Die Lebensweise soll in allem mäßig sein; nicht zu viel Schlaf; gymnastische Bewegungen zur Förderung des Blutumlaufs nicht versäumen, aber nur morgens vor der großen Hitze; früh aufstehen, zeitig zu Bett. Morgenspaziergänge und -ritte sind am besten, abends kann man sich im starken Tau leicht erkälten. Nach den Mahlzeiten ruhe man! Man bade täglich, aber nie mehr als zweimal. Wollene Leibbinde sollte man namentlich nachts tragen; sie schützt gegen Darmerkrankungen. Nachts schlafe man in Nachtanzug (Pyjamas) aus Rohseide oder leichtem Wollen-oder Baumwollenstoff und nie auf fremden Matratzen oder Kissen ohne reine Bezüge. Man hüte sich vor Zugwind, weil Europäer in Indien viel unter Rheumatismus zu leiden haben, und sitze nicht im Abendtau im Freien! Nicht zu schwere Fleischkost, nicht viel Bier, überhaupt wenig Alkohol. Unreife Früchte und rohe Früchte, deren Wirkung man nicht kennt, saure Weine, auch rohe indische Austern, trotzdem sie wohlschmeckend sind, sollte man stets meiden. Sehr stärkend für den Magen ist der indische Curry mit Reis, auch wenn er dem, der ihn noch nicht aß, zu scharf schmeckt. Sekt auf Ei (»Scrupkin«) wird als Mittel gegen Dysenterie empfohlen. Durchfall soll man nicht gleich stopfen, sondern nur durch Diät (nur Reis essen und gekochtes Reiswasser trinken!) mildern; wo ein Arzt ist, ziehe man ihn rechtzeitig zu Rate, weil er die klimatischen Einflüsse zu beurteilen versteht; auch Verstopfung nicht vernachlässigen! Tee genügt als Stimulans völlig.
Landreisen sind auf Hauptstraßen im Anschluß an die Bahn mit Postwagen (Dâk) oder andern ortsüblichen Fuhrwerken ausführbar. Die eigne Verpflegung nehme man mit, für die Eingebornen ist fast in jedem Dorfe das Nötigste zu haben. Moskitonetz; übrige Ausrüstung dem Reiseziel anpassen. Chinin ist nötig. Als Vorbeugungsmittel wird Chinin in größerer Dosis (bis zu 1 g) an zwei aufeinanderfolgenden Tagen wöchentlich oder jeden fünften Tag 1/2 g zu nehmen empfohlen; kleine Dosen täglich sind unwirksam. Während Fieberanfall nehme man Phenazetin nach ärztlicher Vorschrift.—Empfehlungsbriefe an englische Beamte oder Klubs und an Radschas sind nützlich und bei Reisen in Birma unentbehrlich.
Gefahren für Reisende. Bisse wilder Tiere (Pariahunde, Schakale) muß man, falls Wutverdacht vorliegt, im Pasteur-Institut in Kasauli nahe bei Kalka (S. [75]) und in Coonoor (Nilgiris) behandeln lassen. In Bombay wird ein Pasteur-Institut eingerichtet. —Schlangen (namentlich Cobras, Brillenschlangen) zeigen sich gelegentlich (auch noch auf Malabar Hill in Bombay), Europäer verscheuchen die Tiere aber meist durch das Geräusch ihrer Schuhe. Schlangenbisse werden ähnlich wie Kreuzotterbisse behandelt: man verhüte, daß das Gift zum Herzen gelangt, durch Abschnüren des gebissenen Gliedes; die Wunde öffnen, ausbluten lassen, auswaschen mit Lösung von übermangansaurem Kali oder (falls dies nicht zur Hand ist) mit heißem Eisen oder Pulver ausbrennen, dazu tüchtig Bewegungen machen, Alkohol trinken etc., um das Gift »auszuschwitzen«. Als Gegengift erhält man in Indien »Calmette's Antivenene Serum« oder Chlorpastillen. — Skorpionbisse sind schmerzhaft, aber selten gefährlich; man wasche sie mit Ammoniak oder Essig aus.—Bestreichen mit Eukalyptusöl schützt vor den wegen Malaria-Ansteckung gefährlichen Moskitostichen, die man auch mit Ammoniak oder Essig behandelt.
Krankheiten, denen Reisende in Indien ausgesetzt sind: Cholera (Ansteckung meist durch Wasser); Verstopfung (man nehme Cascara-Tabletten); Durchfall (nie vernachlässigen); Dysenterie; Malariafieber; Augenentzündung; Typhus; Geschlechtskrankheiten. —Die Pest (engl. plague) ist fast überall in Indien heimisch, tritt unter den Eingebornen mehr oder minder stark auf, im März am schlimmsten. Europäer bleiben ziemlich verschont, wenn sie nicht in nahe Berührung mit dem Volke kommen. Die religiösen Feste der Hindus tragen viel zur Verbreitung der Pest bei.

2. Bombay

Vgl. den beifolgenden Plan.

Ankunft zur See. Die meisten Dampfer ankern auf der Reede; Reisende werden mit Dampfboot gelandet. Zolluntersuchung in der Halle bei der Landungsbrücke. Schußwaffen, auch gebrauchte, zahlen hohen Zoll (s. S. [49]), wenn man sie nicht im selben Jahre schon in Indien verzollt hat. Der Zoll wird bei der Abreise gegen Vorzeigen der Quittung (Receipt) zurückerstattet. Meist erhält man schon auf dem Dampfer oder im Zollamt ein Formular, in das jeder Reisende Zahl der Gepäckstücke, Inhalt und Wert anzugeben hat. Wenn das schwere Gepäck innerhalb 24 St. nicht untersucht ist, wird es nach dem städtischen Zollamt (Town Custom House; C4) gebracht. 5 St., nachdem die Ankunft eines P. & O.-Dampfers signalisiert ist, gehen Schnellzüge für Durchreisende nach dem Osten ab.—Beauftragte der bessern Hotels sowie von Thos. Cook & Son kommen mit den Zollbeamten an Bord und übernehmen Aufträge zur Besorgung des Gepäcks. Falls der Dampfer nachts ankommt, bleibt man am besten bis Tagesanbruch an Bord.