Man schütze sich in dieser Malariagegend besonders vor Moskitostichen durch Schleier und Rauchen!
Zweigbahn von Maos nach Tjilatjap, ein unbedeutender Seehafen und verrufenes Fiebernest, an der landschaftlich schönen Südküste Javas, der die lange »Blumeninsel« (Noesa Kembangan) vorgelagert ist.
Weiter über Gombong, Koboemen, Koeto Ardjo; nach 51/2 St. Fahrt
(560 km) Djokjakarta (meist kurz Djokja genannt; Hotel Toegoe [A. Herscheit], am Bahnhof, 40 Z., F. 1, Dej. 1,50, Din. 2, Pens. 5-6 Fl., gelobt; Hotel Centrum; Hotel Mataram, alle drei nahe dem Bahnhof), Hauptstadt des gleichnamigen Vasallenstaats, Sitz des Sultans und eines niederländischen Residenten mit starker Garnison im holländischen Fort Vredenburg und etwa 60000 Einw., davon 4000 Chinesen und 2000 Europäer. Der Sultanssitz, Kraton, ist ein mit 4 m hohen und 5 m breiten Mauern umgebenes Stadtviertel, in dessen Straßen 15000 zum Hofstaat des Sultans gehörige Javaner leben; mitten im Kraton, hinter zwei Toren und Gittern, ist der Palast des Sultans mit großem Harem. (Erlaubnis zum Besuch des Kraton ohne Audienz wird durch den Residenten gern erlaubt, wenn man ein kurzes Schreiben an ihn rechtzeitig einreicht; beste Besichtigungszeit Vm.; die Residentschaft stellt einen niederländischen Unterbeamten, der Deutsch spricht, zur Führung). Das Stadtleben ist sehenswert.—Rundfahrt. Vom Gasthof morgens mit Wagen 3 Fl.) durch eine Allee zum *Waterkastell, die Ruine eines mit Graben umgebenen märchenhaften Lustschlosses mit Bädern, Teichen, Irrgärten, Hallen und Türmen. (Man nehme einen Jungen als Führer.) Dann weiter über den großen Paradeplatz, wo sich abends bei Militärmusik die Europäer zeigen, in den Kraton (soweit ohne Erlaubnis zugänglich), ein Labyrinth von Höfen, Gärten und Tempeln, Häusern, Leibwachträumen, Elefantenställen, Leopardenkäfigen etc. Der Platz vor dem Schloß ist schön, die Schlösser sind nicht sehenswert. Man versäume nicht, über einen Markt in der Stadt (pasar) zu fahren und das Malen der Sarongs (Batiken) vor den Hütten anzusehen.
Ausflüge: 1) Nach Prambanan; mit der Bahn (Rückfahrkarte I. 1,75, II. 1 Fl.) von Djokja in 40 Min. nach dem Dorf Prambanan, der dritten Station der Bahnlinie Djokja-Solo, dann zu Fuß oder mit Wagen in 1/4 St. zum alten *Hindutempel von Prambanan; beim Tempel gutes Rasthaus mit Kaffeehaus. Drei Mauern umgeben die riesige Anlage; mitten zwischen 157 kleinen Dagobas stehen auf quadratischer Terrasse acht große Tempel, gopuraartige Aufbauten mit breiten Treppen. Der größte Tempel hat noch zwei Seitentreppen, im obern Tempelraum ist eine Schiwafigur, im Nebenraum seine Gattin Durga auf getötetem Stier; die Javanen nennen das schöne Erzbild »Lora Djonggrang«, eine Märchenprinzessin, der sie Frucht-und Blumenopfer bringen. Im dritten Tempelraum ist der elefantenköpfige Sohn beider, Ganesa. In einem andern Tempel ist ein großen Reichtum spendender steinerner Zebustier. Das Schönste sind die kunstvollen, oft naiv-lustigen Steinfriese an den Außen-und Innenwänden der Haupttempel; sie stellen die brahmanische Götterlehre und das indische Epos Ramâyana dar; vorzüglich erhalten ist die Geschichte vom treuen Affen Hanumân. Der Nebentempel zeigt groteske Darstellungen zu Ehren der Göttin der Fruchtbarkeit. Die Tempelanlage gilt als Grabstätte der alten hindustanischen Kaiser von Mataram, etwa im 8. Jahrh. erbaut.
—Rückweg zum Bahnhof nehme man über die Tausend Tempel (Tjandi Sèwoe), 20 Min. nördl., mit einem großen Mitteltempel, umgeben von 240 kleinen in vier Reihen; der Haupttempel ist beim Erdbeben 1867 beschädigt, zeigt aber noch vorzügliche Götterbilder; erwähnenswert sind die schönen Frauenfiguren an den Treppenmauern der Westseite, die eine Vision Buddhas darstellen. (Beschreibung des Tempels von Dr. Groneman beim Tempelwächter zu haben.)
2) Nach *Boro-Boedoer (wer in Djokja mit Mittagsschnellzug ankommt, hat auf dem Bahnhof sofort Anschluß mit der Dampfstraßenbahn nach Moentilan), 32 km nw.; 2 St. Fahrt mit Automobil (stellt Hotel Toegoe für 65 Fl. für 5 Personen, hin und zurück über Magelang); oder mit Dampfstraßenbahn, vom Bahnhof Djokja abgehend, nördl. durch gut bebautes Land, meist Reisfelder, Dörfer mit Märkten, bis nach (25 km) Moentilan; von da mit Zweispänner (3,5 Fl.; Dreispänner [7 Fl.] kaum nötig, Fuhrwerk bestelle man unterwegs beim Zugführer oder beim Bahnhofsvorstand) in das Hochland von Kadoe, das »Paradies von Java«, in dessen Mitte der wunderbare Tempel von Boro-Boedoer liegt, umgeben von Bergen, darunter die Vulkane Merapi (2875 m) und Merbaboe (3145 m). Man fahre zuerst zum Vortempel Tjandi-Mendoe, mit Riesensteinbild Buddhas. Etwa 4 km weiter, nach 15 Min. Fahrt, erreicht man nach Überschreiten eines Flusses den Hügelrücken, worauf, gegenüber dem Haupttempel, das (14 km) Rasthaus (pesanggrâhan) mit Wirtschaft (gut zum Essen und Übernachten) steht. Wenn Zeit ist, übernachte man dort, weil Sonnenunter- und-aufgang in Boro-Boedoer unvergleichlich schön sind. Der Tempelwächter ist ein Deutscher.—Der große *»Tempel« von Boro-Boedoer ist das großartigste buddhistische Bauwerk auf Java, erbaut im 8. oder 9. Jahrh., 1907-11 durch die Regierung gut renoviert. Er ist kein eigentlicher Tempel, sondern ein kuppelförmiges Denkmal ohne Innenraum zum Andenken Buddhas (Stupa). Auf quadratischer Grundfläche von 153 m Seitenlänge erhebt sich »jenes in Terrassen aufsteigende, seltsam grandiose Bauwerk, das an Mächtigkeit alle andern buddhistischen Tempelbauten so weit überragt, wie das Land, in dem es steht, an Schönheit den Standort jener übertrifft« (Hans Meyer). Der Unterbau besteht aus fünf 20eckigen, von 1,5 m hohen Steinmauern eingefaßten Terrassen übereinander, jede mit reichverziertem Tor in der Mitte, neben dem Treppenstufen zur höhern Terrasse hinaufführen. Alle Terrassen sind mit Buddhafiguren, Löwen und Stieren und reichen Ornamenten geschmückt. Über der obersten 20eckigen Terrasse erheben sich noch drei kreisrunde, die je 32, 24 und 16 (insgesamt 72) sitzende Buddhafiguren unter offenen (teilweise eingestürzten) Kuppeldächern (Dagobas) tragen. Als Krönung des ganzen Baues steht auf der obersten 37 m hohen Terrasse eine 6 m hohe Dagoba; sie enthielt früher einen Buddha, der jetzt vor dem Tempel steht. Leider sind viele Steinfiguren barbarisch verstümmelt; man zählt über 400 Buddhabilder. Von den 1500 Basreliefs sind fast 1000 noch gut erhalten und bilden den künstlerisch wertvollsten Teil des Ganzen; man erkennt auf ihnen Segelschiffe mit zwei Masten, prächtige Rüstungen, Speichenräder. *Aussicht prächtig von der Kuppel des Tempels, besonders bei Sonnenauf-und-untergang! (Beschreibung des Tempels von Dr. Groneman ist beim Tempelwächter zu haben; ausführlicher ist das Werk: »Die Buddhalegende in den Skulpturen des Tempels von Bôrô-Budur« von C. M. Pleyte, mit 120 Abbildgn., Amsterdam, Verlag de Bussy.)
Vom Tempel zurück kann man mit der Dampfstraßenbahn ab Moentilan 16 km nach Magelang (Hôtel Loze) fahren und von da mit Wagen in die Hochebene von Diëng (2171 m; gutes Rasthaus), die mit dem amerikanischen Yellowstone Park (II. Teil, S. [151]) verglichen wird.—Sehr schön ist die Wagenfahrt (17-20 Fl.) von Magelang durch das paradiesische *Kedoetal über den Pinggit-Paß (686 m) nach (35 km) Ambarawa (Hotel van Rheeden, genannt di Atas, gute Verpflegung, Pens. 4 Fl.; Hotel di Bawa), einem idyllischen Landstädtchen; von dort Eisenbahn nach Samarang (s. S. [207]).
Von Djokjakarta fährt die Bahn durch Reisfelder und große Dörfer am Fuße des Vulkans Merapi entlang, r. die scharfzackigen Felsen der südlichen Gebirge, nach dem Bahnknotenpunkt