Maja wäre fast von der Blütendolde gefallen, so furchtbar erschrak sie. Sie wurde totenblaß, und zitternd fragte sie, wo die Stadt läge.
„Sehen Sie dort den alten Starenkasten im Gebüsch am Stamm der Weide? Er ist so ungeschickt angebracht, daß ich gleich daran gezweifelt habe, daß er jemals von Staren bezogen wird. Wenn so ein Kasten nicht gegen Sonnenaufgang geöffnet ist, besinnt sich jeder anständige Vogel, ehe er einzieht. Die Hornissen haben nun darin ihre Stadt angelegt und befestigt. Es ist die größte Hornissenburg im Land. Das sollten Sie eigentlich wissen, denn soviel ich beobachtet habe, stellen diese Räuber euch Bienen nach.“
Maja hörte kaum noch zu. Sie unterschied deutlich die braunen Mauern der Burg im Grün, und ihr Atem stockte.
„Ich muß fort,“ rief sie, „so rasch als möglich.“
Aber da klang hinter ihr ein lautes, böses Lachen, und gleich darauf fühlte die kleine Maja sich so energisch am Kragen gepackt, daß sie meinte, ihr Genick sei gebrochen. Nie in ihrem Leben hat sie dies Lachen vergessen können. Es klang wie ein Hohngelächter aus der Finsternis, und ein grauenerregendes Klirren von einem Panzer mischte sich hinein.
Hieronymus ließ sich mit allen seinen Beinen zugleich los und purzelte durch die Zweige in die Wassertonne.
„Ich zweifle daran, daß es gut geht“, rief er, aber das hörte die arme kleine Biene nicht mehr.
Sie konnte sich anfangs kaum umkehren, so fest wurde sie gehalten. Sie sah einen goldgepanzerten Arm und dann plötzlich über sich einen ungeheuren Kopf mit fürchterlichen Zangen. Zuerst glaubte sie, es sei eine riesengroße Wespe, aber dann erkannte sie, daß sie sich in den Fängen einer Hornisse befand. Das schwarz und gelb getigerte Ungeheuer war wohl viermal so groß wie sie selbst.
Endlich löste sich ihre Stimme, und sie schrie so laut um Hilfe, als sie konnte.
„Laß doch, Kerlchen“, meinte die Hornisse mit einer ganz unausstehlichen Freundlichkeit und lächelte Maja böse an. „Es dauert nur so lange, bis es vorüber ist.“