„Ich habe vierzig gezählt“, flüsterte der Botschafter, und obgleich die Königin über die Stärke des Feindes erschrak, sagte sie doch laut und zuversichtlich:

„Es wird keine von ihnen ihre Heimat wiedersehen.“

Die Worte der Königin wirkten auf die Soldaten und Offiziere wie eine furchtbare Wahrsagung zum Unheil des Feindes, und der Mut aller hob sich.

Als aber nun draußen in der stillen Morgenluft erst leise und dann lauter und lauter ein scharfes unheilvolles Surren entstand, als der Eingang sich verdunkelte und alle deutlich die schrecklichen Flüsterstimmen dieser grausamsten Räuber und Mörder vernahmen, die es in der Welt der Insekten gibt, da erbleichten die Angesichter der kleinen mutigen Bienen, als ob ein fahler Lichtschein über die Reihen sänke. Sie sahen einander mit Augen an, in denen der Tod wartete, und die ersten wußten, daß keine Minute mehr vergehen würde, bis sie ihr Leben gelassen hatten.

Da klang die gefaßte Stimme der Königin ruhig und klar aus der Höhe:

„Laßt die Räuber eindringen, einen nach dem andern, bis ihr meinen Befehl hört, dann stürzen die ersten Reihen, je hundert zugleich, sich auf die Eingedrungenen, und die hinteren Reihen decken den Eingang. Auf diese Art teilen wir die Streitmacht des Feindes. Bedenkt ihr Ersten, von eurer Kraft und Ausdauer und von eurem Mut hängt das Wohl des ganzen Staates ab. Aber seid getrost, die Feinde werden im Dämmerlicht nicht sogleich erkennen, wie wohl wir gerüstet sind und arglos eindringen ...“

Sie brach ihre Worte ab, denn im Tor erschien der Kopf des ersten Räubers. Tastend und vorsichtig spielten die Fühler, die Zangen öffneten und schlossen sich, daß einem das Blut erstarren konnte, und langsam schob der ungeheure getigerte Leib mit seinen starken Flügeln sich nach. Der Panzer funkelte im Licht, das von außen eindrang.

Es ging wie ein Zittern durch die Reihen der Bienen, aber kein Laut war vernehmbar.

Die Hornisse trat leise zurück, und man hörte ihre Meldung:

„Der Stock schläft! Aber der Eingang ist halb vermauert und es sind keine Wächter da. Ich weiß nicht, ob das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen ist.“