„Mein Gott,“ rief Maja, ganz heiß vor Erregung und Freude, „sehen Sie dort den Menschen, wie schön, wie gut. Begeistert es Sie nicht?“
Die Mücke sah erst Maja sehr erstaunt an und drehte sich dann langsam nach dem Gegenstand ihrer Bewunderung um:
„Ja,“ sagte sie, „er ist gut, gewiß, ich habe ihn eben angebohrt. Schauen Sie, mein Leib schimmert rot von seinem Blut.“
Maja mußte ihrem Herzen mit der Hand zur Hilfe kommen, so sehr erschrak sie über die Kühnheit der Mücke.
„Wird er sterben?“ rief sie. „Wo haben Sie ihn verletzt? Wie können Sie nur den erforderlichen Mut und zugleich eine so unwürdige Gesinnung aufbringen? Sie sind ja ein Raubtier!“
Die Mücke lachte und antwortete mit ihrem hohen hellen Stimmchen sichtlich amüsiert:
„Dies ist doch nur ein ganz kleiner Mensch. Diese Größe wird Mädchen genannt, sobald die Beine bis zur Hälfte von einem abstehenden farbigen Panzer bedeckt sind. Ich kann natürlich hindurchstechen, aber in der Regel erreicht man die Haut nicht. — Sie haben ja eine ganz fabelhafte Unkenntnis, glauben Sie denn, die Menschen seien gut? Ich habe niemals einen gefunden, der mir freiwillig auch nur das kleinste Tröpfchen Blut gegönnt hätte.“
„Vom Menschen weiß ich allerdings noch nicht sehr viel“, sagte Maja kleinlaut.
„Aber Sie geben sich doch von allen Insekten am meisten mit den Menschen ab, Sie lassen sich am weitesten mit ihnen ein, das ist doch bekannt.“
„Ich habe das Königreich verlassen“, gestand Maja schüchtern. „Es gefiel mir nicht, ich wollte die Welt kennenlernen.“