 m), 1905 gegründeter Stadt mit 15000 Einw., darunter 500 Europäer. Gasthöfe: Continental; De France; Vigier; Hermelides; Michaelides. Geld: Mariatheresientaler und Meneliktaler (Bör) = 12-16 Mahalek (abessinische Silbermünze, etwa 12-13 Piaster [Girsch]). Französisches Geld wird in Zahlung genommen.
Ausflug von Diré-Daua nach Harar, 60 km in 1-2 Tagen auf Kamelen, Pferden, Mauleseln oder Eseln; Preis für ein Tier 3-5 Taler. Die gebahnte Straße führt am See Hiramaya (abessinisches Wirtshaus zum Übernachten) vorbei, überschreitet einen Bergpaß von 2030 m Höhe und senkt sich dann nach der Stadt Harar (Hôt. Universel, Pens. 15 Fr.), die 1856 m ü. M. auf einem Berge liegt und 50000 Einw. hat, davon 8-10000 Abessinier, an 7000 Galla und Somali, Rest Fremde (Araber, Türken, Armenier, Hindus und Griechen). Harar ist alte Handelsstadt, 1886 von Menelik erobert, Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, Sitz eines Gouverneurs. Die fünf Tore der Stadt werden bei beginnender Dunkelheit geschlossen und unter keiner Bedingung vor dem nächsten Morgen geöffnet; vor der Stadt ist keine Unterkunft, das Kampieren im Freien ist wegen des Geheuls der Hyänen und Schakale unangenehm. Die Stadt, mit Mauern umgeben, inmitten von Bananenpflanzungen und Kaffeegärten reizvoll gelegen, hat typisch orientalisches Gepräge. Sehr gesundes Klima, gute Wasserleitung. Bank: Bank of Abyssinia, eine Filiale der gleichnamigen Bank in Addis-Abeba. Münzwesen s. unter Diré-Daua; PT, Telephon nach Djibouti und Addis-Abeba. Konsulate: England, Italien sind vertreten. Französisches Hospital.
Lebhafter Handel, besonders in Kaffee und Häuten; der Markt wird tägl. von etwa 10000 Angehörigen der Stämme dieser Provinz besucht. Die Umgegend ist sehr fruchtbar, das Klima mild. Etwa 4 St. von Harar Jagd auf Wildschweine etc.
Das eigentliche Abessinien (Habesch, Äthiopien), das man bei diesem Ausfluge nicht berührt, umfaßt ein wildzerklüftetes Alpenland mit wald-und wildreichem Tafelland im Innern, mit gesundem europäischen Hochgebirgsklima, geeinigt 1889 vom Negus Negesti (König der Könige = Kaiser) Menelik, der infolge schwerer Krankheit im Jahr 1911 von der Regierung zurücktrat. Seitdem ist der (1896 geborne) Enkel Meneliks, Lidji Jeassu, König von Abessinien. Die südl. Provinzen werden künftig mit der Bahn erreichbar, die von Diré-Daua westwärts 470 km weiter bis zur Hauptstadt Meneliks, Addis-Abeba, im Bau ist. Addis-Abeba, etwa 2400 m ü. M. von Bergen umgeben in der Landschaft Schoa gelegen, zählt ca. 50000 Einw.; etwa 60 km westlicher liegt die zeitweilige Residenz Addis-Alam des Königs. Schoa hat in den Höhenlagen sehr gesundes Klima, doch tropische Regenzeit vom Juni bis September.
Jagdgelegenheit bei Addis-Abeba am Hawasch-Fluß und an den Robi-Seen auf Nilpferde, Krokodile, Warrans, Löwen, Leoparden, Büffel und Antilopen sowie auf Federwild, wie Marabus, Kuhreiher etc.; zur Jagd sind Empfehlungen und Regierungserlaubnis erforderlich.