Von Saïgon nach Haïphong und Hanoï.

Messageries Maritimes alle 8 Tage von Saïgon nach Tourane für I. Kl. 128, II. 891/2 Fr. und weiter nach Haïphong für I. 192, II. 140 Fr. Dann 101 km Eisenbahn von Haïphong nach Hanoï.
Anam. Das unter französischer Oberherrschaft stehende Königreich Anam, 160000 qkm groß mit 5,5 Mill. Einw., Hauptstadt Hué, besteht größtenteils aus Gebirgsland, das im südlichen Teil steil unmittelbar zur Küste abfällt und erst von Hué ab nordwärts einer schmalen, sehr fruchtbaren Küstenebene Raum läßt. Die etwa 1200 km lange Küste von Anam ist der Schiffahrt sehr ungünstig; häufig von Stürmen und im Herbst und Winter von starker Brandung heimgesucht, bietet sie in ihrem südlichen Teil durch Felsriffe, im nördlichen durch Sandbarren der Annäherung von Schiffen gefährliche Hindernisse, enthält aber viele gute Häfen, darunter die Bucht von Tourane; Tourane hat sich schnell zur Hafenstadt für die etwa 80 km nördl. gelegene Hauptstadt Hué entwickelt, die ihrerseits ihre Vorrangstellung der Lage am Südende der Küstenebene und am Ausgangspunkte eines bequemen Überganges über das Gebirge hinüber nach Laos (Paß von Ailao, 410 m) verdankt. Das Gebirge, die »Kordillere« von Anam, erhebt sich durchschnittlich bis 600 oder 700 m, doch mit einigen Gipfeln auf 2500 m. Es zeigt zwar eine Reihe von durch tiefe Täler getrennten Ketten, ist aber wahrscheinlich nicht, wie die Gebirgsketten des westlichen Teils von Hinterindien, ein Faltungsgebirge, sondern durch Bruchbildung entstanden; es besteht meist aus alten und widerstandsfähigen Gesteinen und ist gut bewaldet.


Nordwärts von Hué beherbergt es noch viele Naturvölker. Das Klima der nördlichem Küstenstrecke Anams weicht von dem Cochinchinas ziemlich stark ab; der jährliche Temperaturverlauf ist weniger gleichmäßig, der Winter kühler, die heiße Zeit um einige Monate verschoben (Hué Jahr 25,4°; Februar 19,7°, Juni und August 29,5°), die Regenzeit wird nicht vom SW.-Monsun, sondern vom NO.-Monsun gebracht und fällt in die Monate September bis Dezember, Höhepunkt im Oktober.

Die Seefahrt vom Kap Saint-Jacques (S. [177]) längs der Küste von Anam bietet vom Leuchtturm des Kap Padaran (mit Blitzfeuer von 32 Seem. Sichtweite) schöne Gebirgslandschaft. Ein sehr schöner Hafen liegt in der Bucht von Cam-ranh, der als Schutz bei stürmischem Wetter dient. Manche Dampfer laufen den Hafen von Nha-Trang an, in dessen Laboratorium 1897 Dr. Yersin den Pestbazillus entdeckte. Man passiert dann Kap Varella mit Leuchtturm und gelangt nach Quinhone, Hafenplatz in einer großen geschützten Bucht; in der Ebene viele Baudenkmäler der Khmer (S. [183]); 18 km nw. liegt die Zitadelle von Binh-dinh (15000 Einw.). Auf 16° 15' nördl. Breite erreicht man die schöne Bucht von

Tourane (Tourane Hôtel oder Hôtel Morir, 40 Z. 4, Ged. 3,50, Pens. 12 Fr.;—Banque de l'Indo-Chine, Korr. der Deutschen Bank und der Berliner Disconto-Gesellschaft); moderne Stadt (vgl. S. [185]) mit 4300 Einw. (100 Europäer); Ausfuhrplatz der Kohlengruben von Nang-Son; Eisenbahn von hier über Hué nach Quangtri, 175 km. Im Volkspark Skulpturen von Khmerbauten. Der Hafen mit 8 m Wassertiefe liegt 3/4 St. von der Stadt. Ausflug im Palankin mit Trägern (durch die französische Residentschaft vorher zu bestellen), die alle 10 km gewechselt werden (Preis 10 c. für jeden Mann), über den 470 m hohen Bergkamm Col des Nuages bis (107 km) Hué; soll sehr lohnend sein. Schneller gelangt man mit der Eisenbahn (s. S. [185]) nach

Hué (Grand Hôtel Guérin Hué), Hauptstadt des Königreichs Anam, mit 50000 Einw., auf 16° 35' nördl. Br. am l. Ufer des Huong-giang oder Huéflusses; gegenüber liegt die französische Oberresidentschaft (Résidence supérieure) und ein kleines französisches Viertel. Sehenswert sind die Königsstadt und die Königsgräber, zur Besichtigung ist Erlaubnis durch die Residentschaft zu erwirken. Der *Palast des Königs Duy-Tan ist mit hoher Mauer umgeben, viele Gebäude liegen innen in Gärten. Die Stadt umgibt die Königsstadt, hat viele Pagoden, Schulen, Zeughäuser und ist mit Festungsmauern nach Vaubans System umgeben. Gewerbe und Handel sind unbedeutend. Bahn nach Hanoï. Beim Ausflug nach den *Königsgräbern (1 Tag, Mundvorrat mitnehmen!) fährt man von Hué im Wagen bis zum Fluß und nimmt hier Sampan zum Besuch der flußaufwärts gelegenen Gräber (es ist verboten, durch die Mittelpforte der Mausoleen einzutreten, die nur für den König da ist). Man besichtigt zuerst das Mausoleum von Gia-long, dann das hervorragend schön gepflegte von *Minh-mang (mit Gärten). Dann zurück zum Wagen und Besichtigung der interessanten Totenstadt von *Tu-duc in der Nähe von Thieu-tri.

Von Tourane (s. oben) steuert der Dampfer mit NNW.-Kurs durch den Golf von Tonkin auf die kleine Insel Hon-dau mit Leuchtfeuer zu, die vor der Cua-Cam-Mündung des Roten Flusses liegt; r. läßt man die Norwayinseln mit 22 Seem. weit sichtbarem Blitzfeuer, die den großem Inseln vor der Alongbucht vorgelagert sind. Bei Do-Son (Grand Hôtel; Doson Hôtel, gut), 22 km so. von Haïphong, ist auf einer Halbinsel ein hübsches, vielbesuchtes Seebad mit vielen Villen angelegt. In die Mündung des Cua-Nam-trieu, dem neuen Hauptfahrwasser nach Haïphong, das durch den Dinh-Vu-Durchstich mit dem Cua-Cam (oberhalb dessen Mündung) verbunden ist, können jetzt große Dampfer bis 8,5 m Tiefgang einsteuern.

Haïphong, Stadt mit 27000 Einw., ist der Haupthafen von Tonkin, wie Saïgon der von Cochinchina ist, und hat in seiner Lage Ähnlichkeit mit jenem; es liegt nicht im Delta des Hauptflusses von Tonkin, des Roten Flusses, dessen Mündungsarme zum Teil wie die des Mekong verschlammt sind, sondern etwas seitlich am Zusammenfluß des Song Tam-bac mit dem Cua-Cam, 37 km vom Meere.