Hehn war 37 Jahre alt, als er das Manuskript über Hermann und Dorothea fertigstellte. So wesentlich sich auch nachher sein politisches Urteil modifizierte und sein Wissen bereicherte, sein ästhetisches Urteil war um jene Zeit bereits dasselbe wie in späteren Jahren. Wo er, wie in den »Gedanken über Goethe« über das Goethesche Epos redet, finden wir keinen Widerspruch zu seinen mehr als ein Menschenalter früher formulierten Ausführungen. Es bietet dem Freunde Hehnscher Gedankenarbeit aber einen besonderen Reiz, zu verfolgen, wie in diesen Werken des kräftigsten Mannesalters eine Wärme der Empfindung überwiegt, die später oft durch eine kühle Ironie in Beurteilung von Menschen und Verhältnissen zurückgedrängt wurde. Findet das Hehnsche Buch die Beachtung und Anerkennung, die wir ihm wünschen, so soll es der Vorläufer anderer sein.
Theodor Schiemann.
Inhalt.
| Seite | |
| Einleitung | [1-4] |
| Hermann und Dorothea | [5-26] |
| Wahl des Stoffes. Warum kein politischer | [26-51] |
| Stoffquelle, Entstehung und Aufnahme | [52-60] |
| Ort und Zeit | [60-65] |
| Gang der Fabel | [65-85] |
| Charaktere | [86-100] |
| Sitten und Lebenssphäre | [100-114] |
| Diktion | [114-129] |
| Vers | [129-139] |
| Andre deutsche Epen (Luise von Voß, Messias von Klopstock) zur Vergleichung | [139-146] |
| Anmerkungen | [147-164] |
| Einleitung | [148-150] |
| Hermann und Dorothea | [150-156] |
| Wahl des Stoffes. Warum kein politischer | [156-158] |
| Stoffquelle, Entstehung und Aufnahme | [158-159] |
| Ort und Zeit | [159] |
| Gang der Fabel | [159] |
| Charaktere | [160] |
| Sitten und Lebenssphäre | [160-161] |
| Diktion | [161-162] |
| Vers | [162-163] |
| Andre deutsche Epen (Luise von Voß, Messias von Klopstock) zur Vergleichung | [163-164] |
Einleitung.
Wieder über Goethe! ruft vielleicht mancher und wirft das Buch ungeduldig beiseite. Aber was haben wir denn sonst noch Großes, was besitzen wir bis jetzt noch andres, nicht im Traum, sondern wahrhaft, als Goethe? Wie die Franzosen sich das Bild der Revolution, ihres Heroenzeitalters, in immer neuer Beleuchtung vorführen, so füllen wir Bibliotheken über die Literatur und vornehmlich über deren größte Gestalt, den einzigen wirklichen Dichter, der uns zu teil geworden. Jch bringe meinen Beitrag zu den vielen andern. Der fromme Beter, aus dem Tempel tretend, pflanzt dankbar auch sein Bäumchen, so daß im Lauf der Jahre ein immer herrlicherer Hain das Heiligtum umrauscht.