Vom Landungsplatz Steamer Point nach Aden fährt man in etwa 3/4 St. In Steamer Point beginnt das Straßenleben der Europäer nach 5 Uhr Nm., wenn die Sonne hinter die Berge tritt; dann versammeln sich die Offiziere und Beamten nebst Familien beim Sportplatz. Die Straße nach Aden führt anfangs am Strand entlang, dann vorbei am Dorfe Malla und durch mehrere Felsentunnel und Festungstore in die Stadt Aden, die regelmäßig erbaut ist und nur wenig Grün zeigt. Der Basar ist sehenswert (Fettschwanzschafe, Kamele). Außerhalb der alten Stadt haben die Parsen einen Feuertempel und einen Turm des Schweigens (S. [60]) angelegt. Die großen Zisternen liegen in einer Schlucht, wo das Regenwasser von den Bergen zusammenfließt; ihre Umgebung zeigt als einziger Punkt der Umgebung frisches Grün. Etwa 50 Zisternen sind vorhanden, doch bisher nur etwa 13 wieder instand gesetzt; sie liegen stufenförmig übereinander, am SO.-Ende der Stadt bildet ein großes Becken den untern Abschluß. Das Wasser wird auf Eseln und Kamelen zur Stadt geschafft. Die Zisternenanlage ist (auch landschaftlich) die größte Sehenswürdigkeit Adens.
Das Klima von Aden ist nicht ungesund, doch in der großen Hitze während des Südwestmonsuns kommen Hitzschläge häufig vor. Passagiere von Europa sollten stets mit Tropenhelm an Land gehen! In der kühlen Jahreszeit (Mitte Oktober bis Ende März) hüte man sich vor Erkältungen nach Sonnenuntergang. Gegen Sonne und Staub ist eine graue Sonnenbrille empfehlenswert. Der Regenfall beträgt im Jahresdurchschnitt 58 mm, bleibt jedoch manchmal jahrelang ganz oder fast ganz aus; die mittlere Jahreswärme ist 28° C. Bei längerm Aufenthalt wirkt das Klima sehr erschlaffend.
Fahrt von Aden nach Bombay, 1650 Seem., in 4-5 Tagen. Um heißes Wetter und Regenzeit zu meiden, wähle man für die Fahrt die Zeit zwischen Ende Oktober und Ende Februar. Mai und September sind heiß; zwischen Mai und September, im Südwestmonsun, steht meist hoher Seegang zwischen Aden und Bombay, dann ist die Überfahrt sehr rauh, naß und unfreundlich.
Der Golf von Aden und das Arabische Meer, der Nordwestteil des Indischen Ozeans, stehen wie das übrige Südasien während des ganzen Jahres unter dem Einfluß der Monsunwinde, jahreszeitlicher Luftströmungen, die durch den Temperaturgegensatz zwischen Festland und Ozean hervorgerufen werden. Das Innere der gewaltigen asiatischen Festlandsmasse erwärmt sich im Sommer viel stärker als die umgebenden Meere, kühlt sich aber auch im Winter viel stärker ab. Infolgedessen steigt im Sommer die erhitzte Luft über Innerasien in die Höhe, und die obern Luftschichten fließen gegen die kühlem Meere hin ab, während unten umgekehrt eine Strömung vom Meere zum Lande hin einsetzt. Diese äußert sich über dem Arabischen Meer als Süd-und Südwestwind, als sogen. Südwestmonsun, der als Seewind feucht ist und für den größern Teil Indiens die Regenzeit bringt. Die umgekehrte Luftzirkulation tritt im Winter ein; dann herrscht über dem Arabischen Meer der Nordostmonsun, ein trockner Landwind, der viel schwächer weht, weil die gegen 6000 m hohe Mauer des Himalaja die Luftmassen aus Innerasien nur in der Nordwestecke Vorderindiens in dieses eindringen läßt.
Schwere Wirbelstürme sind im Arabischen Meer seltener als in der Bai von Bengalen und im Chinesischen Meer, kommen aber doch, besonders in den Monaten April, Mai, Juni sowie im November, vor und bringen zuweilen sintflutartigen Regen und Gewitter. Fallen des Barometers um 7-8 mm ist ein sicheres Anzeichen für einen Wirbelsturm, dessen Zentrum meist im Winkel von etwa 6 Strich (= 68°) zur Monsunrichtung fortschreitet. Auch große Dampfer suchen dem Zentrum nach Möglichkeit auszuweichen.